Nach der Feldbesichtigung zum Thema Ausdauernden Weizen bei Naturland-Berater Werner Vogt-Kaute in Dittlofsroda ging es weiter auf andere Versuchsfelder. Hier gibt es verschiedene Sorten: Ackerbohne, Hirse, Lupine, Kichererbsen und sogar Reis. 30 Naturland-Landwirte und Interessenten informierten sich über die neuesten Ergebnisse in Saatgutzüchtung und -vermehrung im Ökolandbau. Coronabedingt fand die Veranstaltung in zwei Durchläufen statt.

Die Versuchsparzellen Vogt-Kautes zum Ausdauernden Weizen stehen im dritten Jahr. Es gibt mit Schwebheim und Pforzen noch zwei weiteren Versuchsstandorten in Deutschland. Der ausdauernde Weizen ist eine komplett neue Züchtung im Ökolandbau. "Bis jetzt hat sich in Deutschland niemand dafür interessiert", sagt Vogt-Kaute. Bei dem vom Bundesanstalt für Ernährung im Bundesprogramm Ökologischer Landbau und anderer Formen der nachhaltigen Landwirtschaft (BÖLN) geförderten Projekt geht es mit dem ausdauernden Weizen um eine neue Kulturpflanze aus der Kreuzung eines ausdauernden Grases aus der Familie der Süßgräser (Poaceae) mit dem Kulturweizen Triticum aestivum. Wegen seines ausgeprägten Wurzelsystems soll die Neuzüchtung besser mit Trockenzeiten und einem geringeren Nährstoffangebot zurecht kommen.

Minimierung des Aufwandes ist das Ziel

Im Vordergrund des Projektes steht dabei nicht die Ertragsmaximierung, sondern die Minimierung des Aufwandes für Anbau und Ernte sowie ökologische Aspekte wie etwa eine Reduzierung der Bodenerosion und -Bindung. Durch den mehrjährigen Anbau und der damit reduzierten Bodenbearbeitung lässt sich der -Bilanz wesentlich verbessern. "Ausdauernder Weizen ist gut für kleine Flächen geeignet, für Permakultursysteme und Erosionsstreifen. Das Getreide ist in der Vermarktung als backfähig einzustufen."

Auch wenn der ausdauernde Weizen mehr Wurzelmasse hat und damit besser mit Trockenheit zurecht kommt, haben sich Hitze und die fehlenden Niederschläge von 2018 und 2019 bemerkbar gemacht.

Bei der Mischansaat des ausdauernden Weizens mit Weißklee wird zwar das Beikraut unterdrückt und man spart sich das Hacken, aber es kann bei Trockenheit auch zur Konkurrenz ums Wasser kommen. Hier überlegt Vogt-Kaute den Gelbklee in Zukunft zu bevorzugen. Klee als Untersaat versorgt den ausdauernden Weizen mit Stickstoff.

Begleitet von Untersuchungen der Universität Trier

Begleitet werden die Anbauversuche mit bodenökologischen Untersuchungen der Uni Trier. Hier zeigt sich in den Ergebnissen eine Tendenz, dass Humusaufbau und Regenwurmaktivität beim ausdauernden Weizen höher ist als bei jährlich auszusäenden Getreidesorten. Während dies in Deutschland noch kaum ein Thema ist, erkennen Russland und Nordamerika die Bedeutung dieser landwirtschaftlichen Anbaumethode. Auch bei den Untersaaten gibt es verschiedene Varianten wie etwa Weißklee oder Erdklee. Faktoren die hier bewertet werden, sind unter anderem der Wiederaustrieb, Ertrag, Robustheit gegen Pilzkrankheiten.

Bei dem Rundgang über die übrigen Versuchsparzellen bekam man einen Eindruck, wie vielfältig die Getreidesorten sind, dies aber in der Vermarktung und der Bevölkerung oft vergessen werde.

So blühen bei den Vogt-Kautes violette Platterbsen, die im Mittelalter ein Standartgericht waren und heute nur noch in zwei Betrieben in Deutschland angebaut werden. "Eine der heute bei uns unterschätztesten Pflanzen", bemerkt Vogt-Kaute, "In Indien wird sie viel angebaut." Auch Ackerbohnen, Lupinen, Erbsen, Hirse wachsen auf den Feldern und warten auf den Durchbruch auf deutschen Äckern.

Der Ökoanbau in Deutschland könnte in Zukunft durch vielfältiger Kulturen verstärkt werden. Auch Babynahrungshersteller fragen hier im Ökosektor zum Beispiel bei Hirse nach einheimischen Anbau vermehrt nach.

Dass der ökologische Anbau eine Herzensangelegenheit ist, merkt man auch im Gewächshaus. Dort sucht der Naturland-Berater nach einer ökologischen Alternative für Kupfer zur Bekämpfung des falschen Mehltaus an Gurken.