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Hammelburg
Sanierung

Einst eine Flaniermeile

Die Hammelburger Bahnhofstraße erwacht bald aus dem Dornröschenschlaf. Jetzt beginnt der Ausbau mit dem ersten Abschnitt ab Marktplatz. Einige Denkmäler stehen hier.
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Das Foto ist von etwa 1920. Der Standort Niedertor. Rechts das rituelle Tauchbad "Mikwe" der jüdischen Gemeinde. Babett Heim bewohnte mit ihren drei Kindern die winzige Behausung.  Foto: Archiv Josef Kirchner
Das Foto ist von etwa 1920. Der Standort Niedertor. Rechts das rituelle Tauchbad "Mikwe" der jüdischen Gemeinde. Babett Heim bewohnte mit ihren drei Kindern die winzige Behausung. Foto: Archiv Josef Kirchner
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Einst war sie eine wichtige Durchgangsstraße, Geschäftsstraße und Flaniermeile. Die Bayerische National-Zeitung berichtete am 28.September 1839: Der Durchzug heimkehrender Badegäste durch unsere Stadt Bad Kissingen hat aufgehört und ist besonders von den Gastwirtschaften sehr unlieb bemerkt worden. Grund dieser Erscheinung will man dem abkürzenden neuen Straßenzug zuschreiben, der von Frankfurt und Aschaffenburg mit Umgehung Würzburgs über Lohr und Hammelburg nach Kissingen führe. So erwächst oft für eine Gegend ein neuer Vorteil, während eine andere eben dadurch alte Vorteile verliert.

Mit dem Stadtbrand am 25. April 1854 veränderte sich das mittelalterliche Aussehen der Stadt. Drei Viertel der historischen Gebäude, größte Teile der Stadtmauer sowie acht von elf Wehrtürme wurden vernichtet. Die drei Stadttore besaßen allesamt Tortürme.

Gewundene Straßenführung

Die Bahnhofstraße prägt das städtebauliche Erscheinungsbild Hammelburgs auch optisch. Die gewundene Straßenführung ist typisch Mittelalterlich. Die Bausubstanz im unteren Abschnitt der Bahnhofstraße blieb vom Brand verschont. Einige Denkmäler sind im erbärmlichen Zustand mit dringendem Sanierungsbedarf. Mit Blick auf die verschiedensten Bauweisen aus vier Jahrhunderten, beginnend am Schoberhaus Nr.32 (1628) schließt sich nach Süden eine geschlossene Reihe Häuser an. Die schmalen, verputzten Traufseithäuser in Fachwerkbauweise mit vorspringenden Obergeschossen, verweisen auf das 17./18. Jahrhundert und stehen als Bauensemble unter Denkmalschutz. Richtung Marktplatz geht es vorbei am ehemaligen Forsthaus Nr.18 (1775). Die Spitalkirche St. Nikolaus, Nr. 8, mit Außenmauern um 1400, erhielt nach dem Stadtbrand 1854 die neugotische Fassade. Bahnhofstraße Nr. 4, im Kern 18.Jahrhundert, ein ehemaliges Wohnstallhaus mit Tordurchfahrt, beherbergt heute eine Apotheke und Wohnungen.

Den rechten Straßenzug, mit ungeraden Hausnummern, prägen Giebelhäuser des 20. Jahrhunderts. Die Bahnhofstrasse 53, ein ehemaliges Wohngebäude, jetzt Gasthaus und das angrenzende Wohnwirtschaftsgebäude Nr. 51 stammen aus dem 18.Jahrhundert. Der beeindruckende dreigeschossige Fachwerkbau Nr. 45 mit Halbwalmdach (1590) und massivem Rundbogentor (1721) steht seit vielen Jahren leer.

Nobles Hotel Adler

Kürzlich saniert wurde die Fassade des Wohngebäudes Nr. 14 mit Formen des barockisierenden Jugendstils des frühen 20. Jahrhunderts. Interessant ist die Hausmadonna aus Sandstein am Wohngebäude Nr. 37 aus dem 18. Jahrhundert.

Das Leben pulsierte in der Bahnhofstraße, in der viele Einzelhändler und Gastronomiebetriebe ansässig waren. Begrünte Sitzmöglichkeiten gab es vor mehreren Gebäuden. Im noblen Hotel Adler, feierten die Hammelbuger Schüler am 1. Mai 1911 den 90. Geburtstag des Prinzregenten Luitpold mit Deklamationen und Gesängen. Das Hotel befand sich oberhalb des jetzigen Forstamtes, später Raiffeisenbank. Inzwischen sind dort eine Arztpraxis und Wohnungen.

Bereits vor dem Bau der Umgehung fiel die Bahnhofstraße in einen tiefen Dornröschenschlaf. Lebensmittelmärkte zogen auf die grüne Wiese, Geschäfte wurden geschlossen und die Bahnhofstraße verlor mehr und mehr an Attraktivität.

Nach mehreren Workshops mit allen Beteiligten wurde nun endlich eine Lösung gefunden. Ende Mai wird die aufwendige Sanierung, beginnend ab Marktplatz, in drei Abschnitten erfolgen. Die historischen Bedeutung wurde bei der Planung berücksichtigt. Mit einer Markierung in der Pflasterung wird an das Niedertor am nördlichen Stadteingang, erinnert. Ansprechendes Beleuchtungskonzept, Begrünung, Brunnen, Sitzmöglichkeiten, Außenbereiche für Gastronomie und Gewerbe wird die "Alte Bahnhofstrasße" wieder im neuen Glanz erscheinen lassen und so manchem Leerstand vielleicht wieder neues Leben einhauchen.

( Quellen: Hammelburger Album - Josef Kirchner - Werner Schlereth - Denkmalliste Bayern )

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