Mit viel Optimismus, unterstützt von Böllerschüssen des Schützenvereins und Trillerpfeifen, machten sich die "Sturmtruppen" des Nüdlinger Carneval Clubs (NCC) am Samstag daran, das Rathaus zu erobern. Ziel war die Gefangennahme von Bürgermeister Harald Hofmann - in glänzender roter Jacke - und der anwesenden Gemeinderäte. Kampflos ergaben diese sich freilich nicht. Allerdings wehrten sie sich mit Bonbons und schossen mit Pistolen, aus denen witzige "Peng"-Fähnchen schossen.

Traditionell lieferten sich die Obrigkeiten ein lustiges Wortgefecht, in dem diesmal die Umgehungsstraße eine wichtige Rolle spielte. Ingo Kneup, der NCC-Gesellschaftspräsident, rief den wenigen anwesenden Bürgern zu: "Wer jetzt zuschaut, der kann bezeugen, wie die sich unserer Mehrheit beugen. Wir lassen keinen kommen aus und stürmen hier des Rates Haus. Der Gemeinderat wird aufgebracht - Nüdlinger Narren an die Macht!" Bürgermeister Harald Hofmann vermutete beim NCC ein reines Saufgelage. Er drohte: "Solltet ihr euch ins Rathaus rein trauen, begegnet euch hier das finsterste Grauen. Der Gemeinderat zertritt Euch wie einen Wurm. Das wird wohl nichts mit Rathaussturm!"

Angesichts der kommenden Gemeinderatswahlen ging es auf beiden Seiten mit gegenseitigen Sticheleien zur Sache. So rief der NCC: "Die Mehrheit einfach ignorieren und sich von Befragungen distanzieren, die alles umgehen - sogar diese Straße, das ist doch Verbohrtheit in besonderem Maße". Der Bürgermeister konterte: "So was kapiert ihr Narren nie. Was wir hier machen ist Demokratie. Wir können die Bürger nach allem fragen und die können auch alles sagen. Entscheidend ist hier der Gemeinderat und wie die Mehrheit die Stimme abgab."

Der NCC-Präsident gab vor, zu wissen, was die Bürger wollen: "Mehr freie Zeit, herumzutollen, kein Zwang zur Arbeit - dafür hohes Gehalt, ein schönes Zuhause auch wenn man schon alt. Wirtshäuser in allen Gassen, immer fröhlich und gelassen. Ganz entspannt zuhause chillen, im Winter Grog - im Sommer Grillen." Da entgegnte der Bürgermeisters: "Hier steht der vereinigte Gemeinderat, der mit Mehrheit die Umgebung beschlossen hat. Die fürchten weder Tod noch Teufel - schon gar nicht euer Narrengesäusel!"

Schließlich entschloss sich der NCC, die Hinhalte-Schau zu beenden und mit donnerndem Helau rückten die Garden und das Komitee vor und verhafteten den Bürgermeister, weil er die Narren so missachtet habe. Er und die Räte wurden zu "Glistaks Glühweintresen" geführt. Mit Freibier für den Narrenhaufen sollten sich die Gefesselten die Freiheit erkaufen. Doch statt echter Moneten hatte Hofmann die alten Goldtaler vom Jubiläum in seiner Schatulle und kaufte sich lieber mit einem "Lied" frei.