Höchste Zeit ist's, jetzt kurz vor der Vogel-Balz eine Revision der Nistkästen vorzunehmen", sagt der langjährige Naturschutzbeauftragte der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Bad Kissingen, Hellmut Petsch, als er auf der Streuobstwiese am Kämmer auf der Leiter steht, um einen der dort angebrachten 24 Nistkästen zu reinigen und auf Festigkeit und Katzen-Sicherheit zu überprüfen.
Hier hat er vor vielen Jahren, damals noch als Rhönklub-Natzurschutzwart, die ersten selbst gezimmerten Nisthöhlen aufgehängt und Jahr für Jahr weitere, oft geschenkte dazu gehängt.

Er fühle sich für die Nisthöhlen verantwortlich und kümmere sich nun schon seit 1981 und jetzt auch als Aktiver der Ortsgruppe Münnerstadt im Bund Naturschutz (BN) darum, dass alljährlich im Frühling genügend Brutplatz für Meisen und andere Höhlenbrüter vorhanden ist. Tage zuvor hatte er schon 22 Bruthöhlen im Jörgentorpark und 20 entlang des Wiesenwanderweges gereinigt und überprüft.

Neben dem Anbringen sei natürlich die Betreuung und Pflege während des ganzen Jahres vonnöten, betont er gegenüber unserer Zeitung und sagt, dass der Landesbund für Vogelschutz (LBV) zwar empfiehlt, alle künstlichen Brutgeräte gleich nach dem Ausfliegen der Jungvögel zu reinigen, damit das neue Nest für die zweite Brut nicht auf dem alten, oft von Vogelflöhen und Läusen besetzte und von Vogelkot verschmutzte Nest gebaut werden kann. Hin und wieder müsse er auch ältere Nistkästen reparieren oder durch neue ersetzen.

Sauberkeit ist wichtig

Nach seiner Erfahrung verbringen Vögel die Herbst- und Winternächte gern in sauberen Nisthöhlen. Das zeigen die frischen Exkremente dort, während in nicht gereinigten Bruthöhlen meist kein frischer Kot zu finden ist, sagt Petsch. Er schließe daraus, dass die Vögel lieber auf blankem Holz oder Holzbeton schlafen, als auf altem Nistmaterial. Insofern halte er die Empfehlung des LBV für richtig, sagt Petsch.

Jetzt sei er Mitte 70 und tue sich bei der Kontrolle manchmal recht schwer mit und auf der Leiter, sagt der Naturfreund. "Zwar raten unsere Experten vom BN dazu, Nistkästen nicht höher als in Kopfhöhe aufzuhängen", dann sei das Reinigen auch ohne Leiter möglich. Nur: "An vielen passenden Bäumen fehlen Äste in entsprechender Höhe." Doch lasse sich sicher immer ein brauchbarer Ort finden. Natürlich müsse man darauf achten, dass man es Katzen nicht so leicht macht, an die Jungvögel zu kommen, unterstreicht Petsch.

Jetzt hat er seine Reinigungstouren abgeschlossen. Mit Rita Ertel hat er heuer eine begeisterte Helferin gehabt. Nun sucht er einen jüngeren naturverbundenen Vogelfreund, der ihm zukünftig beim Kontrollieren der Nistkästen behilflich sein kann oder das Reinigen selbständig übernimmt. "Ich denke da eventuell auch an einen Stamm der St. Georgspfadfinder", sagt er. Er könne sich vorstellen, dass eine Gruppe unter der Führung des Stammeshäuptlings Pflege und Betreuung der Nistkästen vollverantwortlich übernimmt. "Gern wäre ich ihnen behilflich", betont er, schultert seine Leiter, um die nächste Höhle zu überprüfen.

"Das Nistmaterial verrät einiges über die Bewohner der Nisthöhlen", weiß der erfahrene Vogelfreund. Anhand von Federn, Eierschalen und Art des Nistmaterials könne man erkennen, welche Höhlenbrüterart hier ihre Jungen groß gezogen hat. Neben Blau- und Kohlmeisen, die in der Mehrzahl die Nisthäuschen bewohnen, sind es Kleiber, Spatzen und Rotkehlchen, auch einmal ein Baumläufer. Öfters hat er auch schon Spitzmäuse, Gelbhalsmäuse, gelegentlich auch einmal eine Haselmaus oder einen Siebenschläfer entdeckt, die gern den Winter in einem Kasten verschlafen.

Schon von weitem könne man sehen, wenn Hornissen ein Vogelhaus besetzt haben, sagt der passionierte Imker und ehemalige Insektenberater des Landratsamtes. Das aus allen Fugen des Häuschens überquellende Insektennest sei oft doppelt so groß wie der eigentliche Kasten. Da Hornissen unter Artenschutz stehen, ist es ratsam, die Tiere in Ruhe zu lassen, bis sie im Herbst von alleine sterben. Dann könne das Papiernest, das ohnehin nicht mehr bewohnt wird, entfernt werden, so dass die Höhle im kommenden Frühjahr wieder von Vögeln genutzt werden könne, erzählt Petsch.