Sein beruflicher Weg war vorgezeichnet und doch wurde er zu einem Pionier in einer bis dahin fast unbekannten Branche. Eigentlich sollte Winfried Brux aus Elfershausen in den 1970er Jahren den väterlichen Malerbetrieb übernehmen - doch dann kam alles ganz anders. "Ich hatte nach dem Studium und neben der Arbeit im Malerbetrieb meines Vaters begonnen mit Lichtfilterlacken zu arbeiten, als ich durch Zufall auf Funktionsfolien gestoßen bin", erinnert sich Winfried Brux. Funktionsfolien zum UV- und Sonnenschutz wurden in den 1960er Jahren für die US-Raumfahrt entwickelt und sind quasi ein Begleitprodukt der ersten bemannten Mondlandung 1969.


Viel Zeit in Kundengewinnung

In Deutschland war die Folientechnologie in den frühen 1970er Jahren noch völlig unbekannt, doch ein Malermeister aus Saarbrücken hatte Kontakte in den USA und wollte Winfried Brux dort vorstellen. Nach dem Treffen mit dem Chef des amerikanischen Folienhändlers war Brux schnell klar, dass in der Technologie enormes Potenzial steckt. "Die Möglichkeit, kostengünstig Fenster und Gläser zu veredeln und funktioneller zu machen, musste auf Dauer Erfolg haben", erläutert Winfried Brux seine Überlegungen.
So steckte er als Folien-Pionier zusammen mit seiner Ehefrau Evelyn viel Zeit in die Kundengewinnung. Rund 140 000 Kilometer fuhr er dafür jährlich durch den deutschsprachigen Raum. Dabei lernte er eine Menge dazu. Zur internationalen Verkehrsausstellung in Hamburg durfte er die neue Transrapid-Magnetbahn mit verspiegelter Folie versehen, damit das Ganze noch etwas futuristischer wirkt. "Eine extreme Herausforderung - aber es hat geklappt", erinnert sich Brux.
Die Technologie wurde populärer, und so trennte Brux 1984 das Folienunternehmen endgültig vom Malerbetrieb. Die Firma "Folien Brux, Inh. Winfried Brux" war geboren. Durch die politische Wende Ende der 1980er-Jahre entwickelten sich schnell neue Absatzmärkte in Ostdeutschland, aber auch in Tschechien, Polen, der Slowakei oder in der Ukraine. "In Rumänien haben wird an einem der größten Gebäude der Welt, dem Parlamentspalast in Bukarest, Folien angebracht", berichtet Winfried Brux.
Das Geschäft lief so gut, dass die Firma 1994 zur Bruxsafol Folien GmbH umgewandelt wurde. Schnell wurde der angestammte Firmensitz in Elfershausen zu klein. 2002 siedelte das Unternehmen, bei dem damals schon rund 20 Mitarbeiter beschäftigt waren, komplett in den Gewerbepark Saaletal um.


Folien fürs US-Konsulat

Winfried Brux regte innovative Verfahrenstechniken beim US-Hersteller an, "importierte" diese zum Teil als erster nach Deutschland und brachte besonders leistungsstarke Sicherheitsfolien auf den Markt. Die Nachfrage nach Sicherheitsfolien ist spätestens seit den Anschlägen des 11. September 2001 stetig gewachsen. Zahlreiche sicherheitsrelevante Gebäude in ganz Europa wurden von Winfried Brux und seinem Unternehmen foliert - so z.B. das US-Konsulatsgebäude in Frankfurt und der Palast der Ukraine in Kiew.
Einen gewaltigen Boom haben in den letzten Jahren Automotive-Folien von Steinschlagschutzfolien bis hin zu farbigen Folien zur Vollverklebung erfahren. Heute gehört die Bruxsafol Folien GmbH zu den wichtigsten und größten Folienanbietern in Deutschland und Europa. Seit mehr als 40 Jahren ist sie Exklusivanbieter für Folien des US-Herstellers "Solar Gard". Mittlerweile vertreibt Bruxsafol seine Folien auch im Mittleren Osten und Asien. Winfried Brux ist dankbar, dass sein Unternehmen in Familienhand bleibt. Das sei längst nicht selbstverständlich.


Inzwischen 30 Beschäftigte

Die Zahl der Beschäftigten ist auf 30 angewachsen. Damit ist Bruxsafol nach eigenen Angaben das einzige große Familienunternehmen seiner Branche. Die Söhne Michael und Thomas Brux arbeiten seit Jahren im Unternehmen mit und sind bereits seit 2014 Geschäftsführer der GmbH. Nun übergibt der Folien-Pionier aus Elfershausen die Geschäftsführung komplett an die nächste Generation und wird künftig nur noch als Berater tätig sein. Er und seine Frau werden viel mehr Zeit für Enkel, Hund und Reisen oder auch den eigenen Weinberg haben.