Es sollte eine Zwischenpräsentation der Ergebnisse einer Befragung unter den Gewerbetreibenden werden und die Wünsche der Bürger aufzeigen. Doch zwischenzeitlich lief der Veranstaltung in der Alten Aula derart aus dem Ruder, dass sich der Sachgebietsleiter Städtebau von der Regierung von Unterfranken, Manfred Grüner, genötigt sah, einzugreifen. Eingegriffen hatten zuvor Mitglieder der Wählergruppierung "Neue Wege". Weil sie eine "Übermacht" der Gewerbetreibenden und damit potenziellen Gegnern des Einkaufszentrums befürchtet hatten, haben sie die Einwohner einiger Stadtteile mobilisiert.

"Wir befürchten, dass auf der Grundlage dieses Gutachtens zukünftig Schwerpunkte gesetzt werden, die nur einzelne, nämlich die Geschäftsleute der Innenstadt, zufrieden stellen.
Kommt bei dem Gutachten raus, dass Neuansiedlungen von Discountern und anderen Läden im Außenbereich für die Innenstadt schädlich sind, wird es wohl schwer werden, das neue Einkaufszentrum an der B 19 Richtung Bad Neustadt zu verwirklichen", war unter anderem auf dem Wurfzettel zu lesen. Also kamen viele Befürworter des Gewerbegebietes, um ihre Meinung kund zu tun.

Timm Jehne und Stefanie Torge von der GfK GeoMarketing stellten den rund 70 Bürgern in der Alten Aula zunächst die Ergebnisse einer Standortanalyse und einer Befragung unter den Gewerbetreibenden vor. "Es wäre ein ganz anderes Ergebnis heraus gekommen, wenn die Bürger befragt worden wären", meinte Windheims Ortssprecher Klaus Schebler. Das ließ Timm Jehne aber nicht gelten. Das sei die Befragung der Geschäftsleute, heute sitze man zusammen, um die Meinung der Bürger zu hören, konterte er. Mit dem Fachmarktzentrum habe das heute nichts zu tun. Martin Kuchler beschwerte sich heftig darüber, was an diesem Abend vorgestellt wurde. Er hatte sich bereits Ergebnisse versprochen. Susanne Stäblein wiederum meinte, dass viel zu wenig Leute da seien, um ein objektives Bild über die Meinung der Bewohner zu bekommen. Er hätte sich auch eine Befragung der Bürger per Post oder Telefon gewünscht, meinte Bürgermeister Helmut Blank (CSU). Aber es sei der Wunsch der Regierung von Unterfranken gewesen, die Bürger über Versammlungen zu beteiligen.

"Für uns wird das nicht gemacht, sondern zum Wohle der Stadt Münnerstadt", übernahm Manfred Grüner von der Regierung das Ruder. Er berief sich auf einen Landtagsbeschluss, nach dem geprüft werden müsse, unter welchen Voraussetzungen man Geld in eine Innenstadt investiert. Dinge, die erhalten werden können, sollten auch erhalten bleiben. Natürlich sei es einfacher auf der grünen Wiese zu bauen. Geprüft werden müsse aber, was man in der Innenstadt erhalten und wie Leerstände revitalisiert werden können.

Mürscht ein Rothenburg?

Das wolle er doch auch, meinte Klaus Schebler, der sich Münnerstadt in der Zukunft wie Dinkesbühl oder Rothenburg ob der Tauber vorstellen kann mit Fußgängerzone und kleinen Nischengeschäften. Einkaufen wolle er aber zunächst in einem Fachmarktzentrum, danach gehe er in die Innenstadt, beispielsweise in die Apotheke.
Heftige Kritik übte unter anderem Christoph Lemberg, der aus dem Städtebaulichen Entwicklungskonzept zitierte. Mehrfach wurde bemängelt, dass doch eigentlich sämtliche Studien schon da seien, man wisse doch eigentlich schon alles.

Mit reichlich Verspätung kehrten die Anwesenden wieder zum eigentlichen Grund des Treffens zurück. Auf Karten konnten sie ihre Wünsche zu verschiedenen Themen schreiben und diese dann mit Punkten gewichten. Schließlich wurden zwei Arbeitsgruppen gebildet. Die erste beschäftigte sich fast ausschließlich mit dem geplanten Fachmarktzentrum. Ergebnisoffen trugen die Teilnehmer Pro und Contra zusammen, wobei das Pro dominierte, weil auch die Befürworter bei der Versammlung dominierten. Da nutzte auch ein Appell von Manfred Gründer nichts. Trotzdem: "Wir werden kein Votum abgeben", sagte Timm Jehne von der GfK GeoMarketing. Es werde nicht bewertet, ob es schädlich ist, oder nicht. Das ganze werde nur städtebaulich betrachtet, also welches Geschäft Sinn mache und welches eher nicht.

Die zweite Arbeitsgruppe beschäftigte sich mit der Gastronomie und Aufenthaltsqualität in der Innenstadt. Dabei wurden Wünsche gesammelt, wie beispielsweise ein Café oder eine Cocktailbar. Die beiden Gutachter werden nun prüfen, welche der Wünsche umsetzbar sind und wie das geschehen könnte.

Dominantes Thema

Weil das Thema Fachmarktzentrum derart dominant war, nahm sich Timm Jehne vor, bei der zweiten Veranstaltung, die gestern Abend in Großwenkheim stattfand, dieses Thema vorab zu diskutieren und nicht mit in die Arbeitsgruppen zu nehmen.

Auch wenn es derzeit um das Zentrenkonzept geht, so ist das geplante Gewerbegebiet mit dem Fachmarktzentrum natürlich der eigentliche Grund des Gutachtens. Aber erst in einem zweiten Schritt wird die Verträglichkeit mit der Innenstadt geprüft.

Bürgermeister Helmut Blank zeigte sich sehr zufrieden mit der guten Beteiligung. "So viele Leute hatte ich noch nie bei einer Bürgerversammlung", sagte er. Das Schreiben von Neue Wege dürfte daran seinen Anteil gehabt haben.