Der Andrang am Sonntagnachmittag ist riesig. Sämtliche Nachbarstraßen an der Strengen Tür sind zugeparkt. Im neugebauten Seniorenheim "Rhönblick" drängen sich die Besucher. Sie beteiligen sich an Führungen, besichtigen die Arztpraxis, bleiben stehen, tauschen sich aus, fragen nach. Viele "Ahs" und "Ohs" sind zu hören. So auch von Egon Miller und seiner Frau aus Premich. "Uns gefällt es hier sehr gut.
Das Haus ist modern, hell und barrierefrei", sagen die beiden und inspizieren die Küchenausstattung einer Wohngruppe. Neugierig wirft Miller einen Blick in den Schrank.

Der 48-Jährige kann sich gut vorstellen, hier selbst einmal zu wohnen, sollte er zum Pflegefall werden. "Man weiß ja nicht, was kommt. Ruckzuck haste mal 'nen Schlaganfall", erklärt er seine Beweggründe. Miller weiß, wovon er spricht. Seit einiger Zeit pflegt er gemeinsam mit seiner Frau den Schwiegervater. Ihn ins Pflegeheim zu geben, kommt aber für das Premicher Ehepaar nicht infrage. Deshalb nutzt es den Besuch in der neuen Pflegeeinrichtung auch dazu, sich Anregungen für die häusliche Ausstattung zu holen. "Vieles ist hier einfach gut durchdacht", sagt Egon Miller und lässt seinen Blick anerkennend schweifen.


Erleichterung durch Technik

Von der Einrichtung ist auch Stephan Mölter begeistert. Der examinierte Altenpfleger ist einer der Mitarbeiter des neuen Pflegeheims; bisher war er in einer neurologischen Klinik tätig. Seine Entscheidung für den Job in Burkardroth ist ihm nicht schwer gefallen, schließlich soll er später einmal die Heimleitung übernehmen. Doch zunächst arbeitet Mölter als Pflegekraft, was ihm aber nichts ausmacht. "Das Haus ist hochmodern ausgestattet", sagt er und zeigt, wie Bettpfannen und Urinflaschen gereinigt werden - maschinell in der so genannten Fäkalspüle. "Notfalls muss ich als Heimleiter wissen, wie das funktioniert", sagt er. Eine Arbeitserleichterung ist das Gerät auch. "Unsere Mitarbeiter haben so mehr Zeit, sich um die Bewohner zu kümmern", erklärt Michael Wehner dazu.


Entscheidungen im Gremium

Er ist mit seinem Unternehmen Seniorenheim Saaleufer GmbH Betreiber des Pflegeheims und hat gemeinsam mit dem Investor und den Hausärzten Stephan Stoll und Christian Staab das Projekt entwickelt. "Aber die Entscheidungen für das Pflegeheim habe ich als Chef nicht allein getroffen", sagt der 38-Jährige. In seinem Unternehmen hat er eigens einen Pflegeausschuss gegründet. In dem Gremium beraten er und seine Mitarbeiter, was sich im Betrieb verbessern lässt oder wie man ein neues Pflegeheim baut. So haben die Reinigungskräfte beispielsweise bei den Planungen festgelegt, wo die Putzkammern in dem Gebäude eingerichtet oder wie die Fliesen angebracht werden. "Möglich wurde das durch die gute Zusammenarbeit mit der Wolf-Haus GmbH und ihrem Planer Werner Hahn. Er hat mit uns die Baupläne immer wieder optimiert und angepasst, sogar auch noch nach Vertragsabschluss", so Wehner.


Großes Interesse

Das Gefäller Unternehmen Wolf-Haus hat das Pflegeheim mit Arztpraxis nicht nur errichtet, sondern den 4,6 Millionen Euro teuren Bau als Investor über ein Tochterunternehmen finanziert. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Bei der Eröffnungsfeier am Sonntagvormittag waren nicht nur Bürgermeister Waldemar Bug (ödp) und Landrat Thomas Bold (CSU), sondern auch die zahlreich geladenen Gäste voll des Lobes. "Hier waren Profis am Werk. Das Haus ist ein echter Mehrwert für den Markt Burkardroth und die Region, unsere Heimat. Hier können wir alt werden", so Landtagsabgeordneter Sandro Kirchner (CSU). Pfarrer Stephan Hartmann wünschte in seinem Segen: "Die Menschen, die hier wohnen werden, sollen spüren, dass sie geliebt werden."


Drei Wohngruppen

36 Pflegebedürftige finden in dem neuen Haus an der Strengen Tür einen Platz. Sie werden in drei Wohngruppen untergebracht. Bereits am Donnerstag ziehen die ersten zwölf Bewohner ein. Für Michael Wehner und sein Team keine leichte Aufgabe. "Deshalb haben wir ein richtiges Krisenmanagement vorbereitet und werden mit doppelter Besetzung arbeiten", erklärt er. Alle 40 Mitarbeiter werden vor Ort sein und sich in den ersten Wochen intensiv um die neuen Bewohner kümmern. "Im November ziehen dann die nächsten ein", sagt er. Voraussichtlich Ende Januar werden alle 36 Plätze belegt sein.


Praxis startet im Oktober

"Wir starten am kommenden Montag, 5. Oktober", erklärt Hausarzt Stephan Stoll, wann er und das Ärzteteam der Gemeinschaftspraxis Staab/ Stoll die ersten Patienten an der Strengen Tür behandeln werden. Die neuen Räume am Pflegeheim sind Ersatz für die bisherige Filiale in Katzenbach, die zum 30. September schließen wird. "Da das Haus verkauft ist", so Stoll. Der Hauptsitz der Gemeinschaftspraxis bleibt weiterhin in Bad Bocklet. Trotzdem haben die beiden Ärzte neue Mitarbeiter eingestellt, um das gewachsene Arbeitspensum zu stemmen. "Ab Oktober besteht unser Team aus sieben Ärzten und zwölf Arzthelferinnen", so Stoll.

Eine von ihnen ist Katrin Schumann aus Burkardroth. Sie ist froh, so wohnortnah einen neuen Arbeitsplatz nach ihrer Elternzeit gefunden zu haben. "Ich werde zwar in Bad Bocklet eingesetzt, komme aber immer mal als Vertretung hierher", sagt sie. Außerdem freut sich die zweifache Mutter darüber, dass nun die ärztliche Versorgung in ihrem Heimatort wieder besser ist. "Für viele Ältere ist das sehr wichtig", sagt sie.


Die Planungen gehen weiter

Das zeigt auch der Ansturm, der am Sonntagnachmittag in und um das neue Gebäude an der Strengen Tür herrscht. Davon zeigt sich nicht nur der Hausarzt Stephan Stoll, sondern auch Pflegeheimbetreiber Michael Wehner beeindruckt. "Wir waren zwar darauf vorbereitet. Trotzdem bin ich erstaunt, dass das Interesse an unserem Pflegeheim so riesig ist", sagt er. Schließlich strömen und feiern die Besucher bis in die frühen Abendstunden. Derweil ist Michael Wehner schon wieder am Überlegen, wie sich der neue Standort Burkardroth weiterentwickeln lässt. "Ich plane bereits eine Tagespflegeeinrichtung. Die ersten Gespräche laufen bereits", sagt er.