K ling. Kling. Kling. Leise und hoch klirren die Euro-Münzen im Fastenbrecher-Becher, laut und tief schlagen sie mir auf die Selbstachtung. Drei Rückfälle in der ersten Woche! Auf einem kurzen Hamburg-Ausflug war der Griff zur Zigarette zweimal kaum zu vermeiden (bierselige Abende mit alten Freunden und neuen Bekannten in Raucherkneipen und Clubs), einmal mehr oder weniger bewusst gewählt: Nach zwei Tagen mit dem berüchtigten Hamburger "Schietwetter " blinzelte eines
Nachmittags kurz die Sonne durch die graue Wolkendecke, der fiese Wind legte sich für ebenjenen Moment, ein nettes Café um die Ecke, da gönnte ich mir einen Espresso und eine Zigarette, dazu Sonnenstrahlen im Gesicht. Das war mir den Euro wert.
Doch war es wirklich ein Genuss? Meine Beschreibung klingt nach einer Plakatwerbung für Zigaretten - womit wir beim Dilemma des psychischen Entzugs wären: Mit dem Rauchen aufzuhören erfordert eine permanente Diskussion mit dem Sucht-Teufel. "Du hattest einen langen Tag, du hast es dir verdient", sagt der beispielsweise gerne am Feierabend. "Jetzt hast du so lange durchgehalten, gönn dir mal wieder Eine", ist auch so ein fieses Argument dieses Wesens in mir, das aus der Sucht geboren ist. "Es merkt doch eh keiner", ist besonders raffiniert. Und ich war, zugegeben, in den ersten beiden erfolgreichen Tagen oft kurz davor, darauf einzugehen. Dann wie in Jugendjahren oberkörperfrei versteckt eine rauchen - die Klamotten dürfen nicht riechen - danach Duschen, Zähneputzen, Händewaschen, ordentlich Eindeodorieren... Alle Süchtigen sind Verheimlichungs-Profis. Merken würde es keiner, aber es wäre mir doch peinlich vor mir selbst.
Die erste Bilanz: Immerhin habe ich mich meiner Sucht gestellt und bewusster konsumiert, worum es mir letztlich beim Fasten auch geht. Rückfälle gehören dazu, deshalb ja auch der Becher. Aufgeben werde ich so schnell nicht. Diese Runde geht an den Sucht-Teufel, doch das Spiel ist noch nicht zu Ende.