Frühmorgens an Wochentagen, wenn die meisten Mädchen und Jungen auf ihrem Weg zur Schule noch die Gedanken sortieren und sich den letzten Schlaf aus den Augen reiben, sind Celina Lange und Max Greubel bereits hellwach und voll in ihrem Element. Wie rund 70 andere Jugendliche und Heranwachsende im ehemaligen Landkreis Hammelburg auch, leisten die Beiden einen unbezahlbaren Dienst für die Allgemeinheit: Als Schülerlotsen wachen sie an exponierten Fußgängerüberwegen über die Sicherheit von Tausenden Schülerinnen und Schülern. Bei einem Wettbewerb der Schülerlotsen auf unterfränkischer Ebene haben Max und Celina jetzt die Plätze eins und zwei belegt.

In Gemünden am Main waren 16 Lotsen aus dem gesamten Regierungsbezirk auf freiwilliger Basis zusammengekommen, um ihre Besten zu ermitteln. Die beiden 16-jährigen Realschulabsolventen Max und Celina sind in Hammelburg seit Februar 2019 beziehungsweise Dezember 2018 an dem neuralgischen Fußgängerüberweg in der Äußeren Kissinger Straße in Hammelburg im Einsatz. Mehr als 1000 Schülerinnen und Schüler sind dort tagtäglich auf ihrem Schulweg unterwegs, müssen zumeist die viel befahrene Hauptstraße am Schulzentrum überqueren.

Manche haben eine "eingebaute Vorfahrt"

Und genau hier stehen Max und Celina zusammen mit weiteren Lotsen im Wechsel, sorgen für sicheres Geleit ihrer Mitschüler morgens auf dem Weg zur Schule und nach Schulschluss auf dem Nachhauseweg. In der brisanten Gemengelange von Schulbussen, unzähligen Elterntaxis, dem sonstigen Kraftfahrverkehr, Mofa- und Radfahrenden sowie Fußgängern den Überblick zu behalten und die richtigen Entscheidungen zu treffen, ist alles andere als einfach.

Alleine das Abschätzen der gefahrenen Geschwindigkeiten von Autos und Bussen im Umfeld des Fußgängerüberweges will gelernt sein. In Sekundenbruchteilen müssen die mit Sicherheitswesten ausgestatteten Lotsen entscheiden, ob sie ihre Kellen zücken und Kraftfahrzeugführer zum Anhalten bewegen, damit ihren Mitschülern ein sicheres Queren der Straße ermöglicht wird. "Die meisten Verkehrsteilnehmer sind einsichtig und verhalten sich vorbildlich", stimmen Max und Celina in ihrer Bewertung des Geschehens überein. Allerdings gebe es immer wieder auch einige Verkehrsteilnehmer mit "eingebauter Vorfahrt".

Bei dem Bezirksentscheid in Gemünden sahen sich der aus Ramsthal stammende Max und die aus Dittlofsroda kommende Celina zunächst einmal mit jeder Menge Prominenz konfrontiert. Die Staatssekretäre Sandro Kirchner (Innenministerium) und Anna Stolz (Unterricht und Kultus) machten der Veranstaltung ebenso ihre Aufwartung wie Regierungspräsident Dr. Eugen Ehmann, Unterfrankens Polizeivizepräsident Robert Fuchs, Main-Spessart-Landrätin Sabine Sitter und Gemündens Bürgermeister Jürgen Lippert. Von Seiten der Landesverkehrswacht Bayern begleitete Vizepräsident Wolfgang Gerstberger den Wettbewerb.

Wissenstest und praktische Aufgaben

Ein umfassender Wissenstest aus den Bereichen Straßenverkehrsordnung und Verkehrsrecht sowie Allgemeinwissen stand am Anfang des mehrstündigen Wettbewerbs. Das Schätzen der Geschwindigkeit von Kraftfahrzeugen war ein weiterer Prüfungsbestandteil mit Realverkehrsbezug. Denn die Kenntnis der Länge des jeweiligen Anhaltewegs, resultierend aus Reaktions- und Bremsweg, spielt beim täglichen Einsatz eine wichtige Rolle. Max und Celina zeigten sich in Gemünden ausgezeichnet vorbereitet. Dafür zeichnet der Verkehrserzieher der Polizeiinspektion Hammelburg, Polizeihauptkommissar Hubert Koch, verantwortlich. Als Betreuer und Daumendrücker vor Ort fungierte Verkehrswacht-Ehrenvorsitzender Johannes Deinlein.

Ein großes Kompliment gab es nach dem Wettbewerb vom Vorsitzenden der Gebietsverkehrswacht Hammelburg, Karlheinz Franz. "Zusätzlich zu Euren schulischen Verpflichtungen setzt Ihr Euch bei Wind und Wetter ehrenamtlich für Eure Mitschüler ein, bringt dafür viel Zeit auf, sorgt in besonderem Maße für mehr Sicherheit auf dem Schulweg." Der Vorsitzende weiter: "Das ist ein tolles Engagement, für das ich Euch persönlich und im Namen des gesamten Vorstandes sehr danke. Herzlichen Glückwunsch zu Eurem großartigen Abschneiden bei dem Wettbewerb in Gemünden!" Aus den Händen des Verkehrswacht-Vorsitzenden erhielten Beide eine Belohnung für ihr tolles Abschneiden bei dem Wettbewerb.

In seinen Dank schloss Karlheinz Franz auch den äußerst engagierten Verkehrserzieher Hubert Koch, den schulischen Lotsenbetreuer Studienrat David Schad und Realschuldirektor Christian Buchner als Hauptverantwortlichen für die Beispiel gebende Förderung der Lotsenausbildung und -tätigkeit mit ein.

Zur Info:

Wissenswertes rund um den Schülerlotsendienst

Wer kommt für den Dienst in Frage?

Kinder und Jugendlich ab 13 Jahren können sich für die Tätigkeit als Lotse melden. Anschließend erfolgt eine Eignungsfeststellung.

Wie verläuft die Ausbildung?

In der Obhut des Verkehrserziehers der zuständigen Polizeidienststelle erfolgt zunächst eine umfassende theoretische Unterrichtung, gefolgt von einer grundlegenden praktischen Ausbildung an den betreffenden Fußgängerüberwegen. Die örtliche Verkehrswacht unterstützt hierbei nach Kräften.

Statistik

Aktuell engagieren sich im ehemaligen Landkreis Hammelburg rund 70 Mädchen und Jungen im Schülerlotsendienst. Hinzu kommen weitere (erwachsene) Schulwegdienst-Helferinnen und -Helfer, die ebenfalls für Sicherheit und Ordnung an Fußgängerüberwegen und Bushaltestellen sorgen.zz