Wer die gebürtige Hammelburgerin nicht schon vorher kannte, weiß spätestens nach 32 Jahren im Hotel Engel am Marktplatz, wer Katharina Vanek - genannt "Käthe" - ist. Dort war sie stets die gute Seele, bediente immer zuverlässig die Gäste und gehörte einfach dazu. Am Mittwoch, 31. März 2021, wird sie 100 Jahre alt. Was man in einer solch langen Zeit alles erlebt, lässt sich kaum in einen Artikel pressen. Frisch geimpft gegen Corona und geistig topfit, lächelt sie mich an und sagt: "Ich bin wohl die letzte von meinem Jahrgang, die übrig ist." Die letzte Schulkameradin ist an Corona gestorben. Dabei waren sie bei ihrer 1. Heiligen Kommunion über 100 Hammelburger Kinder, plus sechs oder sieben aus Pfaffenhausen.

Geboren wurde die Jubilarin am 31. März 1921 als erstes Kind der Familie Wüscher in Hammelburg. Sie bekam noch eine Schwester. Später lernte sie in der Gemündener Bäckerei Seufert, wo sie die Backwaren noch mit dem "Handwägele" ausfuhr und im Haushalt der Familie half. Danach ging die Hammelburgerin nach Nürnberg, wo ihre Tante verheiratet war und sie in einem Café arbeitete. Dort hat sie auch ihren späteren Mann Theo Vanek kennen- und lieben gelernt, seiner Schwester gehörte das Café.

"Käthe" Vanek wird 100 Jahre alt: "Wohl die letzte von meinem Jahrgang, die übrig ist"

Kaum stand der Hochzeitstermin fest, kam der Krieg. Theo Vanek war einer der ersten, die 1939 einzogen wurden. Und so kam es, dass die beiden durch eine Ferntrauung vermählt wurden - damals eine keineswegs unübliche Prozedur. Mit einem Bescheid aus Russland, dass Theo der Ehe zustimmt, wurde Katharina Vanek vom Nürnberger Bürgermeister im Rathaus getraut. "Dann war der Teufel los, Hitler hat gesprochen und die Bomben sind geflogen", erzählt die heute Hundertjährige. Jede Nacht habe sie mit Hilfe einer alleinstehenden Dame, die über ihr wohnte, Sohn Horst im Wäschekorb in den Luftschutzkeller eines großen Hauses getragen.

Ihren Mann sah sie erst Monate später, denn er bekam im Winter keinen Fronturlaub. "Erst im Frühjahr hat ein Offizier zu ihm gesagt, fahr heim, deine Mutter ist gestorben und du hast einen Sohn bekommen", erinnert sich Käthe Vanek. Ein weiteres Kind wollten sie erst, wenn ihr Mann heil aus dem Krieg heimkommen würde.

1945 war es soweit: Theo flüchtete aus Russland übers Allgäu nach Hammelburg, wo seine Käthe inzwischen mit Kind und Schwägerin lebte. In Nürnberg war alles zerbombt und in Hammelburg dank der elterlichen Landwirtschaft die Versorgung besser. Schnell fand ihr Mann im E-Werk Arbeit und so blieben sie hier. In der Stadtpfarrkirche wurde nachträglich geheiratet. Erst als Sohn Horst schon 23 Jahre alt war und sie 1964 ihr eigenes Haus bauten, wurde Käthe Vanek noch einmal schwanger mit Tochter Andrea, die leider bereits gestorben ist.

Große Feier fällt wegen Corona aus: So feiert sie ihren 100. Geburtstag

"Ich hab' immer geschafft, vom Schulende ab und auch schon in den Ferien", erzählt Käthe Vanek. Heute liest sie gern, schaut ab und an Fernsehen und schläft viel. Ihr Mann Theo ist 1990 gestorben. Sie wohnt noch in ihrer eigenen Wohnung bei Sohn und Schwiegertochter, die sich um sie kümmern. Mit denen wird sie ihren Jubeltag auch begehen. Zudem gratulieren zwei Enkel und drei Urenkel. "Eigentlich wollten wir groß feiern, aber das müssen wir verschieben; vielleicht können wir es ja im Sommer nachholen", sagt Horst Vanek. Er bittet, dass Gratulanten wegen Corona auf Besuche verzichten. Wer gratulieren möchte, kann vormittags gerne anrufen.