Der Dorfbrunnen in der Höhenstraße - der "Trai" - hat eine lange Geschichte. 1872 wurden die Bürger beim Graben nach Wasser in fünfeinhalb Metern Tiefe hier fündig. Es war genügend Wasser vorhanden, um einen großen, gemeinsamen Brunnen zu speisen, für alle Ortsbürger in Stangenroth. Das Alter des Brunnens sagt aber auch, dass er inzwischen in die Jahre gekommen ist und jetzt renoviert werden müsste.
Aber wer soll das machen, wie soll das geschehen und wie könnte der Brunnen dann aussehen?
Die damals entdeckte Quelle wurde vor knapp 150 Jahren in Bruchsteinen gefasst, als Abschluss setzte man eine runde Sandsteinplatte, die erst später durch eine eckige Betonplatte ausgetauscht wurde. Mit vier Metern Länge bot der neue Brunnentrog dem Vieh genügend Platz als Tränke. Ein zweiter Trog, ebenso breit und lang und aus Holz, diente den Anwohnern zum Waschen und Reinigen der Hackfrüchte. Das restliche Überlaufwasser floss in den Straßengraben und wurde auch hier weiter verwendet: Der Graben wurde zum Wäschewaschen und zur Gartenbewässerung gestaut.

Veränderungen

Ende der 1920-er Jahre wurden die Holztröge undicht und durch Betontröge ersetzt.1940 wurde der Brunnen um einen Feuerlöschweiher erweitert, der 200 Kubikmeter Wasser fasste.Im Jahr 1959 schließlich wurde der Brunnen umfassend renoviert. Der Wasserzulauf bekam eine neue Röhre und der alte, morsch gewordene Brunnenkopf wurde erneuert. Seit dieser Zeit steht er nicht mehr neben der Brunnenanlage, sondern an der Stirnseite der Brunnentröge.

Großzügig neu gestaltet

Im Rahmen der Dorferneuerung zu Beginn der 1990er Jahre bekam der Stangenrother Brunnen ein völlig neues Gesicht. Das Wasser wurde großflächig in drei Trögen aufgefangen, und die Zisterne wurde erneuert. Architekt Uwe Franke (Himmelstadt) sah in der neuen Anlage "ein Stück Infrastruktur mit Tradition, eine Brunnenanlage zum Anfassen, mit Wasserspielen und Ruhebänken."
Aber so recht wurde die Anlage nicht von allen Anwohnern angenommen. "Ihr müsst euch erst mal an die neue Braut gewöhnen", empfahl der Architekt, und Bürgermeister Emil Müller kommentierte den neuen Dorfbrunnen so: " Jeder braucht einen repräsentativen Bau, die Stangenröther haben eben ein Schwimmbad." Ortsreferent Erich Metz, einer der Ideen-Väter für die Gestaltung, musste aber am Ende dann gestehen: "Wir wissen selbst, dass der Brunnen nicht so gelungen ist." Die angebrachte irritierende blaue Farbe im Inneren der Brunnentröge, die man aus Schwimmbädern kennt, "wird bald von Algen bedeckt sein", so hieß es. Und so kam es auch.

Meinungen der Bürger sammeln

Stangenroths neue Marktgemeinderätin Marion Zehe nahm sich nun der zahlreichen Beschwerden der Anlieger an. "Manche haben sich über einen unangenehmen Geruch aus der Anlage beschwert", dazu sind die Tröge zeitweise mit einer unappetitlichen grünen Brühe gefüllt. Die ungepflegte Anlage, die von Gras und Unkraut be-wuchert ist, sei keine Zierde für den Ort. Marion Zehe lud daher die Anlieger und andere interessierte Bürger zu einem Gespräch rund um den Brunnen ein, um Änderungs- und Umgestaltungswünsche zu erfahren. Über dreißig Interessenten kamen.

Sanieren oder abreißen?

"Heute und morgen wird sich nichts ändern, und alle Wünsche werden auch sicherlich nicht erfüllt", nahm sie manchem den (voreiligen) Wind aus den Segeln. "Sanieren oder abreißen?", war zunächst die Frage, und einstimmig stand der Wunsch nach Abreißen der großen Becken und Sanierung der Anlage. 2. Bürgermeister Daniel Wehner (Gefäll) erklärte, dass die Förderung durch das Dorferneuerungsprogramm abgelaufen und eine Neuplanung daher möglich sei. Die Zisterne müsse weiterhin eingebunden bleiben. "Der Brunnenstock muss stehen bleiben", soweit waren sich alle Bürger einig. Helmut Zehe empfahl für einen neuen Brunnentrog Sandstein, doch Gärtnermeister Sebastian Metz sagte, dass der Sandstein auch bald grün sein werde. Er empfahl einen Stein aus Muschelkalk, so wie die Außenmauer der Anlage.
Pflegeleichte Steine wurden gewünscht, "pflegeleichte Steine gibt es nicht", stellte Steinmetz Thomas Hartmann eindeutig fest. Das Ehepaar Knüttel war immer wieder besorgt, wer die Anlage in Zukunft pflegen solle: "Wer soll den Trog reinigen, wer soll das Gras einer neuen Anlage mähen?" Einigkeit für eine Lösung kam noch nicht zustande. Es blieb ein Wunsch der Anwesenden, dass ein kleiner Wasserlauf offen oder verdeckt sein soll. Wie die Absturzsicherung um die freigelegte Zisternenoberfläche aussehen, und wie die Gestaltung im Außenbereich sein soll, blieb noch offen.
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Vorschläge aus dem Rathaus

Im Herbst werden Bürgermeister Waldemar Bug und Marion Zehe Vorschläge und Kostenpläne zur Gestaltung vorlegen. Bis dahin kann jeder Interessierte einen eigenen Vorschlag einreichen. Dann soll über die endgültige, neue Gestaltung des "Traibrunnens" entschieden werden.