Mit Jubel, Bravo-Rufen und lang anhaltendem stehenden Beifall feierte das Premierenpublikum auf der Gemündener Scherenburg die Premiere des Stückes "Don Camillo und seine Herde" von Gerold Theobalt. Allerdings waren am Mittwochabend nicht alle Plätze auf der Zuschauertribüne besetzt.

Es war ein Wagnis, das Regisseur Peter Chan und sein Ensemble, allen voran Andreas van den Berg (Don Camillo) und Carsten Ceming (Peppone) eingegangen sind. Schließlich haben sich die beiden Kultfiguren der 1950er- und 1960er-Jahre bei den Älteren tief ins Gedächtnis gegraben. Gegen Fernandel und Gino Cervi anzutreten war eine Herausforderung, zumal auch die Geschichte aus der italienischen Po-Ebene vor die Mauern der fränkischen Scherenburg zu setzen war. Einige der Zuschauer empfanden dies zwar als Mangel, doch die weitaus größere Zahl war schlichtweg begeistert.

Ein häufiger Kritikpunkt des Publikums galt dem späten Beginn um 20.30 Uhr. Da die Vorstellungen erst gegen 23 Uhr enden, kommen viele Besucher erst gegen Mitternacht nach Hause. Für Menschen, die am nächsten Tag zur Arbeit müssen, ist das nicht unproblematisch.


Kein Versuch der Kopie

Sowohl der Regisseur als auch die Protagonisten machten gar nicht erst den Versuch, die berühmten Vorbilder einfach zu kopieren, vielmehr ließen sie einander genügend Raum, ihre eigene Persönlichkeit in die Story einfließen zu lassen. Nach einem etwas zähen Beginn fanden die beiden Kontrahenten zusehends Freude an ihren gegenseitigen Sticheleien, Provokationen und Machtkämpfen und so nahm das Geschehen mächtig an Fahrt auf, um kurz vor der Pause bei einer fulminanten Schlägerei in Zeitlupe einen köstlichen Höhepunkt zu erreichen. Ein wunderbarer Einfall des Regisseurs.

Van den Berg und Ceming haben natürlich viel Bühnenerfahrung - auch auf der Scherenburg - trotzdem sind sie Laiendarsteller, wie das übrige Ensemble. Sehr geschickt verbinden sie ihre Persönlichkeit mit der Rolle. Van den Berg spielt den Don Camillo, der als flammender Priester mit seinen fast schon verschlagenen Tricks öfter übers Ziel hinausschießt und dann von "IHM" aus dem Off milde aber bestimmt zurechtgewiesen wird, mit viel Verve, doch charmant und liebenswürdig.

Carsten Ceming gibt einen großartigen kommunistischen Bürgermeister Peppone. Sein Glaube an den Fortschritt und das Gute, ist geprägt von Enthusiasmus, Sturheit und verblüffender Offenheit. Der Verschlagenheit seines Antagonisten hat er nicht allzu viel Raffinesse entgegenzusetzen. Das übernimmt seine Frau Ariane (Judith Djacic) die nicht nur einfühlsam spielt, sondern auch als Sängerin punkten kann.

Auch die übrigen Schauspieler überzeugten in ihren Rollen. Sehr gelungen ist darüber hinaus das Bühnenbild von Christian Baumgärtel mit der politisch korrekten Aufteilung: rechts die Kanzel, links das kommunistische Parteibüro.

Wenn das heutige moderne Theater grundsätzlich bemüht ist, bei jedem "alten Stück" einen aktuellen Zeitbezug herzustellen, dann könnte in der Aufführung eine klare Botschaft zu finden sein: Don Camillo und Peppone streiten zwar scheinbar auf verschiedenen Seiten, doch im Grunde genommen immer für dieselbe Sache. Sie haben stets das Herz auf dem rechten Fleck und bei allen Kämpfen bleibt immer Raum für Respekt vor dem anderen, Fairness und für ein Augenzwinkern.


Weitere Mitwirkende Max Fritz (Regieassistenz), Richard Lang (Licht and Musik), Nuschin Raber und Vera Nätscher (Kostüme), Natalia Krylova (Maske), Peter Cahn (Jesus am Kreuz), Wolfgang Schulz (Cagnola), Luisa Weber (Paolina), Gabi Bayerschmidt (Frau Cagnola), Eduard Hilz (Falchetto), Katinka Zötzl (Dr. Tirelli), Uli Rübsamen (Smilzo), Steffen Westenmeier (Fulmine), Gaby Bayerschmidt (Desolina).

Termine Freitag, 7. Juli, Freitag, 14. Juli, Donnerstag, 20. Juli, Samstag, 22, Juli, Sonntag 23. Juli (16 Uhr), Mittwoch, 26. Juli, Freitag, 28. Juli, Sonntag 30. Juli, Freitag, 4. August, Mittwoch, 9. August, Donnerstag, 10. August, und Samstag, 12. August. Die Vorstellungen beginnen jeweils um 20.30 Uhr.