Trimberg
Herausforderung

Eiskalter Adrenalin-Kick: 18-Jähriger badet in der Saale - "Du meinst, du hast zehn Tassen Kaffee getrunken"

Ein ganz besonderes Kälte-Training absolviert Eike Korff schon seit einigen Wochen. Der 18-Jährige nimmt ein Bad in der eiskalten Saale.
 
Nur wenige Minuten dauert das Bad.
Nur wenige Minuten dauert das Bad. Foto: Peter Seufert
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Meistens ist es so zwischen neun und zehn Uhr am Morgen. Ein junger Bursche, nur bekleidet mit einem Bademantel und an den Füßen Bade-Clogs, läuft von der Burgstraße in den "Hahn-Gassen-Weg", einen alten Pfad zu den Saalewiesen mit dem Ziel Fränkische Saale in der Nähe von Flusskilometer 44. Und dies bereits seit viereinhalb Wochen. Er will eintauchen in das kalte oder eisige Nass des Flusses.

Beim Surfen im Internet auf den YouTube Kanal stieß er auf "Wim Hof", einen niederländischen Extremsportler, der durch spezielle Atemtechnik und Meditation extremer Kälte trotzt und sich dabei eine bessere Gesundheit verspricht. Ob dies stimmt, will Eike Korff aus Trimberg wissen, indem er einen Selbstversuch startete.

Bad in der eiskalten Saale: Beim ersten Mal "nur zehn Sekunden ausgehalten"

Dabei beherzigt er die drei vorgeschlagenen Methoden: Meditation, bewusste Atmung und Kältetraining. Bevor er bei jedem Wetter - es hatte schon mal minus sechs Grad im Freien - in die Saale steigt, praktiziert der Jugend-Tennisspieler des TC 69 Hammelburg eine elfminütige, bewusste Atemübung mit Luftanhalten, starkem Ein- und Ausatmen. Dann kommt der gewagte Teil.

Nur noch mit einer kurzen Hose bekleidet, steigt Eike über eine Pool-ähnliche Einstiegstreppe, die ein versierter Trimberger Handwerker gekonnt ans Saaleufer montiert hat, ins Wasser, in das man nicht mal einen Hund schicken wollte. Ganz langsam, erst mal mit den Füßen, dann mit den Unterschenkeln, den Oberschenkeln, den Oberkörper, schließlich bis zum Hals.

Bei der Premiere, so der 18-jährige, schlanke Sportler mit langen Haaren, "habe ich es nur zehn Sekunden ausgehalten und es hat an den Mannesmerkmalen weh getan". Inzwischen dauert die Wasser-Kur zwei Minuten bis zwei Minuten und vierzig Sekunden. Länger als zwei Minuten, so Eike, bringt nichts.

Biber und erstaunte Fußgänger als Zuschauer

Die Zeit wird immer von einer Begleitperson vom Ufer aus vorgesagt, die als Sicherheit nicht fehlen darf. "Da muss sich schon mal Vater, Mutter oder ein Kumpel erbarmen, je nachdem wer Zeit hat", so der Gymnasiast.

Nach dem Bad im Fluss heißt die Devise schnell abtrocknen und wieder rein in den Bademantel und den Latschen und den dreiminütigen Heimmarsch antreten. Auf die Frage nach merkwürdigen Begegnungen meint Eike nur: "Den Biber habe ich schon gesehen und auf der anderen Uferseite haben Spaziergänger angehalten und mir erstaunt zugesehen." Ob seine Tauchgänge mit dem Hausarzt abgesprochen sind? Eike wollte mal fragen. Aber als er hingegangen ist, war die Praxis zu. Hineinspringen in die eiseskalte Saale will Eike nicht. Dazu bräuchte er eine ärztliche Untersuchung mit einem EKG, denn die Schockwirkung auf den Körper beim Springen ins kalte Nass ist schon enorm und könnte zu gefährlich sein. Zu Hause wartet dann das "homeschooling" mit der Videokonferenz des Gymnasiums. Was noch fehlt, ist die Meditation. Die wird im Freien - so wie es der Zeitplan ermöglicht - auch fast nackt im Schneidersitz auf der Terrasse für 15 Minuten zelebriert.

Auf die Frage was das Ganze bringt, mein Eike überzeugt, dass er seit seiner ungewöhnlichen Aktivität viel wacher, konzentrierter und focussierter ist, früher aufsteht und meint, sein Immunsystem zu stärken. "Du meinst, du hast zehn Tassen Kaffee getrunken, so einen Adrenalin-Stoß verspürst du."