Gerhard Bucher aus Mainz ist eigentlich Industriekletterer, mit Seilgärten und Erlebnispädagogik hat er in seiner täglichen Arbeit wenig am Hut. Trotzdem leitet er im Europäischen Seilgarten-Verband ERCA den Arbeitskreis Rettung und engagiert sich in der Sicherheitskommission. "Mein Ziel ist, dass möglichst wenige Menschen irgendwo runterfallen können", begründet er seinen Einsatz bei den Seilgärtnern.
Bei der ERCA-Jahrestagung auf dem Volkersberg bot Bucher gestern einen Workshop zum Thema Sicherungstechnik an. "Wir waren lange auf der Suche nach dem allheil-bringenden Sicherungsmittel, aber wir haben einsehen müssen, dass es das nicht gibt", fasst er seine Verbandsarbeit zusammen. Stattdessen müsse jeder Betreiber eine individuelle Lösung finden.
Im Workshop stellte Bucher zahlreiche Materialien aus der Höhenrettung vor. Dabei ging es vor allem um die Rettung von Trainer-Kollegen, denn: "Die Teilnehmer-Rettung steht", gibt es für den Seilgarten-Besucher einheitliche Standards. Darauf bauen die Empfehlung für die Evakuierung von Team-Kollegen auf. Insgesamt seien die Seilgarten-Betreiber schon sehr weit in ihren Standards, sagt Bucher: "Die Szene hat massiv an Wissen gewonnen."
Eine Teilnehmerin von Buchers Workshop war Jule Hildmann, die im Team des Hochseilgartens Volkersberg mitarbeitet.
"Sehr materiallastig" kommentiert sie die Arbeitsweise der Industriekletterer, und: "Wir müssen eine Lösung finden, die mit möglichst wenig Material auskommt, das ist ein Such-Prozess." Von der Tagung unmittelbar vor der Haustür ist Jule Hildmann begeistert: "Ich treffe hier tolle Kollegen aus ganz Europa und schätze den fachlichen Austausch", berichtet sie von einer "Super-Atmosphäre" auch außerhalb des offiziellen Programms mit Workshops und Versammlung.
Die gute Stimmung unter den 180 Teilnehmern ist auch Bildungsreferentin Anne Vogler wichtig. Sie ist auf dem Volkers berg für den Hochseilgarten zuständig und deshalb auch regelmäßiger Gast bei den Jahrestagungen der ERCA - egal ob in Holland, Großbritannien oder Deutschland. "Da wird auch mal über kritische Punkte gesprochen", schätzt sie das Fachgespräch mit anderen Seilgarten-Betreibern. Sehr interessant fand Anne Vogler zudem die Ausstellung: 22 Firmen zeigten ihre Produkte rund ums Klettern: "Das ist eine gute Möglichkeit, um zu schauen, was es so an technischen Neuerungen gibt."
Dabei konkurriert die ERCA-Tagung auf dem Volkersberg ausgerechnet mit einer der größten Sportmessen der Welt, der ISPO in München. "Hier ist ein ganz anderes Klientel", ist Harald Dippe von der Firma "Christoph und Markus Krah" aus Garmisch-Partenkirchen trotzdem in die Rhön gefahren. Als Deutschland-Vertriebspartner für die Marken "Petzl" und "Beal" hatte er Helme, Gurte, Seile, Karabiner und Sicherungssysteme mit im Gepäck. "Uns geht's darum, zu zeigen, wie breit die Palette an Produkten ist", sagt Dippe. Auf dem Volkersberg habe er viele Kontakte geknüpft und viele Fach-Gespräche geführt, aus seiner Sicht hat sich der Besuch auf alle Fälle gelohnt.
Eine ähnlich positive Zwischenbilanz hat gestern auch der ERCA-Geschäftsführer Frank Schweinheim gezogen. Er lobt vor allem die gute räumliche Ausstattung und die zentrale Lage des Hauses Volkersberg: "Das gibt's nicht oft in Deutschland", seien die Bedingungen für die ERCA ideal, deshalb kam der Verband mit Sitz in Hannover heuer nach 2009 bereits zum zweiten Mal in die Rhön. Neben Vereinsregularien ist Schweinheim die Geselligkeit wichtig: "Viele Mitglieder kommen zu dieser Jahrestagung, weil sich hier einfach die Szene trifft."

Zahlen Laut dem Europäischen Seilgarten-Verband ERCA gibt es weltweit mehr als 50 000 Seilgärten, davon rund ein Drittel in den USA. In Großbritannien gibt es rund 1000, in Frankreich und Deutschland jeweils rund 500 Seilgärten. Die Zahl der Besucher schätzt die ERCA alleine in Deutschland auf mehrere Millionen pro Jahr.

Volkersberg Der Hochseilgarten auf dem Volkersberg wurde im Jahr 2003 errichtet, in den Folgejahren kamen mehrere Niedrigseil-Elemente hinzu. Im Jahr 2010 verzeichnete das Haus Volkersberg gut 5400 Besucher, wobei der Schwerpunkt auf der erlebnispädagogischen Arbeit mit Gruppen liegt.

Weltverband Laut ERCA-Geschäftsführer Frank Schweinheim haben sich die drei größten Seilgartenverbände vor wenigen den Weltverband IARCA (International Alliance of Ropes Courses Associations) gegründet. Mitglieder sind die ERCA, der französische Verband SNEPA und der amerikanische ACCT.

Mitglieder Die ERCA hat derzeit rund 400 Mitglieder in 19 europäischen Ländern sowie der Türkei, Israel, Indien und der USA.

Kontakt Weitere Infos zur ERCA gibt es im Internet auf der Seite www.erca.cc. rr