Endlich war es wieder soweit: Die Museumsscheune auf der Hammelburger Museumsinsel war bis auf den letzten Platz ausverkauft, und ein kabarettistisches Highlight stand auf dem Programm: Martin Zingsheim, ein mit Auszeichnungen überhäufter Kölner Comedian, wurde erwartet, um rheinische Fröhlichkeit, Alltagsreflektierendes und Nachdenkliches von Köln nach Hammelburg zu bringen - und das mit ohne.

Die Sache mit dem Verzicht

Die Damen von Kulturbunt waren im Vorfeld der Veranstaltung wieder einmal sehr emsig und aktiv: Wurst- oder Käsesalat - pur und nicht gemischt versteht sich, und die bewährten Klapptischlein natürlich auch "mit ohne Deko", den Titel und das Anliegen des Kabarettisten Martin Zingsheim innerlich vor Augen. Es sollte um Verzicht gehen, einen Verzicht und die Reduktion auf das Wesentliche. Diese Einstellung unterstrich auch das Bühnenbild, dem die Zuschauer dieser kabarettistischen Liveveranstaltung gegenübersaßen: schlichte Bühnenbretter, wenige kreisende Lichter, ein Mikro und nichts Überflüssiges.

Die perfekte Bühne für Martin Zingsheim, der sich gerne von einem "Zuviel" freimacht. Seine Kleidung ist schlicht: adrettes Hemd, Baseballjacke, Jeans und Sneaker. Auf den ersten Blick wirkt er wie der nette Junge von nebenan, doch hat er es faustdick hinter den Ohren. Darüber können die schlichten Bretter, die seine Welt bedeuten und in die er die "liveveranstaltungentwöhnten" und "kabaretthungrigen" kulturbunt-Gäste mitnimmt, nicht hinwegtäuschen. An diesem Abend spann der 37-jährige Kölner einen weiten Bogen, entführte die Anwesenden in seine weite, kinder- und pointenreiche Welt voller Gegensätze, kritischem Humor, brillanter Komik, rasantem Rap und verbalen, sehr akzentuierten "Wortschlangen". Eine Welt, die glücklicherweise gar nicht so "ohne" ist und deren Einblicke Schmunzeln, Lachtränen und viel Applaus entlockte.

Mal bleibt er in seiner Ausprägung minimalistisch, mal liebt Zingsheim Opulenz. Nicht eine "Ein-Kind-Familie" nennt der Kölner sein eigen, nein die Kinderzahl betreffend bevorzugt er ein "mehr": Er und seine polnische Frau haben sich für vier Kinder entschieden, die sie bilingual erziehen. Die Kinder sind es, die oft Aussagen treffen, die ihm als Inspiration für sein kabarettistisches Tagwerk dienen - eine Inspiration, die er gerne und gekonnt nutzt. Sein Buch "Eltern haften an ihren Kindern: Überleben mit Nachwuchs" zeugt gewiss von der Fähigkeit, dem Leser einen Überlebenspfad im täglichen wuseligen Alltag mit dem Nachwuchs aufzuzeigen. Wer, wenn nicht er, der leid- und freudgeprüfte vierfache Familienvater könnte diesen Pfad aufzeigen? Zingsheim streift Politik und Zeitgeschehen, hinterfragt das wohl überlieferte ehemalige Badeverhalten von Männern (die immer nur zu Johanni baden - also einmal jährlich), präsentiert Hobbycholeriker im Kölner Straßenverkehr, die Kölner Fastnacht und verrät einen wichtigen und multipel einsetzbaren Kölner Satz: "Das kannst Du aber schön". Schöner, ironischer und galanter kann man Kritik nicht verpacken. Zingsheim, der als junger Mann den Berufswunsch hegte, Gangsterrapper zu werden, entschied sich dann doch für das Leben und Wirken als Kabarettist, kann sein Rapper-Talent aber nicht verleugnen, was er mit dem Rap "Hab keine Zeit" beweist. Martin Zingsheims wohl dosierter Minimalismus ist absolut bühnenreif. Es gelang ihm mühelos, seinem Publikum zwei unbeschwerte Stunden zu schenken.

"Es wird unter anderem einen Straßenfasching am Viehmarkt geben, Kabarett mit Jess Jochimsen, einen Eventkino-Krimiabend, einen musikalischen Abend mit der Klavierkabarettistin Anne Folger, eine 60er-Tanzparty mit den Wonderfrolleins, einen kulinarischen und musikalischen Nacht-Markt und ein Wiedersehen mit dem Kabarettisten Frank Grischeck mit seinem Akkordeon", verrät die Kulturbunt-Vorsitzende Heide Gerlach-Hirt mit Blick auf das Kulturbunt-Programm 2022. Jetzt fiebern alle Initiatorinnen und künftigen Gäste den noch im Jahr 2021 angekündigten Veranstaltungen entgegen: Anne Klinges Fußtheater am 25. September und Philipp Webers Kabarettabend "Durst - Warten auf Merlot" am 5. November.