Mit Leib und Seele ist Rita Jörg Bäuerin und als solche auch seit fünf Jahren Kreisbäuerin. Gestern stellte sie sich zum letzten Mal zur Wahl (denn mit 65 Jahren ist Schluss) und wurde einstimmig von den 70 anwesenden Landfrauen wiedergewählt. Ans Aufhören hatte die 61-Jährige aus Schondra nicht gedacht, obwohl sie sicher ein leichteres Leben ohne dieses Ehrenamt hätte. Denn "es ist schon eine Herausforderung", sagt sie selbst.
Schließlich arbeitet sie seit 44 Jahren im familieneigenen Milchviehbetrieb mit, melkt um 5.30 Uhr und um 16.30 Uhr mit Mann und Sohn die 90 Kühe, füttert derzeit noch rund sieben Kälbchen mit dem Milcheimer und kümmert sich nebenbei um Haus und Hof. Momentan ist die Arbeit besonders schwierig, durch die Kälte geht alles langsamer. "Wenn meine Finger beim Melken kalt sind, wärme ich sie an der Kuh oder halte sie in heißes Wasser", verrät die Bäuerin.
Den Tieren macht die Kälte nichts aus, nur Zug dürfen die Kälber keinen bekommen und so sind die Frischgeborenen die ersten zwei Wochen ihres Lebens nicht im Außenklimastall untergebracht, der nur zwei Grad wärmer ist als die Außentemperatur, sondern in eigenen Boxen. Trotz oder vielmehr gerade wegen der heimischen Landwirtschaft ist Rita Jörg auch mit Herzblut bei der Sache, wenn es um die Arbeit als Kreisbäuerin geht und "dann klappt das auch". Sie plant Veranstaltungen, organisiert Tagungen und Ausflüge und initiiert Aktionen. Die reichen von selbstgenähten Herzkissen für Brustkrebs-Patientinnen unter dem Motto "Frauen helfen Frauen", über Plätzchen backen zugunsten der Arbeit in den Slums bis hin zu zahlreichen Messen, um die Verbraucher direkt zu informieren. Keine Absage erteilt sie den Anfragen von Schulen, denn die Kinder sollen über heimische Produkte und ihre Entstehung aufgeklärt werden. "So erreichen wir auch die Eltern", hofft Rita Jörg. Zudem sehe man den Kindern die Begeisterung an. Besonders gut schmeckt Butter, wenn man sie selbst geschüttelt hat, weiß Rita Jörg nicht erst seit dem Kindertag auf ihrem Hof. Politiker lädt sie schon mal zum Heu machen ein, denn "die können uns nur helfen, wenn sie unsere Sorgen kennen".
Das alles funktioniert nur, weil zum einen ihre Familie hinter ihr steht ("wenn ich mal nicht heimkomme, übernehmen Mann und Sohn meine Arbeit") und sie zum anderen enorme Unterstützung von den Ortsbäuerinnen hat. "Da klinkt sich keine aus, die stehen alle hinter mir", freut sich die Kreisbäuerin über den guten Zusammenhalt. Dafür gab es bei den Verbandswahlen in Obererthal gestern jede Menge Dankesworte.
Das galt auch für die Bereitschaft der Ortsbäuerinnen, das Amt wieder zu übernehmen. Die Quote im Landkreis ist mit 98 Prozent sehr hoch: in 114 Ortsverbänden sind nur drei ohne Ortsbäuerin, vier arbeiten zusammen.

Neuwahlen Kreisbäuerin in Bad Kissingen bleibt für die nächsten fünf Jahre Rita Jörg (Schondra). Ihre neue Stellvertreterin ist Edeltraud Häusler aus Wartmannsroth. Zu Beisitzerinnen wurden gewählt: Helene Bieberich (Althausen), Kerstin Neder (Thulba), Erika Hüfner (Römershag), Gunda Pickelmann (Fridritt) und Marita Hüfner (Speicherz).

Termine 2012 28./ 29. Februar Fahrt nach Brüssel, 6. März Landfrauentag in Stangenroth, 8.3. Fahrt zu den Amigos, 23.3. Frühjahrsmesse in Holzhausen, April bis Juni Lehrfahrten, 12.6. Sommertagung im AFZ Bad Kissingen, 19. September Ausflug der Ortsbäuerinnen nach Kassel, 7.9. Messe "Haus & Garten" in Bad Brückenaus.