Von Silvia Eidel
Der Reiz fremder Länder und Kulturen, gepaart mit dem Wunsch, jungen Menschen helfen zu können, das sind für Thomas Schäfer die wesentlichen Gründe, ein Jahr lang in einem Armenviertel der südafrikanischen Millionenstadt Soweto einen Freiwilligendienst zu leisten. Und vielleicht, so hofft der 28-Jährige, erhält er neue Denkanstöße, wohin sich sein eigenes Leben wenden wird.
Bisher war es relativ unauffällig. Geboren und aufgewachsen in Euerbach, Abitur, Ausbildung zum Industriekaufmann bei SKF, Arbeit dort im Personalbereich, dann berufsbegleitend ein Fernstudium in Betriebswirtschaftslehre (BWL) und jetzt, nach Abschluss des Studiums, der Ausstieg auf Zeit. Ein Sabbatjahr - Thomas Schäfer ist "verdammt froh", dass sein Arbeitgeber ihm das ermöglicht. Er schätzt es, dass dieser in Sachen "Selbstfindung" den Mitarbeitern auf die Sprünge hilft.


Gefährlichste Stadt der Welt

Jetzt nach Soweto. Ausgerechnet. Die 3,5-Millionen-Stadt bei Johannesburg, die seit dem Aufstand 1976 als Symbol des Widerstands in der Ära der Apartheid gilt. Und Johannesburg wird die gefährlichste Stadt der Welt genannt. In die Innenstadt sollte man besser nicht alleine gehen. Solche Hinweise will Thomas Schäfer auf jeden Fall beherzigen.
Er ist kein Neuling in Sachen ungewöhnliches Reisen. Als "Backpacker", also Rucksacktourist, war er schon häufig in Süd- und Mittelamerika oder Asien unterwegs, lernte andere Kulturen und interessante, herzliche Menschen kennen. Irgendwann machte er Bekanntschaft mit der Organisation World-Horizon, die weltweit soziale Projekte unterstützt. So wie jenes in Soweto, in South West Township. Es ist ein Jugendförder- und Bildungszentrum Kliptown Youth Program (KYP) im Stadtteil Kliptown, einem Armenviertel aus Wellblechhütten. Dort wird der 28-jährige junge Mann demnächst arbeiten.


Essen und Bildung

Täglich werden dort 450 Kinder und Jugendliche betreut: Die bekommen eine warme Mahlzeit, es gibt einen Kindergarten, schulische Betreuung und Nachhilfeunterricht, ein sinnvolles Freizeit- und Sportprogramm. Und für erfolgreiche, ambitionierte Absolventen übernimmt KYP die Universitätskosten. So dass ihnen ein Ausstieg aus der Armut ermöglicht wird. Bei seiner Arbeit mit den Kindern kommt Thomas Schäfer zugute, dass er früher die Obbacher Tischtennis-Jugend trainierte. "Tischtennis soll auch in Soweto in einem Camp ein Sportschwerpunkt sein", weiß er. Und nach etlichen Monaten soll der Euerbacher einigen Schützlingen auch Deutsch beibringen. Damit sie selbst als Volunteers nach Deutschland kommen können.
Dass der 28-Jährige ausgerechnet in Südafrika landen wird, war ihm bis zum zweiwöchigen Vorbereitungskurs von World-Horizon nicht klar. Erst dort entschied er sich für das KYP-Projekt. "Afrika erschien mir am extremsten - und am herzlichsten", meint er. Bei Skype-Terminen mit den KYP-Leitern in Soweto hatte er das Gefühl, dass es "auf der menschlichen Ebene" gut passen würde.


Sechs-Tage-Woche

In der Verständigung sieht Thomas Schäfer kein Problem. Englisch spricht er sowieso, auch dank seiner Verwandtschaft in den USA. Und von den vielen afrikanischen Sprachen wird er, so wurde ihm verdeutlicht, mindestens eine lernen, wahrscheinlich die der Zulu, der ethnisch größten Gruppe. Verstehen muss und wird er sich auch mit einem weiteren Freiwilligen, mit dem er in einem Wohnblock, zehn Fußminuten vom KYP entfernt, eine Zweier-Wohngemeinschaft bilden wird.
Eine Sechs-Tage-Woche wird ihn ab September erwarten und 20 Tage Urlaub im Jahr. Wohnung und Essen wird ihm von World-Horizon gestellt. Drei Viertel der Kosten seines Aufenthalts übernimmt "Weltwärts", das Förderprogramm für den Freiwilligendienst des Bundesentwicklungsministeriums. Den Rest trägt World-Horizon, das sich über Spenden finanziert.


Weitere Informationen

Damit Freiwillige in soziale Projekte entsendet werden können, benötigt World-Horizon Spenden. Angaben hierzu und weitere Informationen finden sich auf https://world-horizon.org/de.