Vor wenigen Wochen konnte die gebürtige Hammelburgerin Schwester Johannita Sell ihr 60. Professjubiläum feiern. "Profess" oder "Ewige Profess" bedeutet Versprechen. Menschen, die in einen Orden eintreten, versprechen ein Leben in Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam. Schwester Johannita Sell hat dies am 13. Mai 1961 bei der Kongregation der Franziskanerinnen von Maria Stern in Augsburg versprochen.

Drei Jahre später sandte der damalige Pfarrer Oskar Röll die junge Sternschwester in der Hammelburger Stadtpfarrkirche aus in die Mission. Es begann ein großes Abenteuer, das 57 Jahre dauern sollte: der Aufbruch nach Brasilien, der Einsatz bei den Ärmsten der Armen.

"Brasilien war 1964 politisch geprägt von Revolution, Diktatur, Verfolgungen, sowie Monokulturen und Landflucht", erzählt Schwester Johannita. "Kirchlich standen wir unter dem Eindruck des eben zu Ende gegangenen Zweiten Vatikanischen Konzils. Wir erlebten eine Theologie der Befreiung und eine neue Option für die Armen. Bischof Dom Helder Camara erwies sich - nicht nur im Nordosten Brasiliens - als großer Prophet in Recife. Unter seiner Leitung erfolgte die Gründung der Basisgemeinden vor Ort", beschreibt sie die damalige Situation.

Mehrere Stationen in Brasilien wurden "Irma Joanita", wie sie dort genannt wird, zur zeitweiligen Heimat. Zunächst wirkte sie viele Jahre in Limoeiro, wo sie mit der Leitung des "Centro de Formacao" (Erziehungszentrum) beauftragt war. Sie kümmerte sich dort um Straßen- und Waisenkinder. "In diesen Jahren lernte ich das Evangelium ganz neu leben", resümiert Johannita.

Weitere Orte waren Olinda, Itanagra, Trionfo. Anfang der 2000er Jahre wechselte die Sternschwester für sieben Monate auf einen anderen Kontinent: von Südamerika nach Afrika, wo sie ihre Mitschwestern in Mosambik unterstützte.

Schließlich kam ein neuer Ruf: ein Einsatz in der Amazonas-Region. Nach einem Jahr in der Bistumshauptstadt Óbidos ging die Reise mit dem Boot nach Juruti Velho, mitten in den Regenwald.

Auf die Frage, was ihre Aufgabe dort sei, antwortete Schwester Johannita einmal: "Mit den Menschen leben". Wer jemals die Reise über den Ozean an den Amazonas gewagt und die Sternschwestern dort besucht hat, hat dies bestätigt gefunden: Die kleine Schwesterngemeinschaft lebt in großer Einfachheit ohne jeden Komfort - mit den Menschen.

Die "Casa Maristella" ist ein offenes, gastfreundliches Haus und stetiger Anlaufpunkt bei Problemen aller Art. Die Schwestern sorgen sich um die Menschenwürde, um Bewusstseinsbildung, Katechese, Hilfe bei der Erziehung der Kinder und Jugendlichen, Hygiene und Gesundheit. Und sie kämpfen besonders für den Erhalt des Regenwaldes, der durch den Abbau von Bauxit und anderen Bodenschätzen stark bedroht ist.

Geprägt und bereichert durch die Menschen in Brasilien ist Schwester Johannita Mitte April endgültig nach Deutschland zurückgekehrt und derzeit auf Heimaturlaub in Hammelburg. "Immer wollte ich auch meinen Lebensabend in Brasilien verbringen", sagt sie. Aber: "Mit inzwischen 82 Jahren und 57 Jahren in der Mission war es mir klar, dass der Herr ein neues Los- und Einlassen von mir erwartet". Also folgte sie dem Stern, der sie vom Amazonas wieder zurück in ihr Heimatland führte.

Die Verbindung zu ihrer Heimatpfarrei Hammelburg hat Schwester Johannita in all den Jahrzehnten gehalten. Durch sie kam es 2019 zu einer Partnerschaft zwischen den Pfarreien Heiligstes Herz Jesu Juruti Velho und St. Johannes Hammelburg. Johannita wird weiterhin die Verbindung nach Brasilien halten, selbst wenn sie nun im Kloster Maria Stern in Augsburg ein eher beschauliches Leben führen wird. Und sie bittet weiter um Unterstützung für die Menschen am Amazonas.

Unterstützung/Spenden sind möglich an:

Missionsprokura der Franziskanerinnen von Maria Stern

Stichwort: Projekt Vila Muirapinima

Spendenkonten

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