Schauen sich Ärzte Krankenhausserien wie Emergency Room, Scrubs und Grey's Anatomy im Fernsehen an? Oder doch lieber deutsche Klassiker wie die Schwarzwaldklinik? "Die amerikanischen Serien schaue ich schon gerne", erzählt Nina Harke, Urologin an der Missionsärztlichen Klinik in Würzburg. Emergency Room beispielsweise finde sie medizinisch gut recherchiert. Grey's Anatomy sei zwar fachlich ungenau, aber trotzdem spannend. "Das darf man sich halt nicht als Ärztin ansehen", da müsse man abschalten, führt die junge Medizinerin im Plauderton aus.
Abschalten ist das Zauberwort. Wenn sie nach einem langen Tag aus der Klinik nach Hause komme, werde zunächst schnell etwas gekocht und dann gehe es ab auf die Couch: wahlweise zum Fernsehen oder Lesen. "Da habe ich dann aber auf Kafka oder ähnliches keine Lust mehr", sagt die 30-jährige gebürtige Bad Brückenauerin. Zum Entspannen lese sie lieber einen spannenden Roman auf ihrem Tablet-PC. Allerdings ist ihr Tablet-PC für sie auch ein wichtiges Utensil, mit dem sie die neueste Forschungsliteratur durcharbeitet.
"Ich bin jemand, der auf ein Ziel hinarbeitet", beschreibt sich Nina Harke selbst. Mit dem Lernen habe sie nie ein Problem gehabt, solange sie ein Ziel vor Augen hatte. Sie sei nie eine besonders gute Schülerin gewesen, hatte meist durchschnittliche Noten. Erst für das Abitur, mit Wunsch später Medizin zu studieren, habe sie so richtig mit dem Lernen angefangen. 2001 bestand sie die Abiturprüfungen am Franz-Miltenberger-Gymnasium als Klassenbeste. Die Forschungsarbeit liegt der jungen Frau. Für die wissenschaftlichen Erkenntnisse, die sie im Rahmen ihrer Doktorarbeit am Lehrstuhl für Anatomie erlangte, wurde sie unlängst mit zwei Preisen ausgezeichnet: Nina Harke erhielt den "Promotionspreis der Universität Würzburg" und den "Preis aus dem Nachlass von Klug und Sichler".
Fünf Jahre habe sie für ihre Promotion benötigt. Nina Harke untersuchte die Wirkung von Kortison auf die so genannte Blut-Hirn-Schranke, also eine Barriere zwischen Gefäßen und Gewebe des Gehirns.Wenn sich Entzündungen oder Tumore im Gehirn bilden, sammelt sich oft Wasser in dem umliegenden Gewebe an. Hierbei kommt Kortison als Therapie zum Einsatz. Allerdings ist das Medikament, insbesondere in größeren Mengen, mit vielen Nebenwirkungen behaftet. Nina Harke fand heraus, wie das Kortison die Gefäße im Gehirn gewissermaßen "abdichtet" und somit Wasseransammlungen im Gewebe behindert. Wie sie erläutert, sei es so theoretisch möglich, wirkungsvolle Medikamente mit weniger Nebenwirkungen zu entwickeln.
"Die Promotion ist eigentlich nebenher gelaufen", sagt sie heute. Deshalb habe es etwas länger gedauert. In der Zeit von 2004 bis 2009 absolvierte sie rund eineinhalb Jahre lang diverse Praktika in Deutschland, Kanada, den Vereinigten Staaten und der Schweiz und lernte unterschiedliche Abteilungen kennen: Innere Medizin, Notfallmedizin, Chirurgie, Urologie. "Die Innere Medizin war nichts für mich", schildert sie rückblickend. Dafür habe sie umso mehr ihre Liebe für operatives Arbeiten entdeckt.
Im September 2008 trat sie eine Stelle als Assistenzärztin in der Urologie der Missionsärztlichen Klinik in Würzburg an, mit der sie äußerst zufrieden sei. Hier ist sie mittlerweile wieder in die klinische Forschung eingebunden. Sie untersucht aktuell unter anderem neue Operationsmethoden an der Niere mit OP-Robotern.
Im Rahmen dieser Forschung kommt die Medizinerin viel herum: Im Mai nahm sie - noch als Zuhörerin - bei einem Kongress in den USA teil. Im September werde sie auf einer Tagung der Deutschen Gesellschaft für Urologie selbst einen Vortrag halten. Da trifft es sich, dass Reisen neben dem Mountainbiken eines ihrer Hobbys ist: "New York ist die coolste, Montreal die schönste Stadt der Welt", schwärmt sie vor allem von Nordamerika. Bei allem Fernweh ziehe es sie aber auch zu Besuch in die Rhön, zurück in ihr Elternhaus in Schondra.

Kurzbiografie


Nina Harke wurde 1982 in Bad Brückenau geboren und wuchs zunächst in Stangenroth auf. Weil ihr Vater Berufssoldat ist, zog die Familie in ihrer frühen Kindheit häufig um (u. a. Diez, Aachen, Simmersfeld) und in den 90ern wieder zurück nach Schondra. Nina Harke besuchte das Franz-Miltenberger-Gymnasium, legte 2001 ihr Abitur ab und begann im Anschluss ihr Medizinstudium in Würzburg. 2004 erhielt sie ein Begabten-Stipendium der Friedrich-Ebert-Stiftung. 2008 approbierte sie zur Ärztin und trat eine Stelle als Urologin in der Würzburger Missio an.