Es war eine Notsituation für Marie-Luise Biedermann: Sie hatte sich den Finger gequetscht, eine blutende Wunde und musste daher schnellstmöglich zu ihrem Hausarzt. Das ist die Praxis von Dr. Martin Fitzke, die sich am Ende der Sackgasse "Blankenäcker" in Garitz befindet. Doch dort stieß sie auf ein unvorhergesehenes Problem: Parken war unmöglich. Grund sind zwei Baustellen, die an der Straße viel Platz einnehmen.

Es sollen eine Praxis und ein Wohnkomplex entstehen. Bevor die Baustellen da waren, gab es am Wendekreis der Sackgasse Parkmöglichkeiten für die Patienten und Patientinnen. Dort steht nun ein Kran. Zudem ist der von der Praxis aus komplette rechte Straßenrand abgesperrt. An den freien Stellen stehen Baustellenfahrzeuge, die ja auch irgendwo stehen müssen. Die umliegenden Straßen sind Parkverbotszonen oder von Autos der dort wohnenden zugeparkt.

Fitzke wendet sich an die Stadt

Martin Fitzke sprach diesen Missstand bei der Stadt an: "Oberbürgermeister Vogel hat sich bemüht, sich mit mir zusammengesetzt", sagt Martin Fitzke. Sie versuchten, eine Lösung zu finden. Thomas Hack, Pressesprecher der Stadt, sagt: "Um die Situation zu entspannen, hat die Stadt Bad Kissingen drei zusätzliche Stellplätze im Bereich der Straße als zeitlich befristete Stellplätze (mit Parkscheibe) für Patientinnen und Patienten der Praxis ausgewiesen." Für eine Stunde ist dort das Parken möglich.

Doch diese Lösung bestand den Praxistest nicht: Immer wieder parken Baustellenfahrzeuge dort, es stand auch schon ein Bauschuttcontainer darauf. Aus Sicht der Bauleute ist das verständlich: In der Ecke ist einfach wenig Platz und den Leuten auf dem Bau, ist nicht zumutbar, Baumaterialien und Werkzeuge über mehrere hundert Meter zu schleppen. Auf der anderen Seite stehen die, die medizinische Hilfe benötigen.

Langer Weg zur Praxis

Wie Marie-Luise Biedermann in ihrer Notsituation, als sie vergeblich einen freien Platz suchte. Alles sei voll gewesen mit Baustellenfahrzeugen, die ohne Parkscheibe dort abgestellt waren. "Daraufhin stellte ich mein Auto seitlich auf dem Bürgersteig ab. Ein Baustellenarbeiter schnauzte mich ziemlich lautstark an, den Platz sofort zu räumen. Ich musste bis zur Schönbornstraße zurück, um mein Auto dort abstellen zu können", so die Nüdlingerin - ihr Finger blutete derweil weiter.

Auf ihrem Weg zurück traf sie auf ein Ehepaar mit Gehhilfen, das sich ebenfalls bemühte, die Praxis zu erreichen. "Ich frage mich, wie es sein kann, dass bei der Baugenehmigung seitens der Stadt die Hausarztpraxis so wenig Unterstützung zur Betreuung der Patienten erfährt. Noch dazu ist die Praxis in der derzeitigen Pandemiesituation besonders wichtig und führt Impfungen durch", sagt Biedermann.

Bauen ja - aber mit Rücksicht

Sie ist unzufrieden, dass das Ordnungsamt die eingerichteten Parkplätze nicht ausreichend kontrolliert. "Erfreulich, dass neuer Wohnraum geschaffen wird. Aber bitte nicht zu Lasten der älteren teilweise gehbehinderten Patienten, oder wie beispielsweise mir in meiner Notsituation."

Martin Fitzke versteht, dass die Grundstückseigentümer dort bauen wollen. Er denkt aber auch an die Menschen, die bei ihm in medizinischer Behandlung sind. Und an seine Sprechstundenhilfen, die andauernd mit genervten Patienten und Patientinnen umgehen müssen. "Wenn es nur eine Baustelle wäre, wäre die Situation schon mal entspannter." Er vermutet, dass seine Praxis schlicht nicht bedacht wurde, als die Behörden die Bauvorhaben genehmigt hatten.

Mit Stadt im Austausch

"Im Zuge von Baumaßnahmen kommt es immer zu Verkehrsbehinderungen. Das lässt sich leider nicht vermeiden", sagt Thomas Hack von der Stadt. Diesen Herbst sollen die beiden Baustellen beendet sein. Dann werde sich die Situation nach Einschätzung der Stadt wieder entspannen. Momentan seien sie mit Martin Fitzke darüber im Austausch, in welcher Form eine Verbesserung der Park-Situation hergestellt werden könnte.

Denn die Kurzparkplatz-Lösung funktioniert nicht. "Derzeit stellen sich die Patienten in eine kleine Bucht vor meinem Auto, sie dürfen mich einparken. Aber da stehen sie im Halteverbot", sagt Fitzke. Wenn er dann das Ordnungsamt anruft, weil die Baustellenfahrzeuge die für ihn neu geschaffenen Kurzparkplätze blockieren, bekommen seine Patienten und Patientinnen ebenfalls einen Strafzettel.

Aber obwohl er immer das Ordnungsamt kontaktiert, verbessere sich nichts, klagt der Arzt. Ein gehbehinderter Patient versuchte, auf der gegenüberliegenden Seite der Baustelle sein Fahrzeug abzustellen - prompt fuhr ihm ein Lkw ins Auto, der bei der Baustelle ausparkte.

Zukunft der Praxis ungewiss

Andere parken an der Schönbornstraße und laufen, wenn sie können. "Ich bin ja auch noch eine der wenigen Praxen, die ebenerdig anfahr- und angehbar sind", sagt Fitzke. Für ältere und gehbehinderte Menschen sehr wichtig. "Ein Patient mit Gichtfuß hatte sich über eine längere Strecke hergeschleppt. Das tut einem dann schon Leid." Zwischenzeitlich war die Praxis gar nicht mehr anfahrbar und Fitzke überlegte, sie vorübergehend aus Sicherheitsgründen zu schließen.

Die gute Parksituation sei für den Arzt vor 20 Jahren ein wesentlicher Punkt gewesen, die Praxis zu übernehmen. "Sonst hatte ich fünf Plätze da, die werden danach wahrscheinlich nicht mehr für die Praxis zur Verfügung stehen". Denn die Patienten und Patientinnen der neu entstehenden Praxis bräuchten auch einen Parkplatz. Und die, die im entstehenden Wohnkomplex wohnen werden, würden die kostenfreien Parkplätze auf der Straße sicher auch gerne nutzen.

Der Mietvertrag des Mediziners läuft in zwei Jahren aus. "Ich weiß noch nicht, ob ich dann hier bleibe, ob ich die Praxis umziehe - oder gebe ich sie ganz auf und lasse mich bei meinem Kollegen in Bad Brückenau anstellen?"