80 Mann in Tarnkleidung schlängeln sich durch ein enges Treppenhaus, auf den Schultern tragen sie schwere Kartons. Stabsfeldwebel Thomas Knüttel hat den Gebäudeplan in der Hand und dirigiert die Soldaten in die richtigen Zimmer. Der Einsatzort: Hammelburg, Gewerbegebiet Thulbafeld. Die Mission: Betten bauen, 125 Stück, heute.

Auf Anfrage der Regierung von Unterfranken hat die Bundeswehr gestern beim Aufbau der Asylunterkunft im Hammelburger Gewerbegebiet Thulbafeld geholfen. Bereits morgen sollen die ersten Geflüchteten einziehen. Die Notunterkunft bietet Platz für 300 Flüchtlinge und wird verwaltungstechnisch als sogenannte Dependance (Außenstelle) der Aufnahmeeinrichtung Schweinfurt geführt.

"Ich möchte keinen vergessen. Deshalb sind Soldaten aus allen Bereichen dabei", sagt Thomas Knüttel, der die Hilfsaktion der Bundeswehr in der Flüchtlingsunterkunft als Dienstältester betreut. Laut Knüttel hat die Regierung von Unterfranken am vergangenen Donnerstag den Hilfeantrag an das Dienstleistungszentrum der Bundeswehr in Hammelburg gestellt.


Malteser betreiben die Unterkunft

Die Baywa hat das Gebäude der Regierung von Unterfranken im Oktober zur Verfügung gestellt; "vorübergehend mietfrei", sagt Pressesprecher Johannes Hardenacke. Grund war unter anderem die Notlage in Schweinfurt. Seitdem wird gebaut. Morgen muss alles fertig sein.

Die Nutzung des Grundstücks ist derzeit auf drei Jahre befristet, die Betreuung der Unterkunft inklusive Catering übernimmt die gemeinnützige Malteser GmbH. Zehn Mitarbeiter der gemeinnützigen Organisation werden die Geflüchteten vor Ort betreuen. Dazu kommen noch Sicherheitsdienstleister sowie viele ehrenamtliche Helfer. "Ohne Ehrenamt kann man keine Flüchtlingsunterkunft betreiben", sagt Christina Gold, Pressesprecherin der Malteser in Unterfranken.


Helferkreis ist eingebunden

Der Hammelburger Helferkreis ist ebenfalls eingebunden und wird die Kleiderkammer übernehmen. Ehrenamtliche Mitarbeiter vom Hospizdienst der Malteser in Hammelburg wollen ebenfalls helfen. Die Hilfsbereitschaft der Hammelburger ist insgesamt hoch. Doch es gibt auch Unzufriedene: Eine Anwohnerin hat am 28. Oktober beim Verwaltungsgericht Würzburg eine Klage eingereicht.


Klage abgewiesen

Die "wohnähnliche Nutzung" des Gebäudes" sei schädlich für das Gewerbe der Klägerin, wie es in der Erklärung des Gerichtes heißt. Sie sehe sich mit erhöhten Rücksichtsmaßnahmen konfrontiert. Außerdem sei die zukünftige gewerbliche Nutzung des Thulbafeldes in Gefahr. Das Verwaltungsgericht hat die Klage jedoch am vergangenen Freitag abgewiesen. "Eine Verletzung nachbarschützender Vorschriften ist im vorliegenden Fall nicht ersichtlich", begründet es die Entscheidung.


Soll erfüllt

Die Regierung von Unterfranken hat zwar das vorgegebene Soll erfüllt, was die Aufnahme von Flüchtlingen angeht. Trotzdem sind die Einrichtungen in Schweinfurt überfüllt. Besonders im Hinblick auf den Wintereinbruch musste entschieden werden, was mit den restlichen Flüchtlingen geschehen soll. Deshalb hat sich die Regierung für die Unterkunft in Hammelburg stark gemacht. Sie habe jedoch nur zwei Mitarbeiter zur Verfügung gehabt, meint Christoph Wieland, der stellvertretende Geschäftsführer der Malteser in Würzburg, der die Koordination vor Ort derzeit betreut. Deshalb habe sich die Regierung an die Malteser gewandt. Die Kosten für die Versorgung und die Mitarbeiter der Malteser werden von der Regierung übernommen.


Regierung sucht weitere Gebäude

"Die Regierung von Unterfranken sucht dringend Gebäude, in denen Gemeinschaftsunterkünfte mit einer Kapazität von mindestens 75 Plätzen eingerichtet werden können", heißt es in einer Pressemitteilung. Informationen zur Ausschreibung können auf der Internetseite der Regierung von Unterfranken abgerufen werden.