Andrea Schreiber ist Bankkauffrau und eher zierlich gebaut. Trotzdem kann sie ganz locker fünf Tonnen Stahl bewegen. So viel wiegt nämlich laut Heinz Schuhmann in etwa die Tür zum Tresor im Keller der Bad Brückenauer Sparkasse. "Früher kam die Sicherheit über die Masse", erklärt Schuhmann die Bauweise. Der 54-jährige Schondraer ist bei der Sparkasse Bad Kissingen in der Abteilung Bauorganisation tätig. Deshalb weiß er auch: "Heute ist alles zusätzlich alarmgesichert."
Heinz Schuhmann ist derzeit regelmäßig in Bad Brückenau, weil die Geschäftsstelle umgebaut wird. Das weckt Erinnerungen: "Ich bin seit 25 Jahren bei der Sparkasse, und Bad Brückenau war damals meine erste größere Bau-Maßnahme", berichtet der Bau-Fachmann. Bereits damals wurde in ein modernes Sicherheitskonzept investiert. "Das Gefährlichste für den Kunden ist die schusssichere Glasscheibe", sagt Schuhmann.
Hört sich erst einmal merkwürdig an, aber die Erklärung leuchtet ein: Schottet sich das Personal ab, bleiben Kriminellen nur Geiselnahmen als Druckmittel. Deshalb ist die Schalterhalle offen und frei zugänglich gestaltet.
Mit dem jetzigen Umbau kommt ein zusätzlicher Sicherheitsaspekt hinzu: Die Sparkasse richtet einen erweiterten Ein- und Auszahlservice über 24 Stunden ein. Dazu wird die Fläche zwischen Eingangstür und Schalterhalle bei der laufenden Renovierung verdoppelt, und: Zum Einsatz kommen in Zukunft Geld-Automaten, die nicht nur Geld auszahlen, sondern an denen der Kunde auch Bargeld einzahlen kann. Und: Die Automaten können das Geld gleich auf seine Echtheit prüfen und wieder in Umlauf bringen. "Bisher muss das Geld zur Landeszentralbank gebracht und dort überprüft werden", berichtet Schuhmann. Das entfällt in Zukunft, dadurch muss zum einen weniger Geld in Umlauf sein, also entfallen Transporte. Zum anderen ist auch weniger Geld in den Filialen vor Ort.
Immer mehr an Bedeutung verliert durch die dezentralen Geld-Automaten mit eingebautem Geldschrank der zentrale Tresor im Keller. Der Raum aus dem Jahr 1937 besteht ringsum aus Spezialstahl und speziell bewehrtem Beton. Schon vor Jahrzehnten wurde jede Menge Elektronik nachgerüstet. "Als die Truppentransporte früher hier noch durch die Stadt gedonnert sind, ging ständig der Alarm los", erinnert sich Schuhmann an die Zeit vor der Umgehungsstraße. Die Bewegungsmelder und Sensoren waren einfach zu empfindlich.
Welche Unikate solche alten Tresore sind, verdeutlicht Schuhmann am Neubau in Hammelburg: "Dort haben wir damals den Tresor zugeschweißt und als einziges stehen lassen, alles andere drumherum wurde abgerissen." Um den Tresorraum mit geschätzten 20 bis 30 Tonnen Stahl wurde dann das neue Gebäude gebaut. Schuhmann geht davon aus, dass das 1959 beim Neubau in Bad Brückenau genauso gemacht wurde.
Der alte Tresor-Raum wird heute ausschließlich für Kunden-Schließfächer genutzt: 360 davon sind dort untergebracht. "Der eine legt seine wichtigsten Dokumente rein, der andere Edelmetalle", kann Marktbereichsleiter Marco Dietz über den Inhalt nur spekulieren, denn: Das bleibt natürlich Kunden-Geheimnis. Für die Bank sind die Schließfächer vor allem ein Service für die Kunden: "Das ist eben einer der Unterschiede zum Internet-Banking", betont Marco Dietz.

Gründung Im Jahr 1840 wurde die Sparkasse Brückenau gegründet. Nur eine Sparkasse im Landkreis ist noch älter: 1836wird die "Spar- und Hülfskasse für den Armenpflegeschafts Bezirk Münnerstadt" gegründet. Die Aufgabe der Sparkasse ist die finanzielle Betreuung breiter Bevölkerungsschichten, vor allem sollen weniger gut bemittelte Menschen die Möglichkeit zur sicheren Geldanlage haben. Erst 1879 ruft der Magistrat der Stadt Kissingen eine eigene Städtische Sparkasse Kissingen ins Leben.
Fusionen Zum 1. Oktober 1936 wurden die Städtische Sparkasse Kissingen mit der Bezirkssparkasse zur Kreis- und Stadt-Sparkasse Bad Kissingen zusammengelegt. Im Zuge der bayerischen Gebietsreform wurde 1972 aus den Landkreisen Bad Brückenau,
Hammelburg und Bad Kissingen der heutige Bäderlandkreis Bad Kissingen. Zum 31. August 1972 wurden dann die drei selbstständigen Sparkassenin Kissingen, Bad Brückenau und Hammelburg fusioniert, seit 1976 trägt sie den Namen Sparkasse Bad Kissingen.