Seit 50 Jahren sind Fritz Dunkel aus Oberleichtersbach und Wolfgang Röder aus Modlos Jäger. Mit Leuchten in den Augen und einem Schmunzeln auf den Lippen erinnern sich die beiden an die Anfänge. Mit 23 Jahren waren sie gleich nach der Jägerprüfung dem BJV beigetreten, hatten aber schon lange vorher jagdliche Erfahrungen gesammelt. Als "Jungspunde" waren sie bei "den älteren Herren" schon als Treiber mitgegangen. "Wir waren so angespannt bei der Jagd, aber es hat unwahrscheinlich Spaß gemacht", sagt Fritz Dunkel.
Die Jagdleidenschaft war entfacht. Die Jägerprüfung in Würzburg sei ein "böses Pflaster" gewesen, von neun Kursteilnehmern hätten sich nur vier der Prüfung gestellt, so Dunkel. Wolfgang Röder war von drei Brückenauern der Einzige, der die Jägerprüfung - "das grüne Abitur" - bestanden hat. "Aber wir sind auch mit Muffensausen nach Würzburg", erzählt Fritz Dunkel.

In sechs Theoriefächern und in der Praxis wurden Dunkel und Röder auf Herz und Nieren getestet, unter anderem in Jagdrecht, Tierkunde und Hundeführung. Wolfgang Röder geht auch heute noch jeden Tag raus in den Wald, Fritz Dunkel nur zwei bis drei Mal pro Woche. Ab Mai dürfen Böcke wieder geschossen werden, doch müsse man gut aussortieren und den Bestand im Gleichgewicht halten, betonen die beiden erfahrenen Jäger, die ihre Verantwortung sehr ernst nehmen.

Mit Wolfgang Röder und Fritz Dunkel waren sich bei der jüngsten Hegeschau der Kreisgruppe Bad Brückenau im Bayerischen Jagdverband (BJV) in Speicherz alle einig: Jäger und Jagdgenossen sollen an einem Strang ziehen und mit vereinten Kräften für das Jagdrecht einstehen. Für ein partnerschaftliches Miteinander zwischen Jägern und Jagdgenossen plädierte Schwarzwildringleiter Gerhard Fiedler. Im Zusammenhang mit Wildschäden sieht er die Kreisgruppe Bad Brückenau auf der richtigen Fährte, denn auch 2011 seien die Wildschäden leicht reduziert worden. Dennoch und trotz verbesserter Schießleistung seien die Schäden mit 46 Euro pro erlegtem Wild "immer noch enorm hoch".

Zahlreiche Maßnahmen wurden im vergangenen Jagdjahr in Angriff genommen, um die Schäden durch das Schwarzwild weiter zu senken. Sowohl Hans-Peter Donislreiter, Jagdreferent der Unteren Jagdbehörde, als auch Gerhard Fiedler hatten zu Diskussionen und Präsentationen eingeladen.
Schwarzwild sei in hohen und dichten Getreidefeldern schwer zu bejagen. Sorge bereitet den Jägern der verstärkte Mais-Anbau für Biogas-Anlagen. Die Wildschadensabwehr durch Ablenkfütterungen wurde auf 16 Feldern dokumentiert. Zusätzlich dienten die Felder dem Wild in der Notzeit.

Mit Drückjagden wurden laut der Experten bei Bachen und Frischlingen bessere Erfolge als bei Einzeljagden erzielt, die Keiler verdrückten sich dagegen. Und: Auf Grund der Revierstruktur und dem Rückzug des Schwarzwildes in große Waldgebiete sei die Drückjagd nur eingeschränkt möglich.
Jürgen Bischof und Gerhard Fiedler berichteten von ihrer Schulung zum BJV-Wildschadensberater in Feldkirchen sowie der Tagesschulung für Hegegemeinschaftsleiter und Kreisgruppenvorstände. Des weiteren wurde am mehreren Terminen im Schießkino Janker sowie in Bad Königshofen die Schießleistungen verbessert.
Landrat Thomas Bold bezeichnete es als "wesentlichen Punkt, dass es miteinander funktioniert". Spannungen zwischen Jägern und Jagdbehörde kämen von Natur aus vor, doch wünschte er sich von beiden Seiten Verständnis füreinander. Mit 48 Prozent Waldfläche im Landkreis sei der Wald ein Wirtschaftsfaktor. Die Waldwirtschaft müsse mit einem guten Wildbestand funktionieren, es gelte nicht mehr Wald vor Wild, sondern Wald mit Wild. Die Hegeschauen seien sowohl Verpflichtung als auch Spiegelbild des Bestandes.
Bold erinnerte zudem an die Einhaltung des Waffenrechts, man solle eine "entsprechende Sorgfalt an den Tag legen". Einzelfälle, in denen die Sorgfaltspflicht vernachlässigt worden war, lieferten Schlagzeilen. Bold bat um Verständnis für stärkere Überprüfungen.

Eine Ehrung des Landkreises ging an Heinz Müller auf Grund seiner "außerordentlichen Verdienste um das Jagdwesen in Bayern". In seiner Laudatio sagte Kreisgruppenvorsitzender Dr. Edmund Wilhelm: "Seine Einsatzjahre waren geprägt von heftigem Ringen im Einsatz um Wald- und Wildfragen, in dem graue und grüne Berufszunft in manchem Gegensatz standen. Er hat zwischen Forst und Jägerschaft erfolgreich vermittelt." Heinz Müller freute sich, dass die "Bemühungen auf fruchtbaren Boden fallen".

Von Stephanie Elm