Der Landkreis Tamar liegt etwa 50 Kilometer Luftlinie südöstlich von Jerusalem am Toten Meer. Obwohl die Region sich mitten in der Wüste befindet, ist sie aufgrund ihrer Lage am Toten Meer stark vom Tourismus geprägt. Felsen, Steine und Sand gibt es zuhauf, aufgrund des hohen Salzgehaltes im Boden wächst nur wenig von alleine. Einzig kleine Oasen und die Hand des Menschen sorgen für Farbtupfer und Leben.
Wie anders ist da doch das Landschaftsbild der Rhön. "Mir gefällt es hier sehr gut", meint Hezel Leserowitz, als er gemeinsam mit der 15-köpfigen Besuchergruppe durch das Naturschutzgebiet Schwarze Berge bei Oberbach wandert. Gemeinsam mit Ofra Gazit verharrt er immer wieder kurz am Wegrand und macht sich dort an den Büschen zu schaffen: Schwupps, und wieder ist eine Handvoll Himbeeren in seinem Mund verschwunden. Die wildwachsenden Früchte haben es ihnen angetan. "Die schmecken lecker", sagt Leserowitz. "Von zuhause kennen wir das gar nicht, dass etwas Essbares einfach so in der Natur wächst", sagt die im Tourismusamt von Tamar arbeitende Ofra Gazit begeistert.
Dann laufen sie weiter, immer hinter Claus Schenk her, dem Fachbetreuer im Haus der Schwarzen Berge. Seit 9 Uhr in der Früh ist die Bildungs- und Umweltdelegation aus Israel schon in der Rhön unterwegs. Erste Etappe war am Lindenstumpf bei Schondra. "Dort ging es um die Entstehung der Rhön. Ich konnte ihnen erklären, warum die Rhön heute so ausschaut, wie sie ausschaut", schildert Claus Schenk. Anschließend ging es ins Naturschutzgebiet Schwarze Berge, wo er der Gruppe anhand von Bergwiesen und Islandpferden die Rhöner Kulturlandschaft und das Thema Landschaftspflege zu vermitteln suchte.

Interesse an Nachhaltigkeit


Vor 17 Jahren hatte der Kreisjugendring (KJR) Bad Kissingen zum ersten Mal Jugendaustausche mit Tamar organisiert. 1997 wurde schließlich die Landkreis-Partnerschaft ins Leben gerufen. Seitdem finden regelmäßig wechselseitige Besuche statt. Edwin Metzler vom KJR ist seit 1999 an den Aktionen beteiligt. "Es ist wichtig, dass ein Austausch unter einem gewissem Thema steht", betont er. Bei dem aktuellen Besuch sei beispielsweise das Thema "Umweltbildung" ein Hauptanliegen. "So eine reiche Naturausstattung wie bei uns kennen die gar nicht", berichtet Schenk. In Israel habe die Landwirtschaft mit großen Problemen zu kämpfen, wie etwa der Übernutzung von Wasser. "Die Gruppe war sehr an unseren Vermarktungsstrategien interessiert", sagt er, vor allem in punkto Nachhaltigkeit. Er habe ihnen dargelegt, wie nachhaltige Landwirtschaft betrieben wird: Zum Beispiel weniger Vieh zu züchten, dieses dafür mit hochwertigem Futter zu versorgen, um im Endeffekt zwar weniger, aber besseres Fleisch zu haben.
Wie der schonende Umgang mit der Natur sich in der Praxis äußert, konnte die Gruppe beim anschließenden Mittagessen selbst erfahren. Mit Käse aus Dittlofsroda, Fisch von den Schwarzen Bergen, heimischen Säften und Bionade wolle man den Gäste aus Israel die Möglichkeit geben, "das Biosphären-Reservat Rhön nicht nur zu sehen, sondern auch zu schmecken", sagt Claus Schenk. Frisch gestärkt bricht die Gruppe in Richtung Hammelburger Musikakademie auf, wo ein Partnerschaftsabend anlässlich des 15-jährigen Bestehens der Landkreis-Partnerschaft auf dem Programm stand.