Am Pfarrhaus hängt die Deutschlandfahne. Das hat mit der Fußball-EM zu tun. Denn der Hausherr, Pfarrer Michael Kubatko, ist ein glühender Anhänger nicht nur des FC Bayern München, sondern auch der deutschen Nationalelf. Das liegt daran, dass der 34-Jährige selbst ein leidenschaftlicher Kicker ist: "Wo immer ich war, habe ich auch Fußball gespielt."

Das hat er von seinem Opa mütterlicherseits: Friedel Podschwa (†), "mein spielerisches und menschliches Vorbild , war nach dem Krieg Mitglied der polnischen Nationalmannschaft. Später spielte er für die Erste-Liga-Mannschaft des oberschlesischen Beuthen, die er auch trainiert hat.Nach der Übersiedlung in die Bundesrepublik, war Opa Friedel als Tischtennisspieler aktiv bis ins hohe Alter. Sein Bruder Christian war polnischer Tischtennis-Nationalspieler und Meister mit dem Team aus Gleiwitz.

Michael Kubatko hat als Fußballer mehrere Titel errungen. So steigt seine Elf von DJK Burghausen/Windheim von der A 3 in die Kreisklasse auf. Erst vor wenigen Tagen wurde der Pfarrer, der sich selbst einen Fußball-Freak nennt und offensiver Mittelfeldspieler ist, mit der Elf der Diözese Würzburg in Leonberg Dritter bei der Baye-rischen Klerusmeisterschaft. Michael Kubatko hatte in einem Vorrunden-Match beide Treffer erzielt. Im Halbfinale war dann nach Elfmeterschießen Schluss.

Michael Kubatko stammt aus Oberschlesien. Vielleicht sind deshalb Lukas Podolski ("weil er kämpfen kann") und Miroslav Klose ("weil er immer ackert, nie aufgibt") seine Fußball-Idole. Beide kommen aus Polen.
Schon als Kind kickte der Priester. Er erlebte mit dem TSV Volkers Höhen und Tiefen. Als er dann das Priesterseminar Würzburg besuchte, war er Mitglied der sehr erfolgreichen Seminarelf, wurde mit ihr zwei Mal bayerischer und drei Mal deutscher Meister. Einen dritten Platz errang das Team bei seiner EM in Paris. Das war 2001.
2006 wurde er zum Priester geweiht. Das Kicken ging trotzdem weiter. So zum Beispiel bei der DJK Gefäll und jetzt eben bei DJK Burghausen/Windheim. "Abwerbeversuche" der Bad Bockleter und der Aschacher gingen ins Abseits.

Außerdem ist Michael Kubatko Mitglied der Bistums- und der deutschen Nationalmannschaft der Pfarrer. "Da bin ich mit Opa gleichgezogen, jetzt bin ich auch Nationalspieler", feixt der Jeans-Träger. Demnächst treten Deutschlands Kick-Priester gegen eine Auswahl des Deutschen Bundestags an.

Für ihn ist Fußball ein körperlicher und mentaler Ausgleich für einen geistig sehr fordernden Beruf. Michael Kubatko betreut 4500 Christen in vier Pfarreien und acht Orten. Drei Mitbrüder - Armin Ammersbach, Johannes Markert und Diakon Arno Wehner - unterstützen ihn nach Kräften. Und dennoch: "Es ist ein großes Schiff, das ich da fahren muss."

In seiner "tollen" Elf fühlt sich Michael Kubatko voll anerkannt. Er hat Freude an der Bewegung, lobt die Kameradschaft: "Da ist man nicht der Pfarrer, da ist man der Mitspieler." Aber nur, wenn der Beruf es zeitlich erlaubt. Deshalb kann der 34-Jährige nicht immer mittrainieren und im Fall der Fälle ist eine Taufe immer wichtiger als ein Match. Aber dann ist der Herrgott mit dabei: "Ich bete vor jedem Spiel: Nicht, dass wir gewinnen, sondern, dass sich niemand ernstlich verletzt."

Eigentlich hatte Michael Kubatko Arzt werden und eine Familie gründen wollen. Dann aber hat er sich intensiv mit dem Glauben beschäftigt: "Da habe ich mit Gott gehadert. Aber eines Tages waren alle Zweifel weg. Ich hatte den Wunsch, Gott und den Menschen zu dienen."

Dem Fußball aber ist er treu geblieben und will es bleiben, "so lange es körperlich geht".
Und bei unserem EM-Tippspiel macht er natürlich mit.

Michael Kubatko (geboren 1977) stammt aus Gleiwitz, die Familie kam 1988 nach Bad Brückenau. Nach dem Abitur 1998 studierte er Theologie in Würzburg und Paris. Bischof Hofmann weihte ihn am 18. September 2005 zum Diakon und am 3. Juni 2006 zum Priester. Er wirkte in Untersteinach, Rauhenebrach, Amorbach und Burkardroth. Seine erste Pfarrstelle in Bad Bocklet hat er am 1. September 2010 angetreten.