Das Feuerwehrhaus wäre fast aus allen Nähten geplatzt. Bürgermeister Günter Kiesel musste zugeben, dass dies die am besten besuchte Bürgerversammlung ist, die er je erlebt hat, und er ist nun schon ein paar schöne Jahrzehnte am Ort tätig. Der Grund, warum sich so viele Haarder eingefunden hatten, war die bevorstehende Erneuerung der Ortsdurchfahrt KG 17. Denn das ist eine Baumaßnahme, von der der ganze Ort betroffen sein wird. Und zwar sowohl im Hinblick auf mögliche Beeinträchtigungen beim Befahren der Grundstücke, als auch im Hinblick auf den eigenen Geldbeutel. Denn die Anwohner an der Ortsdurchfahrt werden zur Kasse gebeten. Und da wollte jeder wissen, in welcher Höhe, zumal im Vorfeld heftig darüber diskutiert worden war und Gerüchte um die Zahlen durch den Ort waberten.
Bürgermeister Günter Kiesel legte den Haardern nun die Gesamtrechnung vor. Demnach hat der Ausbau der Ortsdurchfahrt ein Investitionsvolumen von 2,57 Euro, wovon die Gemeinde 1,015 Millionen Euro tragen müsse, der Rest sei Angelegenheit des Landkreises. Die Gemeinde habe ermittelt, dass die anliegenden Grundstücke gut 74 000 Quadratmeter groß sind, wobei aber nur 61 542 Quadratmeter anzurechnen seien. Die Gehwege kosten dem Ausschreibungsergebnis zufolge 544 000 Euro, die sich Gemeinde und Bürger teilen. Angerechnet werde Breite und Länge des Grundstücks bis maximal 50 Meter, und daraus ergebe sich, dass der Beitragssatz pro Quadratmeter bei 4,42 Euro liegen werde. "Ganz exakt wissen wir es erst, wenn abgerechnet wird", sagte Kiesel. Käme die Maßnahme 10 000 Euro teurer, würde sich der Beitragssatz um 16 Cent pro Quadratmeter erhöhen.
Mit dieser Information hatte der Bürgermeister die - zu Beginn offenbar erhitzten - Gemüter beruhigt. Und so konnte der Techniker der Gemeinde, Manfred Schmitt, über verschiedene Detail des Ausbaus informieren. Die Gemeinde habe eine Befahrung der Kanäle vorgenommen, soweit sie auf Gemeindegrund liegen, und dabei festgestellt, dass 75 Prozent der Hausanschlüsse - sie stammen aus den 60er Jahren - saniert werden können, an fünf Stellen aber müsse man die Kanalrohre austauschen. Er gehe davon aus, dass sich die Kanäle auf Privatgrund in demselben Zustand befänden, wobei die Hauseigentümer für eine gegebenenfalls notwendige Sanierung selbst zuständig sind. Schmitt riet dazu, Übergabeschächte zu installieren, die Gemeinde tue dies auf ihrem Grund auch. Für Nachfragen stehe er Rede und Antwort, auch während der Bauzeit.
Steffen Kiesel vom Landratsamt hat die Bauaufsicht für die Bauarbeiten an der Ortsdurchfahrt KG 17. Er stellte sich als "der Steffen" vor, denn "schließlich sind wir vom Bau." Er beruhigte die Haarder, nicht zu erschrecken, dass die Bauarbeiten bereits von Burglauer her begonnen haben. Denn dort müssten Mauern zurückgesetzt werden. Die Pflasterung der Gehwege entspreche dem Stand der Technik, die Fahrbahn werde sechs Meter breit. Von der Einfahrt zur Bärenburg ab lege der Landkreis auf seine Kosten bis zum Ortseingang linksseitig einen Radweg an. Die Bauzeit dauere bis Juni 2013, und zwar in vier Bauabschnitten: Teil 1 sei vom Kreisverkehr bis zum Ausbauende, dann folgen die Abschnitte Burgstraße-Kreisverkehr, Einfahrt Höllweg-Einfahrt Burgstraße sowie Bauanfang-Einfahrt Höllweg. Die Bushaltestelle an der Kirche ist aufgelöst, an der Umleitung für die Busse durch die Burgstraße sei Halteverbot angeordnet. Man versuche, die Behinderungen für die Anwohner so gering wie möglich zu halten. Und da "Steffen" in der nächsten Zeit ohnehin häufig am Ort sein wird, möge man ihn direkt ansprechen, wenn es Fragen oder Probleme gibt.
Ob die Sperrung der Ortsdurchfahrt, wie angeregt wurde, eventuell schon ab Nüdlingen ausgeschildert werden muss, werde man abwarten. Je nach Entwicklung des Verkehrs.