Seit 120 Jahren besteht der von Valentin Weidner gestaltete Kreuzweg am Stationsberg. Sie ist am Karfreitag die Kissinger "Via Dolorosa", die an das Leiden und Sterben Jesu erinnern soll. Es war ein steiniger Weg, an den im Rahmen des Familien-Kreuzweg mit der Aufnahme von Steinen erinnert werden sollte. So bat Eva-Maria Petrik zu Beginn alle Teilnehmer, die der Einladung der Pfarreiengemeinschaft "Jesus-Quelle des Lebens" gefolgt waren, einen Stein aufzunehmen.
Ihre einleitenden Worte an der ersten Station verwiesen auf das Motto "Der Stein des Anstoßes - bringt Steine ins Rollen", der schon in Alten Testament erwähnt worden sei und den man heute immer noch spüre. Als Symbol für die Last und die Schuld, die sich Menschen aufladen, wurde an jeder Station ein Stein in den Querbalken des Kreuzes gelegt, das dadurch im schwerer wurde.

Kinder trugen das Kreuz


An jeder Station hatte das Organisationsteam Monika Hufnagel und Eva-Maria Petrik Jemanden eingeteilt, der nicht nur den Leidensweg Jesu erklärte, sondern auch die 30 Kinder, Kommunionkinder und Firmlinge um sich scharte. So wurde die 2000 Jahre alte Geschichte zum Teil von den Kinder erzählt, von Gebeten und Liedern begleitet, und im Wechsel trugen die Kinder das schlichte Holzkreuz den Berg hinauf.
In den Textbeiträgen wurde immer wieder der Bezug zum aktuellen Leben hergestellt, das dem damalige nicht so fern sei. Auch heute gebe es mitten unter uns noch Menschen wie Pontius Pilatus, den Simon von Cyrene, die Schriftgelehrten und Hohepriester sowie Maria Magdalena.
Für Eva-Maria Petrik, die den Familienkreuzweg ungefähr 15 Jahre organisiert und sich vor drei Jahren zurückgezogen hatte, war es wichtig, dass "man nicht in der Kirche die Stationen absolviert, sondern wirklich zum Stationsberg gehen kann." Es sei schon ein ganz anderes Erleben, wenn man die in Stein gehauenen Szenen zum Leidensweg Jesu Christi betrachten könne.
An der Kreuzigungsgruppe, der 12. Station, spielten die Steine aus dem Querbalken eine ganz besondere Rolle, denn sie wurden zu "Hilfen für unsere Alltags-Tritte" umgedeutet. An der 14. Station - der Einbettung des Leichnams Jesu in ein Felsengrab - endete den Kreuzweg.

Geschichte des Kissinger Kreuzwegs


Im Jahr 1758 erfolgte die Genehmigung durch "Das Hohe Ordinariat" zu Errichtung eines Kreuzweges; die Stationen des Kreuzweges, der ursprünglich - damals noch außerhalb der Stadt - am heutigen Bad Kissinger Kurtheater begann. In der Anfangszeit fanden zwei Prozessionen am Kreuzweg statt. Im Laufe des 19. Jahrhunderts führte ein Desinteresse der Gläubigen an den Prozessionen zu einem Verfall der Kreuzwegstationen. Man schlug vor, den Kreuzweg an einem freien Platz vor der neu erbauten Herz-Jesu-Kirche zu verlegen; stattdessen bekam der Kreuzweg seinen neuen Standort hinter der Kirche.Im Jahr 1892 wurden die Stationen an den heutigen Bad Kissinger Stadtteil Poppenroth. Der Bildhauer Valentin Weidner wurde beauftragt, einen neuen Kreuzweg für Bad Kissingen »künstlerisch auszuführen«. Einer Theorie zufolge soll Valentin Weinder sich in der 14. Station in der Person des Nikodemus oder des Josef von Arimathäa selbst porträtiert haben, doch spricht das Alter beider Dargestellten gegen diese Theorie, da Weidner bei Erstellung des Kreuzweges erst 45 Jahre alt war.
Der Kreuzweg sollte eine Nachahmung der "Via Dolorosa" sein und wurde oft als Stationsweg vor Wallfahrtskirchen angelegt. Um das 16. Jahrhundert herum wurde bebilderte Stationen angelegt, die später durch Skulpturen bzw. Reliefs ersetzt worden sind - in Kirchen sind meist noch die bebilderten Stationen zu sehen. Die Stationen beginnen meist mit der Verurteilung Jesu zum Tode durch Pontius Pilatus und enden mit der Grablegung durch Josef aus Arimathäa, einem Jünger Jesu. Dazwischen wird die Kreuzaufnahme, die Stürze, die Begegnung mit der Mutter Maria, die Hilfe von Siimon von Cyrene, das Schweißtuch von Veronika, die Begegnung mit den weinenden Frauen, die Kreuzigung, der Tod am Kreuz sowie die Abnahme Jesu vom Kreuz und die Übergabe an seine Mutter dargestellt.