Hightech? Fehlanzeige, winkt ein gut gelaunter Jörg Bohnsack grinsend ab. "Nintendos und Handys werden gleich zu Beginn von den Betreuern eingesammelt", erklärt der Lagerleiter der Abenteuerfreizeit der DJK-Sportjugend. Ein Sommercamp am Volkers berg geht anders. Für Beschäftigung sorgt die reale, nicht die digitale Welt. Als Spielgerät wird alles eingesetzt, was greifbar ist und sich irgendwie spaßbringend verwenden lässt. Kugelschreiber, Wasserflaschen, Suppenkellen, Bierbänke, Papierrollen. "Die Betreuer denken sich die Spiele selbst aus. Es wird großer Wert auf Kreativität gelegt", sagt Bohnsack.

Neun Stationen


Immer in der ersten Woche der Sommerferien belegt die DJK-Sportjugend des Diözesanverbandes Würzburg das Bungalowdorf am Volkersberg für ihr alljährliches Sommercamp. Noch ist die Woche jung - und 72 Kinder aus Mainfranken sind voller Elan und Begeisterung bei der gerade stattfindenden Lagerolympiade dabei. "Die Spiele sind total cool. Am besten hat mir das ,Fischeier retten' gefallen", sagt Kai Rapps aus Urspringen bei Marktheidenfeld. Neun Stationen mit verschiedenen Geschicklichkeitsspielen müssen absolviert werden, als Belohnung winkt eine Urkunde.

"Plankenputzen"


Mittlerweile ist Kai an der vierten Station angelangt: "Plankenputzen" heißt es für ihn.
Möglichst schnell muss er einen Schrubber im Slalom durch mehrere in einer Reihe aufgestellte Becher bugsieren, ohne die Becher zu berühren. Sorgfältig bewegt er den Schrubber und stößt dennoch einen Becher um. "Da bin ich mit meinen Fuß dagegen gekommen", sagt er. Macht aber nichts, denn es kommen ja noch fünf weitere Spiele.

Tauchschnupperkurs


An anderer Stelle bemüht sich Richard Leitschuh aus Frankenbrunn darum, die "Fischeier" zu retten. "Richie" visiert die beiden Papprollen auf der anderen Seite der Bierbank an, durch die er fünf Golfbälle hindurch rollen soll. Ball um Ball schickt der 13-Jährige auf die Reise. Immerhin zwei Fischeier passieren die Rollen und fallen in das rettende Planschbecken. Nora Schön (10 Jahre) hat gerade ihre letzte Station absolviert und zeigt stolz ihre gelbe Olympiakarte, auf der alle Ergebnisse notiert wurden. "Die Spiele haben Spaß gemacht, aber jetzt habe ich Freizeit", freut sie sich.
Die Woche wird actionreich für die Kinder weitergehen. "Highlight der Woche ist ein Besuch in der Sinnflut mit Tauchschnupperkurs", sagt Jörg Bohnsack, der bereits zum elften Mal als Betreuer und zum neunten Mal als Lagerleiter mit der DJK-Sportjugend am Volkers-berg nächtigt. Nicht umsonst lautet das Motto der Abenteuerfreizeit in diesem Jahr "U-Boot Volkersberg - Wir tauchen ab".

"Wiederholungstäter"


"Viele der Kinder, wie beispielsweise unser Richie, sind Wiederholungstäter", weiß Jörg Bohnsack zu berichten. Einmal dabei, kämen viele jedes Jahr wieder. Seiner Ansicht nach ist die Mischung aus dem guten Miteinander, dem Spaß, aber auch der nötigen Ernsthaftigkeit für den dauerhaften Erfolg des Programms ausschlaggebend. "Wir haben kontinuierlich zwischen 70 und 95 Anmeldungen", sagt er.
Dauerhaft ist das richtige Stichwort, denn die Kinder nehmen einige Erfahrungen fürs Leben mit nach Hause; das eigene Zimmer sauber zu halten zum Beispiel. "Sie lernen, eine Woche selbstständig hier zu leben. Außerdem bleiben viele auch über das Lager hinaus miteinander in Kontakt und werden Brieffreunde", erzählt Bohnsack. Einige Eltern scherzen hinterher, dass sie ihre Kinder gar nicht wiedererkennen würden. "Die Eltern sagen dann immer: Mein Kind räumt freiwillig auf. Wie habt ihr denn das gemacht?", sagt Bohnsack und lächelt. Die Mischung macht's.