Passend zur jüngst verklungenen, maskierten Faschingszeit wurden die Schüler der 10. Klassen des Bad Brückenauer Franz-Miltenberger-Gymnasiums dieser Tage in einem Vortrag erneut mit dem Thema der Verwandlung konfrontiert, der sich den "Metamorphosen" des römischen Dichters Ovid widmete. Diesen Vortrag hatten am Vormittag bereits die 9. und 10. Jahrgangsstufe des Bad Kissinger Jack-Steinberger-Gymnasiums zu Gehör bekommen hatte.

Als Referent suchte mit dem emeritierten Professor für Klassische Philologie an der LMU München, Prof. Dr. Niklas Holzberg, ein international bekannter wie anerkannter Experte der lateinischen Dichtkunst der augusteischen Zeit das Gymnasium in der Rhön auf. Dieser vermochte seinen Vortragsinhalt lebendig zu vermitteln und mit einem gekonnten Griff in die psychologische Trickkiste ("In Bad Kissingen heute Vormittag hat das niemand gewusst!") das aufgeweckte Schülerauditorium bei seinem Ehrgeiz zu packen.

Holzberg näherte sich diesem zentralen Hauptwerk der Weltliteratur durch ein Schlaglicht auf das Œuvre des zunächst als Liebesdichter berühmt gewordenen Poeten, das sich durch vielerlei raffinierte Querbezüge unter seinen Werken auszeichnet. So gelingt es Ovid in seinem Debütwerk "Amores", den literaturbeflissenen Leser geschickt zu täuschen, indem er zu Beginn die literarische Gattung des Heldenepos ankündigt, ihn jedoch der listige Liebesgott Cupido durch eine Retusche an seinen Versen dazu zwingt, eine Elegie und damit über das fortan zentrale Thema seines Schaffens zu schreiben. Mit den Lesererwartungen spielt Ovid erneut zu Beginn seiner "Metamorphosen", zögert er doch die Option einer für ihn bis dato typischen Liebeselegie formal und inhaltlich solange als nur möglich heraus, ehe er letztendlich den wiederum durch göttliches Einwirken veranlassten Gattungswechsel zu einem Weltenepos hin offenlegt.


Unglückliche, unerwiderte Liebe

Das erzählerische Geschick und die zeitlose Finesse des Ovid verdeutlichte der Altphilologe ferner vermittels der exemplarisch aus diesem Werk ausgewählten Episode "Apollo und Daphne", die zudem zeigt, dass sich der Dichter auch weiterhin in seinen "Metamorphosen" der Thematik der unglücklichen, da unerwiderten Liebe nicht verschließen konnte. Das erfolglose Anhalten des von einem Liebespfeil Cupidos getroffenen Gottes der Weissagung um die Hand der Nymphe, die - auf das erneute Einwirken des Liebesgottes hin - selbstbewusst ihre Jungfräulichkeit bewahren will und sich schließlich als Rettung vor dem unbändigen Apollo in einen Lorbeerbaum verwandeln lässt, unterzog der ob seines Sprachgebrauchs sehr juvenil wirkende Emeritus einer inhaltlichen Analyse. Er verglich die komischen wie dramaturgischen Elemente mit filmischen Gestaltungsmitteln der Jetztzeit und unterstrich damit die literarische Zeitlosigkeit dieses antiken Werkes. Als Abrundung seines kurzweiligen, eineinhalbstündigen Vortrags verdeutlichte Holzberg die Bedeutung der "Metamorphosen" mit einem Hinweis auf die Rezeption der geschilderten Episode. Diese hatte im Florenz der Spätrenaissance Stoff für die erste Oper der Musikgeschichte geboten und im deutschsprachigen Raum in einem Meisterlied des Nürnberger Schusterpoeten Hans Sachs Nachhall gefunden, das zum Abschluss mit nachgerade orpheischer Inbrunst dargeboten wurde. Leonhard Salzer