"Angst vor dem Tod haben wir nicht", sagen Bettina Hehn (54) und Theresia Merz (61) von der ambulanten Hospizarbeit der Malteser. "Der Zeitpunkt ist immer falsch. Aber es gibt so viel Hilfe von außen. In Deutschland muss man nicht leiden - bei uns ist es möglich, schmerzarm zu sterben", findet Merz. Bei drei bis fünf Prozent der Sterbenden würde man allerdings die Schmerzen durch Medikamente nicht in den Griff bekommen.

Wenn jemand stirbt

Was machen sie als Hospizbegleiterinnen, wenn sie miterleben, wenn jemand stirbt? "Ich sage "Danke, dass ich dabei sein durfte". Dann macht sie erstmal gar nichts. "Ich horche und beobachte, kommt noch ein Atemzug? Und dann sage ich: Alles Gute auf deinem Weg, egal wie er ausschaut", erzählt Merz. Außerdem sieht sie auf die Uhr, um den Sterbezeitpunkt zu kennen, gibt dem Pflegepersonal Bescheid und spricht oft einen Sterbesegen.

"In der Schleusenphase", das heißt, in den Tagen zwischen Tod und Beerdigung, "sind Angehörige extrem sensibel", sagt Merz. "Es ist ein Moment, den sie nie vergessen." Deshalb ist es besonders wichtig, dass Hospizbegleiter sich "nicht wie ein Elefant im Porzellanladen aufführen". "Ein falsches Wort, eine falsche Tat, daran erinnern sich Angehörige ewig."

Merz ist eine von 52 Ehrenamtlichen der Malteser, die im Landkreis aktiv sind und sich in Gruppen in Nüdlingen, Bad Brückenau, Hammelburg und Münnerstadt organisieren. Hospizbegleiter verstehen sich als "Anwalt des Sterbenden". Sie bemühten sich, die Zeit des Sterbenden "so wertvoll wie möglich" zu machen.

Kontaktstellen im Landkreis

Neben den Maltesern begleitet auch der Hospizverein Bad Kissingen Schwerstkranke und Sterbende. Außerdem gibt es die Christian Presl-Stiftung, eine Beratungsstelle für Menschen in Trauer. Der KontaktPunkt bietet zudem Seelsorge an.

In Deutschland gibt es etwa rund 1600 Hospizvereine, sagt der Leiter der Palliativakademie des Juliusspitals in Würzburg Günter Schuhmann. Vor rund zehn Jahren sei die Zahl der Hospizvereine gestiegen, seit ein paar Jahren blieben die Zahlen stabil. "Es braucht nicht jeder Sterbende einen Hospizhelfer. Aber insgesamt bräuchte es schon mehr Hospizhelfer", sagt Schuhmann.

"Am Bett herrscht oft eine sehr entspannte, ruhige Atmosphäre", sagt Merz, die hauptberuflich in einem Handwerksbetrieb arbeitet und seit 14 Jahren Hospizhelferin ist. Bei Besuchen hört Metz zu, liest vor, spricht ein Gebet oder singt, wenn gewünscht. Mit ihrem Handy spielt sie per YouTube manchmal Marienlieder oder Orgelstücke ab. "Derjenige ist König, um den es geht, derjenige bestimmt, wohin die Richtung geht."

In ihrer Tasche befindet sich eine Ausgabe des Struwwelpeters, außerdem "Max und Moritz", Weihnachtsgeschichten, die das ganze Jahr Freude schenken, einen Sterbesegen, einen Fächer, Prospekte und Flyer zu Hospizdiensten und eine Trauerkarte, die sie den Angehörigen schreibt, wenn jemand gestorben ist. Außerdem Mundpflegestäbchen, mit denen sie die Lippen von Sterbenden betupft. Spezi, Eckes Edelkirsch oder ein Tropfen Wein wird auf die Lippen gebracht. "Was gibt es Schöneres für einen ehemaligen Winzer als mit dem Geschmack von Wein im Mund zu sterben?"

Hospizvorbereitungskurs

Am 6. Oktober beginnt ein Hospizvorbereitungskurs. Teilnehmer setzen sich zunächst ein Wochenende mit eigenen Trauererlebnissen auseinander. Sie sprechen über die Bedürfnisse von Sterbenden und Lebenden. Die Ehrenamtlichen lernen helfende Gesprächsführung. Auch Wahrheit am Sterbebett, Demenz und Trauerprozesse werden beim Kurs besprochen, der bis Mai 2020 dauert.

Kontakt zu den Maltesern: Bettina.Hehn@malteser.org; Tel.: 0971/7246-9422