Der ältere Herr lebt richtig auf. Den Film, die Feuerzangen-Bowle mit Heinz Rühmann, den kennt er noch von früher. Er hat ihn oft gesehen, bevor ihn Demenz in die emotionale und soziale Isolation getrieben hat. Jetzt erinnert sich der Senior an einst, ist wieder, wenn auch nur kurze Zeit, auch im Hier und Jetzt.

Es handelt sich nicht um ein prächtiges Lichtspieltheater wie man es kennt. Es ist ein kleines Kino, aber mit allem, was so dazu gehört: 15 knallrote Plüsch-Klappsessel, in denen man versinken kann, ein Beamer und eine zwei Meter kleine Leinwand. An den Wänden erinnern bunte Plakate an große Klassiker wie Casablanca, Frühstück bei Tiffany oder auch an Alfred Hitchcocks Vögel. Auch eine kleine Popcorn-Maschine ist da. Und Platz für einen Rollstuhl.

Es ist allerdings kein ganz normales Mini-Kino am Bad Kissinger Schlossberg. Der Pflegedienst Beer nutzt es in der Arbeit mit demenzkranken Patienten.

An Silvester hatten Antje und Konrad Beer die Idee: Denn der große Fernseher ist für manche Ältere doch nicht so gut geeignet wie ein kleines Nostalgie-Kino. Das Mobiliar dafür erstanden sie im Internet. Im Februar ging es los und die erste Zwischenbilanz fällt sehr positiv aus.

Gezeigt werden in den Beer-Lichtspielen nicht nur Film-Klassiker, sondern auch Streifen, die extra für Demenzkranke gedreht worden sind. Einer heißt "Ein Tag im Tierpark" und kommt ohne jeden Text aus. Die Handlung ist bei vielen bunten Bildern minimal. Ein- oder zweimal in der Woche, je nach Bedarf, ist Kino angesagt im umgebauten früheren Ruheraum. Denn die Demenzkranken, sagt Antje Beer, sollen nicht zu kurz kommen und möglichst viel an Lebensqualität haben.

Für die betreuten Senioren zwischen 70 und 90 eigneten sich moderne Filme nicht so sehr. Bei ihnen funktioniert das Kurzzeitgedächtnis nicht mehr richtig, wohl aber das Langzeitgedächtnis. Sie sollen sich zurückversetzt fühlen in frühere Zeiten. Und das werde in der nostalgischen Kino-Atmosphäre besser angenommen als vor dem TV.

Mit diesem besonderen Service wurde der Pflegedienst Beer nominiert für den Engagement-Preis. Den vergibt, unterstützt vom Bundesfamilienministerium, das Bündnis für Gemeinnützigkeit in sechs Kategorien, unter anderem für den Bereich Soziales. Dabei ist nur der Publikumspreis mit 10 000 Euro dotiert. Selbst bewerben kann man sich dafür nicht, Bürger können ihre "ganz persönlichen Helden" (Bündnis für Gemeinnützigkeit) vorschlagen.

Antje Beer ist examinierte Krankenschwester mit Zusatzausbildungen. Sie hat die Pflegedienst Am Schlossberg vor fünf Jahren gegründet. Seit einem Jahr gibt es auch eine Tagespflege. Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung hat ihn mit der Bestnote 1,0 bewertet.

Demenz ist ein Defizit der kognitiven, emotionalen und sozialen Fähigkeiten. Es führt zur Beeinträchtigung geistiger Funktionen und geht oft mit einer Erkrankung des Gehirns einher. Betroffen sind vor allem Kurzzeitgedächtnis, Sprache, Motorik und Denkvermögen. Sie können verloren gehen. Die häufigste und bekannteste Form der Demenz ist die Alzheimer-Krankheit.

Betroffen sind vor allem Menschen ab 80 Jahren. In Deutschland soll es derzeit 1,3 Millionen Patienten geben, für 2050 rechnet man sogar mit 2,6 Millionen. Die allermeisten sind pflegebedürftig.

Nach dem heutigen Wissensstand ist der Verlauf nur in einem sehr bescheidenen Ausmaß positiv beeinflussbar. Deshalb spielt die Prävention eine große Rolle, um die Risikofaktoren abzuschwächen. Als aussichtsreiche Strategien gelten Sport, soziales Engagement, Kontrolle des Körpergewichts, frühzeitige Behandlung von Depressionen und das Nichtrauchen. Quelle: Wikipedia ed