Früh aufstehen mussten die Teilnehmer der Wallfahrt nach Vierzehnheiligen. Bereits um halb sechs morgens trafen sich die Pilger in der Stadtpfarrkirche St. Johannes. Nach einer kurzen Andacht und dem Segen traten sie ihre 112 Kilometer weite Reise an - manch einer bewältigte sie schon zum 27. Mal.
Rund 180 Anmeldungen verzeichnete Wallfahrtsführer Edgar Denner beim Abmarsch in Machtilshausen, wo eine Messe mit anschließender Brotzeit am "Schreinerschhaus" den weiten Marsch einleitete. Eine Tasse Kaffee, ein belegtes Brötchen, ein kurzer Plausch, dann ging es weiter. "Heuer gibt es wenige Neulinge, sieht man von den Wiedereinsteigern einmal ab, die schon als Ministranten dabei waren. Die Masse ist schon länger dabei", erklärte Denner, der mit Bernhard Blum und Rudolf Hannawacker zwei erfahrene Stellvertreter hat.
Gerda Kuchenbrod absolviert heuer ihre 25. Pilgerreise. Dafür erhält sie nach Ankunft in der Basilika Vierzehnheiligen in Staffelstein die große Ehrenmedaille. Die Leistung und die Haltung der 72-Jährigen zu diesem Ereignis ist erstaunlich. "Ich begann noch als junge Frau mit der ersten Wallfahrt. Damals lief der 70-jährige Kellermeister von Schloss Saaleck, Karl Full, mit. Ich war schlechter drauf als er. Das hat mich beschämt", erinnert sich Gerda Kuchenbrod.
Von da an war Vierzehnheiligen ihre Wallfahrt. "Sie bringt mir sehr viel und ich zehre das ganze Jahr davon", räumt die Westheimerin ein und fährt fort: "Die Gedanken auf dem Weg und die doch etwas moderne Ausrichtung, bei der nicht nur Rosenkränze gebetet werden, möchte ich nicht mehr missen", bekräftigt sie.

Ehemann überredet

"Ich laufe gerne und bin erst an Ostern mit meinem Gatten Alfred auf den Kreuzberg gelaufen. Der Weg ist steiler als der nach Staffelstein. Aber schaffe ich den Kreuzberg, schaffe ich auch Vierzehnheiligen", ist die Seniorin überzeugt. Manchmal zwicke es ein bisschen, gesteht sie, doch ernsthafte Beschwerden in Gelenken oder Beinen hat die rüstige Rentnerin nicht.
Inzwischen konnte sie sogar ihren Ehemann, "der früher immer schimpfte, wenn ich losging", zum Mitlaufen überreden. Er absolviert heuer seine zwölfte Vierzehnheiligen-Wallfahrt.
Auch Gerhard Schubert aus Fuchsstadt und der stellvertretende Wallfahrtsführer Bernhard Blum aus Hammelburg sind zum 25. Mal dabei und erhalten die besagte Auszeichnung. Schubert, der bei der Verkehrssicherung mitwirkt, kam durch seinen Schwager zu den Pilgern. "Dann hat es mich nicht mehr losgelassen, es ist wie eine kleine Sucht", schmunzelt er.
Stadtkämmerer Blum musste die ersten beiden Wallfahrten passieren lassen. Es klappte erst beim dritten Male. "Für mich ist das Pilgern, einfach dem Alltag entfliehen. Einmal abschalten, bei sich sein unter vielen Gleichgesinnten", erklärt er.
Neu ist die Lautsprecheranlage, die aus der Wallfahrtskasse unter Mithilfe der Pfarrei finanziert wurde. Auch in der Streckenführung ergaben sich Änderungen. Wegen Bauarbeiten auf der Bundesstraße 303 zwischen Humprechtshausen und Reichmannshausen musste eine andere Strecke, ein Waldweg, gefunden werden, der aber keinen Umweg bedeutet.
Unter dem Motto "Glaube ist Kraft- und Hoffnungsquelle" ist Diakon Kim Sell seelsorgerischer Begleiter auf der Pilgerreise. Pfarrer Edwin Erhard hält die Gottesdienste in Hesselbach und Ebern. Die medizinische Versorgung liegt bei Sanitäter Edmund Knüttel und seinem Team.
Die Messe in Machtilshausen zelebrierte Stadtpfarrer Thomas Eschenbacher. Er läuft nicht mit. "Ich bin nach meinem Unfall noch nicht so weit hergestellt, plane aber für das nächste Jahr meine Feuertaufe bei der Vierzehnheiligen-Wallfahrt", versichert er.