"Dem hat man einfach alles abgenommen", berichtet ein Mann aus dem Heimatort des verurteilten Betrügers, der allerdings nicht namentlich genannt werden will. Mitte der 1980er Jahre gründete der Handwerker im Altlandkreis Bad Brückenau einen Möbelhandel. Das weltmännische Auftreten des dreifachen Familienvaters und seine Reisen in alle Welt beeindruckten das ganze Dorf. 1997 setzte die Staatsanwaltschaft dem Treiben dann ein Ende.
Die Haftstrafe aus dem Fall damals sei der Anfangspunkt für die neuerlichen Betrügereien gewesen: Ausgerechnet im Gefängnis lernte er den Mann kennen, der aus einem Nachbarort stammt und jetzt mit auf der Anklagebank saß.
Die Masche der beiden war keineswegs neu: Das Geld der Kunden sollte bei Schweizer Großbanken angelegt werden und bis zu zehn Prozent Rendite im Jahr erzielen. Gegen Kapitalverlust sei das investierte Geld über Großbanken abgesichert, versprachen die Angeklagten, von denen der eine überwiegend in Deutschland die Kunden besorgte und der andere sich meist zur "Verwaltung" des Geldes in der Schweiz aufgehalten hat.
Eine Große Strafkammer des Landgerichts Würzburg hat die jeweils 50 Jahre alten Männer wegen Betrugs in 39 Fällen zu Freiheitsstrafen von sechs Jahren und sieben Monaten beziehungsweise sechs Jahren und elf Monaten verurteilt. "Manche der Anleger", so Richter Volker Zimmermann, "haben es den Angeklagten leicht gemacht." Einige sind so sogar in wirtschaftliche Not geraten. Denn: Die Millionen sind restlos weg.
Anleger, die sich wegen der Sicherheit ihre Geldes Gedanken gemacht haben, sind mit Testaten aus einer Steuerberater-Kanzlei im Landkreis Bad Kissingen ruhig gestellt worden. Dort, so die Anklage, hatten die zwei Männer regelmäßig Kontoauszüge von Schweizer Banken vorgelegt, die den Eingang des Geldes und die rasante Vermehrung des Kapitals bestätigten. Bei den Kontoauszügen handelte es sich allerdings um Totalfälschungen, die ein Bekannter aus der Knastzeit, der im Büro der beiden Finanzdienstleister für drei- bis fünftausend Euro im Monat die Computer betreute, gedruckt hat.

Auffälliger Schreibfehler


Ein Schreibfehler im Briefkopf einer Schweizer Bank ist lange Zeit nicht aufgefallen, da hatte der Fälscher aus der "Zürcher" eine "Züricher Bank" gemacht, so eine Art "i-Tüpfelchen‘" bei den Ermittlungen, meinte der Staatsanwalt.
Ihren Firmensitz hatten die beiden Betrüger in die Schweiz verlegt, da sie in Deutschland bereits genug Probleme mit Finanzämtern hatten und mittellos waren. Der eine hatte zwei Millionen Schulden, der andere den "Offenbarungseid" geleistet. Daher beschlossen die Männer die Anonymität der Schweizer Aktiengesellschaften auszunutzen. Sie kauften sich, mit dem Geld der Kunden, zwei fertige "Mäntel" von Aktiengesellschaften im Kanton Schwyz und wurden deren alleinige Gesellschafter. Größter Anleger war mit über drei Millionen Euro eine bayerische Versorgungskasse mit Sitz in Rain am Lech: Sie hat nur 9749 Euro zurück bekommen. Private Anleger waren mit Beträgen von einigen zig-tausend bis zu 500 000 Euro bei den Rendite- Spezialisten eingestiegen. Einer der Angeklagten bestätigte, dass "das Geld, so wie es reinkam, oft in bar, auch gleich wieder rausging." Wofür? Zur Zahlung alter Verbindlichkeiten, für angemessene Dienstfahrzeuge wie einen PorscheCayenne und einen Mercedes CLK, für standesgemäße Wohn- und Geschäftsräume in der Schweiz, für Provisionen und den Kauf einer repräsentativen Immobilie für den Vertriebschef in Wildflecken.

Die Neuseeland-Idee


Viel Geld sei auch in die Finanzierung neuer "starker" Anlagemodelle geflossen, die sich jedoch ausnahmslos als Flop herausstellten. Unter anderem war daran gedacht, in Neuseeland eine eigene Bank zu gründen.
Wie bei Schneeballsystemen üblich, hat man den ersten Anlegern die versprochenen Zinsen aus- und ihr Kapital wie vereinbart zurückbezahlt. Das hat sich herumgesprochen, und von da an war das Anlagekonzept der beiden Angeklagten ein Selbstläufer.
Die Gerichtsverhandlung hatte mit einer Stunde Verspätung begonnen. So lange dauerte es, bis ein zwischen den Berufsrichtern, Staatsanwalt und Verteidigern ausgehandelter Deal zur Abkürzung des Verfahrens auch die Zustimmung der Angeklagten fand: Für den Fall eines glaubwürdigen Geständnisses waren Strafen mit einer Obergrenze von sieben Jahren für den Mann vom Außendienst und sieben Jahren und drei Monaten für den Chef der Verwaltung in Aussicht gestellt worden.
Daraufhin hatten die Angeklagten, von denen einer eine Vorstrafe von fünf Jahren für Untreue mitbrachte und der andere drei Jahre - unter anderem für Kreditbetrug und Steuerhinterziehung - alles, "so wie es der Staatsanwalt vorgelesen hat", gestanden. Franz Barthel/Ralf Ruppert