Ein wahrer Besuchermagnet war die 3. Hammelburger Kunstnacht. "Wir sind erschlagen vom Zulauf", äußerte sich Maria Heckmann von "kunst vereint", die gemeinsam mit Barbara Winter und Maria Rinecker die Veranstaltung organisiert hatte. Los ging es mit der Vernissage im ehemaligen Kaufhaus. Hier stand die Gruppenausstellung unter dem Motto "Impressionismus - neu entdeckt". Die teilnehmenden 28 Künstler aus Hammelburg und Umgebung hatten dabei eine ganz besondere Aufgabenstellung zu bewältigen.
So musste jeder Teilnehmer aus drei vorgegebenen Werken eines oder mehrere auswählen und auf seine eigene, persönliche Weise interpretieren. "Die Art der Gestaltung war dabei völlig frei", erläuterte Heckmann. Die drei Bilder waren die "Freistunde im Amsterdamer Waisenhaus" von Max Liebermann, "Die Kartenspieler" von Paul Cézanne sowie das "Sonnenloch im Nebel" von Claude Monet. Dass man gerade den Impressionismus als Kunstform gewählt hatte, erwies sich als wahrer Glücksgriff. Wird hier doch gerade die Farbe zum primären Gestaltungsmittel erhoben, während die konkreten Elemente in den Hintergrund treten. Auch die fast skizzenhafte Darstellung, die diese Form der Malerei prägt, prädestinierte sie dazu, sie neu zu interpretieren. "Jeden Tag werden wir mit tausenden Eindrücken geradezu überschwemmt. Diese Eindrücke werden in den Kunstwerken, die wir heute Abend sehen, zu künstlerischen Ausdrücken. Dass diese dabei die unterschiedlichsten Formen annehmen können, wird heute eindrucksvoll dokumentiert", sagt Heckmann.
Groß war die Vielfalt, die durch den sehr offenen "Arbeitsauftrag" erzeugt wurde: neben Bildern entstanden so auch Skulpturen und sogar Gedichte, auch ein "lebendes Bild" wurde von der Gruppe spectaculum nachgestellt, was zeigte, dass die Thematik auf fruchtbaren Boden gefallen war.
"An vier Orten hat man heute die Möglichkeit, Menschen zu treffen und sich auszutauschen", erläuterte Heckmann. Denn auch das Gespräch und die Diskussion über die Kunst war den Organisatoren wichtig, getreu dem Motto "Kunst vereint".

"Aller guten Dinge sind drei, es freut mich daher besonders, dass wir heute die 3. Hammelburger Kunstnacht eröffnen können", sagte Bürgermeister Armin Warmuth. Hierauf könne man sehr stolz sein, besonders auch deshalb, weil dabei viel Engagement an den Tag gelegt wurde. Dass die Kunstnacht etwas Einzigartiges ist, zeige auch die große überregionale Resonanz, auf die sie stoße, ebenso wie die Tatsache, dass sich hier zahlreiche Künstlerinnen und Künstler versammeln. "Ganz toll finde ich, dass die Gruppe spectaculum sich hier ebenso einbringt", meinte Warmuth, "das gemeinsame Miteinander liegt mir sehr am Herzen".
"Die Künstlerinnen und Künstler hatten keinerlei Vorgaben, jeder sollte sich der Thematik auf seine eigene Art und Weise widmen", erklärte Barbara Winter von "kunst vereint" die Idee. Besonders das Gemälde "Sonnenloch im Nebel" habe bei den Kunstschaffenden größtes Interesse geweckt, wie die zahlreichen Interpretationen zeigten. So wurde dieses Gemälde ins hier und jetzt geholt, beispielsweise mit dem Werk "Sonnenaufgang über dem Rathaus von Hammelburg". Die Besucher konnten dabei in die kreativen Lichtstimmungen eintauchen. "Zahlreiche unterschiedliche Stile, mit denen die Werke umgesetzt wurden, machen den Abend sehr abwechslungsreich und interessant", freute sich Maria Rinecker. Die Möglichkeit, mit den Künstlern ins Gespräch zu kommen, wurde von den Besuchern intensiv genutzt.
Doch nicht nur im ehemaligen Kaufhaus, auch an anderen Orten gab es Kunst zu erleben. So präsentierte Sebastian Back "Ansichten und Abgründe" im Schlossgarten. Eine besondere Idee hatte die Laienspielgruppe spectaculum: am Viehmarkt hatte sie ein lebendes Bild nachgestellt, bei dem man sich minutiös an das Gemälde "Freistunde im Amsterdamer Waisenhaus" hielt, das passenderweise unter dem Thema "Mein Lieber Mann!" stand. Durch einen Bilderrahmen konnten die Besucher die lebende Szene betrachten, die Detailgenauigkeit, welche dabei spectaculum an den Tag legte, war beeindruckend.
Im Rinecker Haus waren Bilder und Skulpturen von Berthold Schürger zu sehen, die Ausstellung trug den passenden Titel "Achtung! - Farbe -", und sie zeigte, dass seine Werke durchaus auch von den Lichtstimmungen des Impressionismus inspiriert waren. Natürlich durfte die musikalische Unterhaltung nicht fehlen. So spielte im ehemaligen Kaufhaus das Saxophon Quartett abwechslungsreiche Weisen, folkig mit rockigen Anklängen kam das Duo "Drainplug" im Schlossgarten daher. Jazzig wurde es im Rinecker Haus, wo Friedel Heckmann alias "Black Sax" die Besucher unterhielt. Damit sich auch Ortsfremde leicht zurechtfanden, waren auf dem Weg große rote Punkte angebracht, die die einzelnen Stationen der 3. Hammelburger Kunstnacht miteinander verbanden.
Die Organisatoren von "kunst vereint" waren mit der Resonanz sehr zufrieden. "28 Künstler aus Hammelburg und Umgebung haben mitgemacht, insgesamt 38 Kunstwerke wurden im ehemaligen Kaufhaus präsentiert", zog Maria Heckmann ein überaus positives Fazit. "Es war uns wichtig, alles auf einen Abend zu konzentrieren. So können wir nicht nur eine große Auswahl an Kunst zeigen, die Menschen können auch ins Gespräch kommen, denn gerade der Aspekt der Kommunikation ist für uns sehr wichtig", meint Heckmann. Getreu dem Motto "kunst vereint" fanden sich so Menschen zusammen, die sich intensiv austauschten. Durch die große künstlerische Bandbreite war für jeden etwas dabei. Die Hammelburger Kunstnacht war auch in der dritten Auflage ein voller Erfolg. Für Kunstinteressierte aus der Region hat sie sich zu einer Pflichtveranstaltung entwickelt.

Öffnungszeiten:

"Impressionismus - neu entdeckt": Gruppe Hammelburg KUNSTvereint im ehemaligen Kaufhaus am Marktplatz, Ausstellung bis zum 8. Juli, samstags: 10 - 14 Uhr, Sonn- und Feiertag: 14 - 18 Uhr

"Ansichten und Abgründe": figurative Kunst von Sebastian Bach im Schlossgarten, Ausstellung bis zum 8. Juli, täglich ab 8 Uhr

"Achtung! - Farbe -": Bilder und Skulpturen von Berthold Schürger im RiNECKER Haus, Dalbergstr. 30, Ausstellung bis zum 19. Juli, donnerstags 11 - 20 Uhr, Sonn- und Feiertage: 11 - 20 Uhr, außer 24. Juni und 15. Juli