Mehr als 90 Tage lebt der herzkranke Rene Wolf aus Fuchsstadt mit seiner Mutter Silvia schon in Barcelona. Eine Zeit emotionaler Höhen und Tiefen und der Beschäftigung mit diversen Behörden. Nun die wunderbare Nachricht: Rene steht seit Freitag, 22. Februar, auf der spanischen Transplantationswarteliste. In Spanien ist die Spendersituation deutlich besser als in Deutschland, wo Renes Chancen auf ein neues Herz gegen Null gehen.

Der Weg dorthin war kein leichter. Barcelona gehört zu den drei meistbesuchten Städten Europas. Mehr als sieben Millionen ausländische Touristen durchstreifen die Hauptstadt der spanischen Region Katalonien jährlich. Als Touristen sind Silvia Wolf und ihr sechsjähriger Sohn Rene wahrlich nicht gekommen. Und Zeit, die Schönheiten der zweitgrößten Metropole Spaniens zu genießen, blieb ihnen kaum.

Behördengänge sind schwierig

Vielmehr waren die ersten drei Monate in der fremden Umgebung fast täglich geprägt durch bürokratische Gänge, meist begleitet von einem Dolmetscher. Ein kleiner Auszug der besuchten Behörden: Einwohnermeldeamt, spanische Nationalpolizei, spanische gesetzliche Krankenkasse, Notar und andere.

Silvia Wolf musste neben den üblichen Dokumenten wie der Anmeldebescheinigung weitere Dokumente organisieren, die bei den ersten Besuchen verschiedener Institutionen nicht verlangt wurden. Beispielsweise benötigte Rene eine NIE-Nummer, eine Ausländeridentifikationsnummer. Die wird in der Regel in Spanien erst mit Beginn der Schulpflicht verlangt.

Außerdem musste die Mutter für Rene eine ins Spanische übersetzte Geburtsurkunde vorweisen, wie weitere Dokumente von einem spanischen Notar beglaubigt. "Da es in Spanien üblich ist, für fast jede Institution einen Termin zu bekommen, was jeweils circa zwei Wochen Wartezeit bedeutet, und manche Dokumente nur eine gewisse Gültigkeitsdauer behalten, diese aber wiederum einander bedingen, gestaltete sich die Organisation der verschiedenen Dokumente teilweise sehr schwierig", schreibt Silvia Wolf aus Barcelona. So stelle die spanische gesetzliche Krankenkasse wohl ein Formular und eine Krankenversicherungs-Nummer aus. Die endgültige Krankenversicherungskarte erhalte man aber vom CAP, einer Organisation, die man in etwa einer Arzt- und Dokumentvermittlungsstelle gleichsetzen könne.

Spanische Ärzte untersuchen Rene

Neben der bürokratischen musste Rene eine weitere große Hürde überwinden: die gesundheitliche. Das Kernproblem: Eignet sich der Sechsjährige aus Sicht spanischer Ärzte überhaupt für eine Herztransplantation?

Nach diversen Besuchen bei Kinderarzt, Kinderkardiologe und in der Transplantationsklinik kann Silvia Wolf verkünden: "Die spanischen Ärzte waren sich nach verschiedenen medizinischen Untersuchungen einig - wie auch die deutschen Ärzte - dass Rene nach einer über vierjährigen Wartezeit bei "Eurotransplant", verschiedenen medizinischen Eingriffen und der Höchstdosis an Medikamenten "austherapiert" ist und eine Transplantation für ihn die einzige Möglichkeit ist, dem sechsjährigen Jungen Leben zu ermöglichen."

Als Risikofaktor und Ausschlusskriterium für eine Transplantation hätten zu viele Vernarbungen an Renes Herz gelten können. Vertreter der Fachrichtungen Chirurgie, Kardiologie und Anästhesie bestätigten die vielen Narben zwar. Dennoch bestehe die Möglichkeit, ein "neues" Organ an "Renes körpereigene Herzanschlüsse" zu verbinden. Ein Glücksfall.

Warten auf den erlösenden Anruf

Jetzt, wo der kleine Fuchsstädter auf der Warteliste steht, könnte es ganz schnell gehen. "Wenn für Rene ein geeignetes Herz gefunden wurde und das Transplantationsklinikum anruft, müssen die Beiden innerhalb der nächsten zwei Stunden in der spanischen Klinik sein", heißt es vom Hilfsnetzwerk "Rene will Leben", dessen Mitglieder für die Familie den gleichnamigen Social-Media-Auftritt gestalten. Für den Jungen und seine Angehörigen bedeute das nun: warten auf den ersehnten Anruf.

Immerhin: Nach Überspringen der bürokratischen Hürden kommt für Silvia und Rene Wolf eine Zeit des Durchschnaufens, "die Zeit, sich die vielen schönen Dinge in ihrem neuen Wohnort anzuschauen und Kraft zu sammeln für zukünftige Schritte", so die Mutter. Erste Kontakte seien geknüpft, beispielsweise zur deutschsprachigen katholischen Kirche in Barcelona.