Wallfahrten, Zeugnis der Frömmigkeit und des Glaubens, sind oft unbequem und entbehrungsreich. Dennoch sind viele Christen bereit, die Strapazen auf sich zu nehmen - mit dem Rucksack, der immer schwerer wird, Blasen an den Füßen und zusammengebissenen Zähnen.
Rund 120 Tageskilometer sind allerdings die Ausnahme und nur mit einem fahrbaren Untersatz zu schaffen. Die Lösung heißt: Fahrrad-Wallfahrt. Pallottiner-Pater Alois Hofmann ist zwar nicht der Erfinder der "Tretesel-Pilgerreise", aber deren Initiator in Franken.
Anlässlich seines 65. Geburtstags und seines 40. Priesterjubiläums startete er am 1. August in der Pfarrgemeinde St. Josef in Würzburg zur zweiten Wallfahrt dieser ungewöhnlichen Art. Pater Alois hat Erfahrung mit Rad-Wallfahrten. "Ich bin erstmals 1981 von Wien aus die ganze Riviera entlang bis nach Lourdes zum Eucharistischen Weltkongress gefahren", berichtet er.

Nach Santiago de Compostela

Neun Jahre später initiierte er selbst eine Radler-Wallfahrt von Wien über Altötting nach Santiago de Compostela. Mit 20 Pilgern fuhr er auch schon nach Rom. Den Fränkischen Marienweg, vom früheren Hammelburger Stadtpfarrer Josef Treutlein empfohlen, absolvierte er 2003. "Ein funktionstüchtiges Fahrrad, je nach Wunsch des Teilnehmers ein Schlafsack und eine Iso-Matte, alle sind gleich", stellt der Radel-Pater klar.
Die Reise begann diesmal in Pfarrer Treutleins Gemeinde St. Josef. Die Tour führte über Volkach, Gößweinstein, Vierzehnheiligen, Seßlach und Bad Königshofen nach Maria Bildhausen und Mellrichstadt. Von dort fuhr die Gruppe nach Fulda und auf den Kreuzberg, manche auch auf die Wasserkuppe.
Über Oberthulba gelangten die Radler nach Hammelburg, wo die 28-köpfige Gruppe ihre Mittagspause am Kirchplatz einlegte. Im Anschluss ging es weiter nach Karlstadt und von dort nach Maria Buchen. Nächste Ziele sind das "Käppele" in Würzburg, wo auch eine Stadtführung organisiert ist, sowie der Dom. Dann sind rund 800 Kilometer "er-radelt".
Alois Hofmann, der "seine Grenzen kennenlernen" will, verrät: "Das ist ein Stück meines Urlaubs." Deshalb ist er gleich anschließend mit den Kreuzberg-Wallfahrern zu Fuß unterwegs. Ein Begleitfahrzeug sorgt für den Proviant unterwegs. Hier ist die Fuchsstädterin Glyvia Pfister, verwandt mit Pater Alois, der in Münster bei Eußenheim geboren ist, der "gute Geist". Sie sorgt mit ihren Einkäufen für die nötige Stärkung. "Eine Kiste Bananen am Tag hört den Schlag nicht", erzählt sie schmunzelnd.

Von 54 bi s 74 Jahren

Die Mahlzeiten bestehen aus Weißbrot, Käse, Obst und ähnlichem, aus leicht verdaulichen Lebensmitteln. Gepäck, darunter die "Uniform der Radler", ein himmelblaues T-Shirt mit dem Pallottiner-Kreuz und dem Fahrrad darin, wird ebenfalls im Kombi mit Hänger mitgeführt.
Ein warmes Essen gönnen sich Wallfahrer am Abend. Dann geht es in den Schlafsack in einem Pfarr- oder Sportheim. "Sportheime haben den Vorteil, dass sie über Duschen verfügen", sagt Hofmann.
Interessant ist die Teilnehmerliste. Sie zeigt Radel-Wallfahrer aus Oberschwarzach, Pfaffenhofen, Moosburg, Ismaning, Kulmbach, Friedberg bei Augsburg und Waldbrunn. Das Alter der Rad-Pilger liegt zwischen 54 und 74 Jahren.

Immer mehr Franken

Es gibt zwar viele Oberbayern in den Reihen, doch "die Fraktion der Franken wird immer stärker", stellt Pater Hofmann fest, der die Pfarrei St. Richard in Berlin-Neukölln führt. Ein kleines Brevier mit dem Namen "Durch das Land der Franken fahren" enthält Lieder für die Strecke, die allerdings nicht beim Radeln, sondern in den Pausen gesungen werden. Denn dann hat man auch die nötige Puste dazu.