"Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind groß zu ziehen" - lautet ein afrikanisches Sprichwort. Ganz nach dieser Weisheit war auch die offizielle Einweihung und Segnung der Kindertagesstätte St. Elisabeth am Samstag in Thulba ausgerichtet. Fertiggestellt und bezogen wurde das Gebäude bereits vor zwei Jahren, Corona-bedingt mussten die Feierlichkeiten allerdings immer wieder verschoben werden. Nach einem Gottesdienst mit anschließender Haussegnung, kamen auch einige der am Bauprojekt beteiligten Personen zu Wort. Dankbarkeit, Erleichterung und Freude prägten die Veranstaltung.

"Die ersten Planungsgespräche haben bereits vor zehn Jahren stattgefunden", erzählt Bürgermeister Mario Götz in seiner Rede, um die Gesamtlänge des Bauprojektes zu verdeutlichen. Nach einer Bestandsaufnahme im Jahr 2013, folgten die ersten Voruntersuchungen. Auch der Architekt der neuen Kindertagesstätte, Marcus Seifert, hatte zu diesem Zeitpunkt bereits mit seiner Planung begonnen. So entstanden insgesamt sieben unterschiedliche Varianten, wie das Gebäude am Ende aussehen könne.

"Es galt in diesem Zeitraum viele Gespräche zu führen. Das kostet viel Zeit, Kraft und Nerven", ist sich auch der stellvertretender Landrat und Altbürgermeister der Gemeinde Oberthulba, Gotthard Schlereth, bewusst. Aber: Am Ende sind sich alle einig. "Wir haben mit dem Bau in unsere Zukunft investiert und das hat sich gelohnt", freut sich Harald Kolb, Mitglied der Kirchenverwaltung.

Eigene Umgehungsstraße gebaut

Eine erste Kostenanalyse Mitte 2016 ergab eine zu erwartende Bausumme von ungefähr drei Millionen Euro. Die Gesamtkosten waren am Ende allerdings etwas höher als ursprünglich erwartet - insgesamt 3,3 Millionen Euro kostete die neue Kindertagesstätte in Thulba. Für den Anstieg verantwortlich sind vor allem ein weiteres Grundstück, dass zur Erweiterung des Außenbereichs erworben wurde und die im Nachhinein geplante Umgehungsstraße, die zur Beruhigung der Verkehrssituation vor Ort beitragen soll.

Ob die Umsetzung unter den heutigen Umständen erneut so möglich wäre, ist unwahrscheinlich. "Insgesamt also eine absolute Punktlandung", freut sich der Bürgermeister. Neben der Gemeinde Oberthulba übernahm auch die Diözese Würzburg in Zusammenarbeit mit der Kirchenstiftung und dem Elisabethenverein eine Millionen Euro der Kosten. Die Regierung von Unterfranken beteiligte sich mit einer Summe von 1,3 Millionen Euro am Projekt.

Nachdem die Baugenehmigung am 8. Juni 2017 erteilt wurde, ging es knapp ein Jahr später mit den Bauarbeiten los. Endgültig fertiggestellt wurde der Kindergarten schließlich im Frühjahr 2020. "Insgesamt waren 29 Fachfirmen am Bau beteiligt. Es freut uns besonders, dass die meisten aus der Region stammten", erläutert der Architekt. Im neuen Gebäude ist nun neben 75 Kindergartenkindern auch Platz für 24 Krippenkinder.

Symbolische Schlüsselübergabe

Gestartet wurden die Feierlichkeiten mit einem Gottesdienst, den der evangelische Pfarrer Robert Augustin aus Hammelburg und Domkapitular Clemens Bieber aus Würzburg für die gesamte Gemeinde zur Einweihung und Segnung der Kindertagesstätte abhielten. "Es ist wichtig, dass wir nicht einfach nur einen Kindergarten bauen, sondern dass er auch einen guten Geist besitzt", betont Bieber die Wichtigkeit von Gottes Segen. "Kinder sind Powerpakete. Sie sind voller Energie, Freude und Leidenschaft", beschreibt Augustin bei der anschließenden Segnung direkt im Kindergarten, die vom Domkapitular ausgeführt wurde. Im Anschluss daran fand noch eine symbolische Schlüsselübergabe statt.

Ehrenamtliches Engagement

"Seit über 100 Jahren sorgt der Elisabethenverein ehrenamtlich für den Kindergarten", erläuterte die Leiterin des Kindergarten Birgit Armbruster in ihrer Ansprache in der Kirche. Symbolisch baute sie in ihrer Rede mit allem am Bau beteiligten eine Mauer auf, die am Ende das neue Gebäude darstellen sollte.

Neben Herrn Kiesel, als Vertreter des Vereins, bat sie ebenfalls Vertreter der Kirchenstiftung, Gemeinde, Architekten, Handwerker, örtliche Vereine und Familien an den Altar, um die Mauer gemeinsam zu errichten. Und auch hier wurde das afrikanische Sprichwort wieder deutlich: Nur durch die gemeinsame Zusammenarbeit aller sei es möglich gewesen, das Projekt zu realisieren und entsprechend umzusetzen - es brauche also ein ganzes Dorf