Vize-Bürgermeisterin Elisabeth Wende stellte sich für den in Urlaub weilenden Bürgermeister Ernst Stross - der übrigens den Stadtsäckel mitnahm - an die Spitze der Stadtratstruppen, die mit Ursula Müller-Ahammer und Gudrun Kleinhenz ohnehin aus mehr Frauen als Männern bestand. "Ich stand noch nie in der ersten Reihe, obwohl ich schon bei vielen Rathausstürmen dabei war. Es ist ein schönes Gefühl", gestand Wende, die im Redegefecht mit HA-KA-GE-Gesellschaftspräsident Markus Daum mutig dagegenhielt.
Der Wortführer der Putschisten, Daum, hatte eine stattliche Allianz aus befreundeten Vereinen mit einem Fackelzug durch die Stadt vors Rathaus geführt, wo er die Übergabe des Rathausschlüssels forderte, bevor "die Räte mit Sack und Pack und den Gütern türmen". "Geben sie uns die Schlüssel, Frau Wende. Wir zeigen uns erkenntlich mit einer kleinen Spende", lockte er.
Darauf ließ sich die Verteidigerin nicht ein. "Es ist zwar schön euch Narren hier zu sehen, doch solltet ihr besser zum Feiern gehen", riet sie dem charmanten Halunken, der schon bald die gefürchteten Kanoniere aus Ebenhausen und die Sturmbläser aus Bad Brückenau auf den Plan rief, was die "tapfere Elisabeth" zu einem Kompromiss zwang.
Sie wies an, die Angreifer mit einer Präsentkiste zu besänftigen, die vom Rathausbalkon hinabgelassen wurde. Daums Stellvertreter, Sebastian Kröckel, stemmte die Kiste auf und fand zahlreiche Goldtaler und ein Fläschchen Wein. Allerdings waren die glitzernden Taler aus Schokolade und auch beim Wein hat man schon besseres besehen, was den Anführer der Angreifer völlig in Rage brachte. Weil er unbedingt ins Rathaus wollte - als könne er nicht warten bis zu den Wahlen, für die er sich bewarb - befahl er den Sturm auf den Amtssitz.
Absolut chancenlos, wurden die Verteidiger von Ha-Ka-Ge-Garden in kurzer Zeit in Stricke gelegt und im Remter vorgeführt. Wende rief die Narren auf, die Altstadtsanierung fortzusetzen. "Am Schlettenhof haben wir bereits begonnen, kümmert euch jetzt gefälligst um die Bahnhofstraße", empfahl sie den Siegern.
Im Remter dankte der Ha-Ka-Ge-Präsident seinen Verbündeten mit einem Ordensregen, darunter die Untererthaler, die Gauaschacher unddie Euerdorfer Karnevalsgesellschaft, "Blau Weiß" Elfershausen, die 1. Große Bad Brückenauer Karnevalsgesellschaft, der FC "Selbsthilfe" Ebenhausen, die "Ascheberger Wolkenkratzer", die Karnevalisten aus Bad Neustadt sowie der "Gefälligkeits-Verein Nordend Fulda".
Im Rahmen des Empfangs kürte Daum auch die neue Ha-Ka-Ge-Prinzessin, Katharina Heid als "Kata I. von den vier Sternen". Mit ihr haben die Hammelburger Narren nach drei Jahren Abstinenz wieder eine Faschings-Hoheit.
Eine hohe Ehrung erhielt auch Gudrun Kleinhenz, die von FVF-Vorstandmitglied Tobias Brand den "Till von Franken" verliehen bekam. Seit fast 35 Jahren Mitglied war sie Gardetänzerin, Trainerin der Garde, Schatzmeisterin und Kassenprüferin und ist aktuell für die Abendkasse und die närrische Schloss-Weinprobe zuständig.
Im "Untergrund", nämlich im Rathauskeller, feierten derweil die siegreichen Truppen ausgelassen ihren Erfolg bei Musik und Wein. Da die Amtsübernahme der Karnevalisten am Aschermittwoch ausläuft müssen die Hammelburger nur kurze Zeit warten, um zu erfahren, welche "Narren" bei den Wahlen am 16. März in das Rathaus einziehen, schmunzelte Daum.