Erstmals hat auf dem Truppenübungsplatz in Wildflecken ein Schießen mit dem "Mehr-rollenfähigen Leichten Lenkflugkörpersystem", kurz Mells, stattgefunden. Die Verantwortlichen sind sich einig: "Ein Meilenstein für die Ausbildungsdrehscheibe Hammelburg - Wildflecken".

Die Einführung von Mells beschreibt die Bundeswehr als " Erfolgsgeschichte": Das in Israel unter dem Namen "Spike" entwickelte Lenkflugkörpersystem durchschlage alle derzeit bekannten Panzerungen und sei damit "das Beste, was der internationale Markt zu bieten hat". Der Flugkörper könne auch Hubschrauber oder Ziele hinter Deckungen bekämpfen. Mit einer Kampfentfernung von 200 bis 4000 Metern deckte Mells die Distanzen ab, die für eine Panzerfaust zu lang, für die Artillerie jedoch zu kurz seien.

Die Bundeswehr setzt bereits seit mehreren Jahren auf Mells. Zunächst wurden Spezialkräfte mit dem System ausgestattet. Nach und nach folgten die infanteristisch eingesetzten Verbände der Bundeswehr, wo das System seine Vorgänger "Milan" und "Tow" ablöst. "Begleitend dazu hält die Bundeswehr Mells durch regelmäßige Updates und Einführung neuer Komponenten stets auf dem modernsten Stand der Entwicklung", erklärt Oberstabsfeldwebel Jörg Michael Pollentzke. Er führt als Hörsaalleiter in der II. Inspektion des Ausbildungszentrums Infanterie in Hammelburg die Ausbildung der Schießlehrer und Truppführer für Mells durch. Er berichtet: "Mells erfreut sich einer großen Beliebtheit bei der Truppe, weil das System zuverlässig ist und sich als kriegstauglich bewährt hat."

Die Ausbildung erfolgt überwiegend Simulator-gestützt. Dazu Pollentzke: "Die Simulation schafft beim Soldaten Bedienungssicherheit vor dem ersten scharfen Schuss." Im Flugkörper sind eine fest verbaute Kamera, GPS und Glasfaserkabel enthalten, die während des Fluges Daten des Gefechtskopfes an den Schützen übertragen und den Flugkörper bis zum Einschlag lenkbar machen. Aufgrund der hohen Kampfdistanz braucht man für einen scharfen Schuss sehr viel Platz, um Sicherheitsbereiche einzuhalten. Dies ist auf dem im Bundeswehr-Vergleich kleinen Hammelburger Truppenübungsplatz nicht möglich.

"Bisher fuhren wir zum Truppenübungsplatz nach Klietz, was ein bis zwei Tage Ausbildungszeit kostete", berichtet Oberstabsfeldwebel Pollentzke. Daraufhin nahm Oberstabsfeldwebel Pollentzke mit dem unweit von Hammelburg gelegenen Truppenübungsplatz Wildflecken Verbindung auf, um Möglichkeiten zum Verschuss von Mells zu prüfen. Nach einigen Ortsterminen und fachlichen Abstimmungen, meldete sich Hauptmann Enrico Langhärig von der Truppenübungsplatzkommandantur in Wildflecken. Er hatte durch eine zeitweise Sperrung von Straßen sowie Ausnahmegenehmigungen einen Weg für ein Mells-Schießen gefunden. "Dies wäre eine großartige Entwicklung für unsere Ausbildung", war sich Hörsaalleiter Pollentzke schon damals über den Mehrwert sicher. Die beiden planten ein erstes Erprobungsschießen.

Nachdem der Termin für das Erprobungsschießen feststand, traf das Vorhaben auf reges Interesse. So kündigten sich der General der Infanterie und Kommandeur Infanterieschule, Brigadegeneral Michael Matz, sowie der Kommandeur des Bereich Truppenübungsplatzkommandantur Süd, Oberstleutnant Ralf Stachowiak, zur Dienstaufsicht an. Vor Ort wurden sie Zeuge, wie wertvolle Erfahrungen zum Einsatz von Mells in Wildflecken gesammelt wurden: In rund 3,5 Kilometern Entfernung wurde ein geeigneter Raum für künftige Übungsziele ermittelt. Sobald dort der Zielaufbau steht, können die scharfen Abschlussschießen der Mells-Lehrgänge künftig in Wildflecken stattfinden und es braucht keine lange Anreise mehr. In der Auswertung waren sich Brigadegeneral Matz und Hauptmann Langhärig einig: "Dieser Tag ist ein Meilenstein für die Ausbildungsdrehscheibe Hammelburg - Wildflecken." Jan Volkmann