Zum zweiten Mal in Folge blieben heuer die meisten Faschingsbühnen leer - auch in Hammelburg und Umgebung waren die Narren Anfang des Jahres ruhig. Der Krapfen vom Bäcker und die Fernsehausstrahlung der Faschingssitzung "Fastnacht in Franken" waren so ziemlich das Einzige, dass für Faschingsstimmung während der Session sorgte. Viele Faschingskostüme verstauben also noch ein weiteres Jahr im Schrank. Die hiesigen Vereine mussten aufgrund der Corona-Auflagen beinahe jede Veranstaltung absagen. Auch der Öwerdöllwer Fosenochts Gemeinschaft e.V. (kurz: ÖFG) war es nicht möglich, ihre Prunksitzungen Ende Januar stattfinden zu lassen. Aber: Erneut auf eine Veranstaltung verzichten möchte der Verein aus Oberthulba dieses Jahr nicht - ganz so einfach zu realisieren war das Vorhaben allerdings nicht.

Viele Aktive haben aufgehört

Geplant ist eine kleine Veranstaltung mit knapp 90 Minuten Programm. Stattfinden soll das so genannte "ÖFG-Sbäschel" am Samstag, 23. April. Auftreten werden insgesamt fünf Tanzgruppen des Vereins. "Die Mädels hätten sonst schon das zweite Jahr in Folge trainiert, ohne am Ende einen einzigen Auftritt zu haben", betont Tina Huschens, 3. Gesellschaftspräsidentin und Gardetrainerin. Auch für Unterhaltung zwischen den Tänzen ist gesorgt - die "Hüttls" stehen mit ihren musikalischen Bütten bereits in den Startlöchern. Schon seit vielen Jahren ist die Gruppe bei den Prunksitzungen auf der ÖFG-Bühne zu sehen und sorgt mit eigens umgeschriebenen Liedtexten regelmäßig für gute Stimmung im Saal.

"Durch Corona haben einige Gardemädchen aufgehört und auch mehrere Trainer wollen aussteigen", beschreibt Huschens die aktuelle Situation bei den Garden. Die Suche nach Aktiven gestaltete sich in den vergangenen Jahren immer schwieriger, Corona trägt nicht unbedingt zur Besserung bei. Problem: Ohne Mitglieder und Aktive gibt es auch keinen Faschingsverein. Damit zu kämpfen hat aber nicht nur die ÖFG, auch andere Faschingsvereine aus der Umgebung beschreiben Ähnliches.

"Ohne Auftritte fehlt einfach das Ziel. Man trainiert ein Jahr, ohne zu wissen wofür", berichtet Sarah Reuter, eine langjährige Tänzerin des Vereins frustriert. Schließlich werden die Tänzer am Ende vor allem durch den Applaus der Zuschauer belohnt. "Das Gefühl auf der Bühne ist einfach unbeschreiblich, das fehlt ohne Auftritte komplett", erzählt Reuter. Aber: Für eine gelungene Veranstaltung braucht es nicht nur gute Tänze, auch Büttenreden sind ein wichtiger Bestandteil der Faschingszeit. Die Situation bei den Rednern ist allerdings ähnlich - auch hier fehlt den meisten Aktiven mittlerweile die Motivation. "Einmal raus, fällt der Wiedereinstieg schwer", weiß auch Huschens.

Keine übliche Prunksitzung

Nicht nur den eigenen Mitgliedern will die Vorstandschaft mit der Veranstaltung eine Freude machen. Einen weiteren wichtigen Grund gibt es noch: "Wir hoffen, dass die Leute uns so nicht ganz vergessen", betont Huschens. Auch den treuen Zuschauern möchte der Verein mit der Veranstaltung eine Freude machen. Aber: Jeder Faschingsliebhaber ist willkommen. "Es soll ein Angebot für alle sein, die mal wieder etwas in Faschingsstimmung kommen wollen." Aus diesem Grund ist auch der Eintritt frei.

Die altbekannte Prunksitzung wird die Veranstaltung allerdings nicht sein, und auch der Begriff "Fasching" ist außerhalb der Session mit Vorsicht zu genießen. "Es gibt keinen Sommerkarneval. Das liegt daran, dass der Fasching mit dem christlichen Jahreskreislauf fest verankert ist", betont der Präsident des Fastnacht-Verbands Franken e.V. Marco Anderlik. Beim Fasching handelt es sich um eins der ältesten deutschen Brauchtümer: Veranstaltungen außerhalb der Brauchzeit seien selbstverständlich möglich und erwünscht.

"Es ist jedoch darauf zu achten, dass auf das Tragen von Orden und des Ornats verzichtet wird. Ebenso sind Narrenrufe nicht vorzunehmen." Festgelegt ist das unter anderem in der Ethik-Charta des Bundes Deutscher Karneval. Fasching beginnt am 11. November und endet an Aschermittwoch des Folgejahres - daran kann auch das Corona-Virus nichts ändern. Milena Meder

Termin: Samstag, 23. April

Veranstaltungsbeginn:

14 Uhr und noch mal um 16 Uhr

Ort: Mehrzweckhalle Oberthulba