Über die Frage, was sie am liebsten im Hort spielen, überlegen Matthias (7) und Richard (8) keine Sekunde: "Kicker" schallt es fast gleichzeitig. Die beiden gehen in die 2. Klasse der Bad Brückenauer Grundschule. Wären sie ein Jahr jünger, hätten sie zwar die Möglichkeit, die Ganztagsklasse zu besuchen, könnten aber als Halbtagsschüler nicht in den Hort. Der ist nämlich ein Auslaufmodell: Jedes Jahr ist er für einen Jahrgang weniger vorgesehen - eigentlich, denn es regt sich Widerstand.

"Ungefähr seit 2007 gibt es den Hort in der Grundschule", berichtet Alexandra Wirth. Sie ist eine der derzeit drei Erzieherinnen, die sich zwischen 11 und 15.30 Uhr um die Schulkinder kümmert. Kinder, die noch länger betreut werden sollen, können anschließend noch bis 16.30 Uhr mit rüber in den Kindergarten. "Angefangen haben wir mit etwa zehn Kindern im Kindergarten", erinnert sich Alexandra Wirth.
Und: "Der Bedarf ist von Jahr zu Jahr gestiegen." Im vergangenen Schuljahr waren rund 50 Kinder aus den Jahrgangsstufen 1 bis 4 angemeldet. Vier Erzieherinnen teilten sich die Betreuung.

Dann kam der Knick für das Erfolgsmodell, weil es seit September etwas Neues gibt: Eine der drei 1. Klassen wurde zur Ganztagsklasse. 17 Kinder werden darin von Montag bis Donnerstag von 8 bis 16 Uhr unterrichtet. Etwa um die gleiche Zahl hat sich die Zahl der Hortkinder verringert: 32 sind es heuer laut Stadtverwaltung. Deshalb fiel bereits die erste Erzieherinnen-Stelle weg.

Weitere Änderung zum Schuljahresbeginn war der Umzug in neue Räume: Bislang war der Hort im Altbau untergebracht. Der wurde aber im Herbst abgerissen. Nun stehen zwei Räume neben der Turnhalle zur Verfügung, zudem können die Hort-Kinder zwei Klassenzimmer nutzen, um dort Hausaufgaben zu erledigen. "Mathe mache ich am liebsten", sagt Richard. Matthias hat die gleiche Vorliebe und ergänzt: "Ich mache meine Hausaufgaben immer komplett hier."

"Aber die Endkontrolle liegt bei den Eltern", betont Erzieherin Alexandra Wirth, dass ein Teil der Verantwortung im Elternhaus bleibt. Auch Aufgaben wie Gedichte-lernen müssten die Mütter und Väter erledigen. Schließlich soll den 32 Kindern im Hort auch noch Zeit zum Spielen bleiben: Kicker, Dart, Brettspiele, eine Bauecke und ein Puppenhaus stehen zur Verfügung. "Hier haben wir auch noch eine Kuschelecke zum Ausruhen", erzählt Wirth.
Dieses Angebot zu erhalten, ist das erklärte Ziel zahlreicher Eltern: "Wenn man sein Kind für die Ganztagsklasse anmeldet, dann besteht Schulpflicht bis 16 Uhr", nennt Wolfgang Weller als Hauptargument. Weller ist Vorsitzender des Elternbeirats der Grundschule. Mit Elternbeiräten aus den Kindergärten hat er eine Initiative gestartet: Eltern sollten melden, ob sie den Hort gerne nutzen würden. "Wir haben schon jede Menge Unterschriften", sagt er.

"Die Bürgermeisterin steht der Sache offen gegenüber", berichtet Weller von einem Gespräch im Rathaus. Aber: "Es muss auf jeden Fall die Ganztagesklasse erhalten werden", lautet die Botschaft von Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU). Sie verweist auch auf soziale Aspekte von kostenlosen Ganztagsangeboten in der Grundschule. Und Weller stimmt zu: "Auch wir wollen nicht, dass die Ganztagsklasse gefährdet ist." Das heißt konkret: 15 Kinder pro Jahrgang müssen sich für die Ganztagsklasse anmelden. Würden also aus der aktuellen 1. Ganztagsklasse mehr als zwei Schüler aussteigen, würde der Hort nicht für die 2. Klasse im kommenden Jahr angeboten. Es kann also passieren, dass für jeden Jahrgang anders entschieden wird.

Das zweite große Problem ist das Geld: Zumindest die Kosten für die Erzieherinnen sollen komplett umgelegt werden. "Die Zusatzangebote würden wir trotzdem in Zukunft übernehmen, so wie wir ja auch die Differenz beim Mittagessen draufzahlen", betont Meyerdierks, dass die Stadt nach wie vor ihren Beitrag leistet.
Trotzdem müssten sich die Beiträge im Schnitt mehr als verdoppeln: Für bis zu zwei Stunden Betreuung täglich würden die monatlichen Gebühren von jetzt 54 auf 97 Euro steigen, für bis zu drei Stunden von 62 auf 125 und für bis zu vier Stunden von 71 auf 153 Euro. Das alles ist laut Meyerdierks allerdings vorerst nur ein Vorschlag der Verwaltung. In den kommenden Woche will die Bürgermeisterin zunächst mit den Leiterinnen und Elternbeiräten der Kindergärten sprechen. Dann kommt das Thema in die übernächste Stadtratssitzung. Schließlich gehe es um Haushaltsmittel. In der nächsten Stadtratssitzung am Dienstag, 29. Januar, wird zunächst über die Sanierung der Räume entschieden, denn: Die Klassenzimmer im Turnhallen-Trakt sind nach dem Abriss des Altbaus die ältesten Zimmer in der Bad Brückenauer Grundschule. "Vor allem der Schallschutz ist ein Problem", sagt Erzieherin Alexandra Wirth.

Bürgermeisterin Meyerdierks geht davon aus, dass sowohl baulich, als auch beim Erhalt des Hortes eine Lösung gefunden wird, wenn die Eltern einen entsprechenden Bedarf anmelden: "Schließlich wollen wir ja alle, dass Bad Brückenau eine familienfreundliche Stadt ist."