"Für viele Rhönbesucher ist ein Ausflug in die Welt der Moore fast schon ein
,Muss'", sagte Torsten Raab, der Leiter der Verwaltungsstelle des hessischen Teils des Biosphärenreservats Rhön, bei der 49. Hauptkulturtagung des Rhönklubs. Thema der Tagung mit annähernd einhundert Kulturinteressierten des Rhönklubs waren "Moore und ihre Bedeutung für die Rhön".

Bohlenpfade und befestigte Wanderwege dienen der Besucherlenkung und Hinweistafeln und erläutern den einzigartigen Lebensraum Moor. Dadurch werden die Moore zu einem beliebten Ausflugsziel. Bescheidene Versorgungseinrichtungen sorgen für das Wohlbefinden der Besucher. Die Wanderwege führen nicht nur durch die Moore, sondern auch um die einzelnen Gebiete herum. 1970 wurde beispielsweise der Wanderweg "Rund um das Rote Moor" mit einer Länge von etwa 10 km angelegt. Aus diesem Weg ist mit einigen Änderungen der etwa 18 km lange Premium-Wanderweg "Extratour Rotes Moor" entstanden. Gerade im Bereich um das Rote Moor sind für Wanderer und Erholungssuchende zahlreiche Wege markiert.

"Das ,Rote' und das ,Schwarze Moor' sind für jedermann ein Begriff", sagte Referentin Nina Bütehorn. "Wer aber kennt das ,Große' und das ,Kleine Moor'?" Das "Große Moor" erstreckt sich auf einer Fläche von ungefähr neun Hektar zwischen Stirnberg und Hohem Polster. Das Moor liegt über der Wasserscheide des Hochrhönkamms. Der südliche Teil ist von einem Karpatenbirkenwald bedeckt. Im Norden ist das Moor urglasförmig aufgewölbt.
Das "Kleine Moor" bedeckt nur eine Fläche von etwa zwei Hektar und liegt auf dem Höhenkamm der Langen Rhön. Ein nahezu geschlossener Moorwald bedeckt die Fläche des "Kleinen Moors". Das "Kleine Moor" hat die geringste Torfstärke. Sie beträgt im Zentrum gerade mal 80 cm.

Die Grünlandflächen der Rhön sind im Mittelalter entstanden. Die Beweidung mit Nutztieren sorgte für einen Rückgang der Wälder. In einem langwierigen Prozess entwickelte sich ein reiches Spektrum an Magerrasen. Zur Erhaltung dieses einzigartigen Vegetation des Magerrasens sind gezielte Pflegemaßnahmen erforderlich. Dazu gehören unter anderem auch die Zurückdrängung der Staudenlupine. Unterschiedliche Versuche müssen noch unternommen werden, um die Grünlandflächen optimal zu bearbeiten. Einseitige Pflegemaßnahmen können unter Umständen von Unnutzen sein.

Das Grundsatzreferat mit dem Arbeitstitel "Das Rote Moor - ein Juwel der Hochrhön" hielt Joachim Jenrich. Er erklärte die Entstehung des Roten Moores. In der Tat sei es so, dass ein Moor eine bestimmte Symbiose verschiedener Ökosysteme darstelle, und "das Rote Moor ist wirklich ein Juwel". Es entstand vor etwa 13 000 Jahren. Durch zahlreiche Quellen in einer Hangmulde, einen fast undurchlässigen Untergrund und die durch entsprechende Niederschläge bedingte mangelnde Verdunstung konnte das Rote Moor entstehen. Im Laufe der Zeit ist eine Torfmächtigkeit von etwa drei bis fünf Metern entstanden.

Etwa 200 Jahre lang wurde dieser Torf abgebaut und für die Bäder der Rhön zu Heilzwecken verwendet. Sogar Siedlungen im Bereich des Roten Moores waren vorhanden. Zu nennen sei die Wüstung Moordorf an der Bundesstraße 278. 1978 wurde das Rote Moor als Naturschutzgebiet ausgewiesen, 1984 der Torfabbau eingestellt. Mit der Renaturalisierung konnte begonnen werden.

Stefan Zenker referierte über die Quellen im Bereich der Moore, die zahlreiche Moore speisen. In jeder dieser Quellen leben viele Tierarten, die auf Anhieb nicht erkennbar sind. Etwa 235 verschiedene und teilweise vom Aussterben bedrohte Quellbewohner lassen auf ein intaktes Ökosystem im Bereich der Moore schließen. Zu den besonderen Lebewesen im Bereich der Moorquellen gehört die etwa 2 mm große Rhön-Quellschnecke. Diese Schneckenart besiedelt Quellaustritte sowie die anschließenden Quellbachbereiche und ist auf gleichmäßig kaltes und unbelastetes Quellwasser zwingend angewiesen. Sie kommt weltweit nur in der Hochrhön und im Hohen Vogelsberg vor. Außerhalb dieser Gebiete gibt es vereinzelte Reliktvorkommen. Ebenfalls findet man den Alpenstrudelwurm, der die gleichen Umweltbedingungen wie die Rhön-Quellschnecke benötigt, als Eiszeitrelikt gilt und sich in die kalten Quellen der Alpen und Mittelgebirge zurückgezogen hat.