Immer wieder fragen Bürger: "Wann baut ihr denn endlich?" Burkard Schramm, Vorsitzender der Nüdlinger Windenergie-Genossenschaft, und Thorsten Köck, sein Stellvertreter, brauchen Geduld, um zu erklären, dass man einen Windpark nicht von heute auf morgen aus dem Boden stampft. Auch wenn er langfristig nur aus drei Windrädern bestehen soll. "Allein die Sonderartenschutzprüfung, kurz SAP, hat länger gedauert als gedacht, weil der Gesetzgeber die Frist für die Beobachtung von einem halben auf ein Jahr verlängert hat", erzählen sie, und: "Das allein hat schon 20.000 Euro gekostet."

Auch andere Gutachten sind fertig oder so gut wie abgeschlossen, sagen die beiden, und: "Die Planungsfinanzierung ist in trockenen Tüchern." Die Genossenschaft hat den Planungsauftrag bereits vergeben. Die netztechnische Anbindung wird mit Eon ausgehandelt.

Es hat sich also einiges getan, seit die Windenergie-Genossenschaft im April 2011 gegründet worden war. Und deren Vorstand möchte auf dem Weg zum Windpark Nüdlingen nicht nur die Genossenschaftsmitglieder "mitnehmen", sondern alle Bürger. Geplant ist daher für 18. November ein Rundgang zu den drei Standorten auf dem Schlossberg, die man ausgeguckt hat, weil sie in Gemeindebesitz sind und gute Winderträge versprechen.


Standorte entsprechen den Vorgaben

Für sie liegt auch eine Analyse bereits vor, die am Dienstag in nichtöffentlicher Sitzung auch den Gemeinderäten vorgestellt wird. Soviel sei verraten: Die Standorte entsprechen den Vorgaben. Die Wohnbebauung ist über einen Kilometer entfernt, das Vereinsheim 775, die Schule 922 Meter, so dass die Räder niemanden beeinträchtigen. Aber: "Unsichtbar machen können wir die Windräder nicht", sagten Schramm und Köck. Die Anlagen werden - etwa vom Aschacher oder vom Mehlesweg aus - zu sehen sein, weil sie etwas über den Schlossberg linsen. Ein Ratbeschluss dazu fällt voraussichtlich im Dezember.

Um Standorte von Windenergieanlagen (WEA) festlegen zu können, gilt es manches zu berücksichtigen. Neben relevanten Restriktionen und Abstandsregelungen spielen die Orographie (= Darstellung des Reliefs der Erdoberfläche, Anm. d. Red.) und - besonders im Wald - Aspekte der "Zuwegung" eine wichtige Rolle. Gemeint: dass speziell im Wald Eingriffe auf ein Minimum reduziert und vorhandene Infrastruktur bestmöglich genutzt werden müssen.

"Das ist bei allen drei Standorten auf dem Schlossberg gut machbar", sagen die Vorstandsmitglieder. Denn die Standorte liegen an Wegen, Kreuzungen oder Lichtungen. Darüber hinaus, so besagt die Analyse, sollten die Windräder auf den jeweils höchsten Punkten gebaut werden, um eine möglichst effiziente Nutzung zu erzielen, "ertragsoptimierte Parkkonfiguration" heißt das. Und die derzeitige Planung entspricht aus Sicht von Gutachter und Vorstand genau dem. Das östliche Rad befindet sich an einer Wegkreuzung auf dem höchsten Punkt. Westlich schließen sich die zwei weiteren Standorte an.

Verschiebung wäre möglich, aber nicht ratsam

Der Mindestabstand wird durch eine Ellipse mit sechsfachen Rotordurchmesser in Hauptwindrichtung definiert (702 Meter). Die Abstände sollen eingehalten werden wegen der Standsicherheit und um Abschattungsverluste zu vermeiden, rät die Analyse. Die östliche Verschiebung der Räder wäre zwar möglich, aber nicht ratsam, weil sie mit höheren Abschattungsverlusten, geringeren Erträgen und größeren Eingriffen in den Wald verbunden wäre.

Zu bedenken ist auch, dass Windräder Geräusche entwickeln. Nach der technischen Anleitung zum Schutz gegen Lärm (TA Lärm) dürfen dabei bestimmte Immissionsrichtwerte nicht überschritten werden. Auch hier ist die Genossenschaft zuversichtlich: Das Ergebnis der von ihr in Auftrag gegebenen Analyse zeigt, dass die gesetzlichen Richtwerte an allen Immissionspunkten deutlich unterschritten werden. Mit negativer Beeinträchtigung im Bereich der Wohnbebauung von Nüdlingen ist demnach nicht zu rechnen.