Ob die beiden Störche Nachkommen des Hammelburger Paars Jakob und Adele sind, konnte bisher nicht geklärt werden. "Zwar trägt das Männchen einen Ring, doch der ist zu sehr verschmutzt. Es ist nicht ersichtlich, welche Kennnummer darauf steht", erklärte Jochen Willecke bei einer Informationsveranstaltung des Bund Naturschutz. Rund 50 Stadtteilbewohner, darunter viele Kinder und Jugendliche, wollten wissen, was im Nest vor sich geht.

Willecke wies darauf hin, dass der Bund Naturschutz keineswegs gegen die Ansiedlung der Störche war, aber Bedenken wegen der Blitzableiter und der Feuerwehrsirene auf dem Kindergartendach hatte. Doch offensichtlich fühlen sich die Störche in ihrem Nest wohl, das die Kindergarteneltern und die Erzieher, federführend Norbert Schaub und Robert Streit, als Rohbau aus Weidenruten in einem speziellen Metallgestell angefertigt und montiert hatten.

"Der Wohnraum der Störche ist hervorragend. Wie aber sieht es mit dem Lebensraum aus?", fragte Willecke mit Blick auf das vergangene Jahr das kein gutes für Störche gewesen war. Viele Jungtiere verendeten wegen des nasskalten Mai-Wetters.

Raps, Mais und Getreide sind nichts für die Störche, die für ihre Hauptnahrung - nämlich Regenwürmer - Äcker und Feuchtgebiete benötigen. Aber eigentlich sind Störche Allesfresser. Bedenkt man, dass ein Jungvogel täglich rund 800 Gramm Futter vertilgt und ein Gelege in der Regel vier bis sechs Eier zählt, wird klar, wie die Elterntiere schuften müssen, um die hungrigen Mäuler zu stopfen.

"In Hammelburg dauerte es 30 Jahre bis sich 2009 wieder Störche ansiedelten, in Westheim sind sie nach nur drei Jahren heimisch", freute sich Willecke. Der Storch bringt zwar keine Kinder, lebt aber schon lange mit den Menschen zusammen. "Dennoch bleibt er ein Wildvogel, der eine Fluchtdistanz von acht Metern zu den Menschen hält", informierte Willecke. Er bat, Hunde an die Leine zu nehmen. Autofahrer sollten mit Tiefflügen der Tiere rechnen.

Nur Weißstörche von denen es 300 Brutpaare in Bayern gibt, können beringt und damit auch identifiziert werden. Ihre Vettern, die Schwarzstörche, lassen dagegen keine Menschen an sich ran und sind auch recht aggressiv.
"Bob" und "Lilly" - so haben die Westheimer Kindergartenkinder die Störche genannt - scheinen zufrieden mit der Welt. Damit wachsen die Chancen, dass sie wiederkommen. Denn der Storch ist standorttreu. Willecke wie auch der Kreisvorsitzende des Bund Naturschutz, Franz Zang, und der Ehrenvorsitzende, Ulf Zeidler, baten darum, umgehend benachrichtigt zu werden, sollte irgendetwas mit den Tieren nicht in Ordnung sein. Sobald die Jungen geschlüpft sind, könnte auch ein kleines Storchenfest im Ort stattfinden.