Wenn es um die Fastenzeit geht, geht es oft darum: kein Alkohol, kein Fleisch, kein Süßes. Doch dieses Jahr bietet die Möglichkeit, über den Begriff des Verzichtes hinauszugehen. Denn nach einem Jahr Corona haben viele es satt, weiter zu verzichten. Ist das überhaupt eine gute Idee?

Pfarrer Paul Greier von der Pfarrgemeinschaft Bad Kissingen findet es wichtig, die Haltung Jesu zu interpretieren. Die Fastenzeit nur mit Verzicht zu definieren, sei viel zu kurzgefasst. "Es geht darum, anders zu werden. Das Ziel der Fastenzeit ist Ostern. Und an Ostern feiern wir das Leben, dass Liebe stärker ist als Hass und Freude stärker als Leid", sagt der Pfarrer.

Es sei eine gute Zeit zum Nachdenken, nachdem wir im vergangenen Jahr auf so viel verzichtet haben. Es gehe weniger darum, noch eine neue Last aufzunehmen. "Vielleicht können wir jetzt noch mal darüber nachdenken: Was können wir lernen aus dieser Krise, was könnte anders laufen?", sagt Greier.

Dem Alltag mehr Raum geben

"Was mir aufgefallen ist: Was viele vermisst haben, sind die Begegnungen im echten Leben, abseits von WhatsApp, Videochat oder Telefonaten." Warum gebe man dem Alltag also nicht mehr Raum? Oft sei alles andere wichtiger als der Besuch von Freunden. "Wir könnten uns fragen: Was hat mir in dieser Zeit am meisten gefehlt, wem oder was gebe ich später wieder mehr Zeit?

Ihm falle jedoch auf, dass wir in dieser Zeit viel auf hohem Niveau jammern. "Wir könnten einmal auf das Jammern verzichten und das schätzen, was wir haben", sagt Greier. Es sei eine gute Zeit, um die Perspektive zu wechseln - und an Menschen denken, die sehr wenig haben. Aber auch, mal einen blöden Kommentar zu unterlassen und den Umgang miteinander zu überdenken.

Veränderung bewirken

Pfarrer Thomas Eschenbacher aus der Pfarrei Hammelburg denkt ähnlich. Er findet die kommende Zeit eine gute, um wieder Kraft zu tanken, um Mut zu fassen. Und daraus Veränderung wachsen zu lassen: "Es wäre fatal, wenn am Ende alles wieder so ist, wie vorher", sagt er. Es ergebe Sinn, sich auf die wichtigen Fragen zu konzentrieren, die in diesem Jahr mehr oder weniger deutlich wurden: "Was spielt Glaube für eine Rolle? Welche Grenzen hat der Mensch? Was sind die wichtigen Fragen?" Die Krise habe gezeigt: "Das ganze Leben funktioniert nur, wenn wir alle solidarisch zueinander sind. Geht es, dass wir es dahin schaffen?"

Fastenzeit sei nicht, Diätpläne zu verfolgen, nicht nur ab- und wegnehmen, sondern im bildlichen Sinne auch, etwas zu sich hinzuzunehmen. Erkenntnis zu sich zu nehmen. "Wenn man etwas anschaut, wie man es immer anschaut, bringt das nichts", sagt der Pfarrer. Jesus sei durch die Wüste gegangen und habe alles hinter sich gelassen. Doch auch er habe sich ernähren müssen.

Vom Luxus befreien

"Ich kann dem Körper nicht alles abnehmen, ich muss ihm auch etwas zuführen. Ich muss den Körper betrachten und mir die Frage stellen, was brauche ich eigentlich?" Doch genauso wichtig sei es, Überflüssiges zu erkennen, sich befreien vom Luxus. Das mache das Leben in gewisser Weise angenehmer. "Es ist wichtig, auf das Wesentliche zu achten. Wann nehmen wir uns wirklich noch dafür die Zeit?"

Pfarrer Eschenbachers Tipp für die Zeit vor uns ist so bekannt wie bedeutsam: "Es ist wichtig, auf die kleinen Dinge des Lebens zu achten." Er beispielsweise hatte beim Spazierengang ein Reh gesehen, unweit von ihm entfernt. Das zähle ebenfalls zu diesen Kleinigkeiten wie eine Begegnung zweier Menschen, die sich schon lange nicht mehr getroffen haben oder einem schönen Ausblick.

"Das alles ist Teil unseres Lebens, unserer Schöpfung und etwas, was man nicht kaufen kann. Es ist unbezahlbar." Wer die kleinen Momente der Freude wertschätze, dem falle es viel leichter, sich wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Dinge bewusst wahrnehmen

Auch Pfarrer Hans Thurn von der Pfarreigemeinschaft Bad Brückenau betrachtet die kommende Fastenzeit nicht als eine Zeit des weiteren Verzichtes, sondern: "Vielleicht haben uns die letzten Wochen hellhörig gemacht, was wichtig ist." Darauf gelte es, sich zu besinnen. Dinge bewusst wahrzunehmen. "Ich begebe mich selbst auf einer Reise, so eine Fastenzeit hatte auch ich noch nicht."

Doch er blickt mit Zuversicht in die Zukunft: "Wichtig ist, die Fastenzeit hat ein klares Ziel: die Osterzeit. Und das tut sicher auch gut."