Wenn auch die Historie im Dunkeln liegt, fest steht, dass der Zahn der Zeit in den vergangenen Jahren kräftig an dem Kreuz genagt hat. Das war für den heimischen Obst- und Gartenbauverein (OGV) der Grund, das Kreuz zu erneuern. Nun konnte es bei einer kleinen Feier gesegnet werden.

1997 hatten die Gartler das bisherige, schlichte Holz-Kruzifix saniert, doch war damals schon klar, dass es wohl ersetzt werden muss. Die Inschrift "Rette deine Seele" lässt den Schluss zu, dass es sich um ein so genanntes Missionskreuz handelt. Wortgottesdienstleiterin Carmen Scheb-Thiele, die den Segnungsakt vornahm, führte die Worte im Querbalken auf die Volksmission im 18. Jahrhundert zurück.

Kampf gegen die Laster

"Seinerzeit zogen wortgewandte Prediger durch das Land. Sie sagten den hauptsächlichen Lastern den Kampf an und empfahlen den Christen dringlich die Wichtigkeit des Gebets und die Bedeutung des Gottesdienstes", erklärte Scheb-Thiele. Die Kapuzinermönche wetterten gegen das weitverbreitete Fluchen und Missstände wie Verrohung der Sitten, insbesondere alten Menschen gegenüber, den Alkoholmissbrauch und wilde Ehen.
Und tatsächlich nahm das Interesse am christlichen Glauben wieder zu. Kirchen und Klöster erhielten beachtlichen Zulauf. "Heute hat die Mission nicht mehr ihren früheren Stellenwert. Das Kreuz will verkünden: Auch für dich ist Christus gestorben", unterstrich die Wortgottesdienstleiterin.

Kreuz auch in Hammelburg

An eine "Innere Mission" erinnern sich auch ältere Hammelburger. "Es gab ab Mitte der 30er Jahre ein Missionskreuz mit diesen Worten über dem Seiteneingang der Stadtpfarrkirche St. Johannes", berichtete Marianne Ehling. Und Josef Kirchner weiß: "Damals waren Ordenspriester unterwegs, die mit ihren Predigten die Christen zur Vertiefung des Glaubens aufriefen."

Eine weitere Version zum Auraer Kreuz an den Kastanien hat Max Wörner. Dessen Sohn Holger stellte sie dem OGV-Vorsitzenden Gustav Hack zur Verfügung. "Alte Urkunden belegen, dass bereits unter Karl dem Großen eine Burganlage in Aura bestand. Der letzte Schlossherr, Herzog Ernst von Schwaben, starb 1015 hier bei einem Jagdunfall. Seine Frau Gisela errichtete zum Gedenken hier eine Kapelle", berichtete Hack.

Grundrisse nachweisbar

Zwar sind die Grundrisse der Kapelle anhand von Luftbildarchäologie nachweisbar und nur einige Meter von den Kastanien entfernt. Ob aber nach dem Verfall des Gotteshäuschens ein Kreuz errichtet wurde, kann nur vermutet werden.

Gustav Hack dankte seinen Mitarbeitern Alex Kober und Otmar Hack für die Anfertigung des neuen Kreuzes und Bernhard Gößmann-Schmitt für das Schnitzen der Schrift. Unterstützt wurde die Aufstellung durch Leo Fell, Otmar Hack, Fridolin Kippes, Gustav Hack und Peter Nuss.