Die Trasse der Saaletalbahn krankt. Der Rost nagt an den Brücken. So sehr, dass es im Landkreis Bad Kissingen gleich zwei Brücken mit irreparablen Schäden gibt. Unter wirtschaftlichen Aspekten lohnt sich die Reparatur nicht mehr.

Betroffen ist die Thulbabrücke nahe des Bahnhofs Hammelburg und die Brücke über einen Geländeeinschnitt nahe Arnshausen. "Die Sicherheit ist jederzeit gewährleistet", beruhigt ein Bahnsprecher. Die Brücken würden mindestens alle drei Jahre geprüft und einmal pro Jahr im Rahmen einer Begehung in Augenschein genommen. Dabei gibt es von Jahr zu Jahr immer mehr Mängel zu notieren. An allen vorhanden Brücken.

Verschiedene Schäden

In vier Kategorien erfasst die Bahn bundesweit Brückenschäden: punktuelle Schäden; größere Schäden; umfangreiche Schäden; Instandsetzung noch möglich; muss abgerissen werden, da Reparieren zu teuer ist. Detailliert hat jüngst die Wochenzeitung "Die Zeit" alle Brücken katalogisiert. Von der Bahn selbst Informationen für ein rundes Bild zu bekommen, ist schwierig. Nach den Recherchen der Zeit ist das Desaster offenkundig. Brücken ohne Schäden sind in der Karte von der Saaletalbahn im Bereich des Landkreises gar keine enthalten.
Zehn Brücken auf dem gut 50 Kilometer langen Abschnitt zwischen der Rossmühle und Ebenhausen fallen in die Kategorie mit größeren Schäden und 18 in die Kategorie mit umfangreichen Schäden. Allein im Bereich des Hammelburger Bahnhofs sind drei Brücken ziemlich kaputt.

Die Bandbreite der Bauwerke ist groß. Vom eher unscheinbaren Wasserdurchlass über die Straßenquerung bis hin zur Saalebrücke bei Elfershausen, Trimberg oder dem Viadukt hoch über Euerdorf.

Dass es mit der Reparatur so lange dauert, hat seinen Grund. Es hat sich ein riesiger Investitionsstau gebildet. Von bundesweit 25 919 Bahnbrücken ist ein Drittel älter als 100 Jahre. 1148 müssten abgerissen werden. In Bayern sind es von über 4600 Bahnbrücken 175.

Linie entsteht im 19. Jahrhundert

Auch die Saaletalbahn ist in die Jahr gekommen. Die Verbindung von Ebenhausen nach Bad Kissingen entstand 1871 zunächst als Stichbahn. 1884 wurde das Saaletal zwischen Gemünden und Hammelburg bahntechnisch erschlossen. 1924 gab es den Lückenschluss zwischen Hammelburg und Bad Kissingen.

Bei der Brückenreparaturen drängt die Zeit. "Es geht um einen Zeitraum von zehn bis 15 Jahren", umreißt ein Bahnsprecher in München den Handlungsrahmen. Die Entscheidung, welche Brücke saniert oder neu gebaut wird, orientiere sich auch an der Bedeutung der Strecke und an der Möglichkeit, Maßnahmen zu bündeln. Um die Strecke nicht mehrfach zu sperren, wird in Baukorridoren gearbeitet.

Eine konkrete Planung für die Übergänge der Saaletalbahn gibt es noch nicht. Zumal Bahn und Bund zur Reparatur aller Schrottbrücken offenbar noch ums Geld streiten.

So werden konkrete Aktionen auf sich warten lassen. "Brückeninstandsetzungen haben in der Regel Planungsvorläufe von mehreren Jahren", erläutert der Bahnsprecher. Weil sie mit Dritten, wie Straßenbaubehörden, Wasserwirtschaftsämtern und ähnlichem abgesprochen werden müssen, sei ein rechtzeitiger Ansatz wichtig.

Millionen Euro von Reparaturkosten stehen im Raum. So ist wohl unter dem Strich auch zu klären, ob die Brückenfrage nicht doch irgendwann zur Existenzfrage für die Saaletalbahn wird. Wolfgang Dünnebier