Die Bad Brückenauer Stadtverwaltung und die Wintersportfreunde eint eine Hoffnung: Dass doch noch ein Wintereinbruch kommt. "Wenn's mal ein paar Wochen frieren würde, dann könnten wir von unten bei", verweist Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU) auf die längst ausstehende Fällaktion entlang der Ernst-Putz-Straße. Das würde jede Menge Geld sparen, denn: Alle anderen Lösungen werden richtig teuer.
Die Probleme begannen am 14. Januar 2011: Damals gab der völlig aufgeweichte Boden nach und konnte eine mächtige Buche nicht mehr halten. Der Baum kippte um, nahm mit seinem riesigen Wurzelballen einen Teil des Fußwegs mit und beschädigte Versorgungsleitungen. "Unter dem Weg liegen die Gas-Leitung und jede Menge Kabel", erklärt Meyerdierks. Das Loch und die offenen Leitungen sind an dieser Stelle längst ausgebessert, der Baum liegt dagegen noch über dem Mühlgraben.
Und noch schlimmer: Eine Überprüfung ergab, dass 41 Bäume zwischen Haus "Waldenfels" und Washingtonplatz gefällt werden müssen. "Bei den Bäumen unterhalb geht es um Materialschäden, die Bäume oberhalb stellen sogar eine Gefahr für Menschenleben dar", berichtet Meyerdierks. Deshalb kontrolliere der Bauhof den Bereich mindestens alle 14 Tage.

Regelmäßige Sichtkontrolle


"Wir führen eine Sichtkontrolle des Wurzelwerks durch und schauen nach Totholz", berichtet Bauhofleiter Jochen Krug. Sorge bereitet auch ihm der viel zu milde und vor allem nasse Winter. "Die Nässe ist natürlich nicht ideal für die Standfestigkeit", sagt Krug Parallelen zum Wetter im Januar 2011. Mehr als kontrollieren könne der Bauhof allerdings selbst bei Frost nicht: "Das können wir nicht bewältigen", da muss laut Krug auf jeden Fall eine Spezialfirma ran.
Im Stadtrat wurde das Thema bereits mehrfach diskutiert. Selbst der Einsatz eines Hubschraubers sei in dem unwegsamen Gelände bereits in Betracht gezogen worden, sagt Brigitte Meyerdierks. Das würde allerdings eine sechsstellige Summe kosten, also im Schnitt mehrere tausend Euro pro markiertem Baum.
Ein Baumpfleger, der die Bäume Ast für Ast zurückschneidet, habe abgewinkt, ein anderer habe ein ebenfalls hohes Angebot abgegeben. Als Alternative bleibe vermutlich die Gesamt-Rodung des kompletten Bereichs unterhalb der Ernst-Putz-Straße. "Dann könnte man mit einem Kran von der Straße aus arbeiten", erklärt Meyerdierks, und: "Wir warten noch auf ein Angebot mit Vollrodung."
Ärgerlich sei, dass bereits vor zwanzig Jahren eine Fällaktion in diesem Bereich geplant gewesen sei, die Aktion aber nach Einwänden des Naturschutzes abgeblasen wurde. "Damals wär's natürlich einfacher und billiger gewesen." Jetzt dürfte es keine Einschränkungen geben, weil die Gefahr für Fußgänger eindeutig belegt sei.
Und selbst bei einer Vollrodung geht die Bürgermeisterin davon aus, dass schnell Bäume nachwachsen: "In ein paar Jahren ist wieder alles dicht", ist sie sich sicher. Deshalb erwarte sie auch keine Widerstände von den Anwohnern. Selbst auf die jüngste Vollrodung unterhalb der Jahnstraße habe es durchweg positive Reaktionen der Anwohner gegeben. Ralf Ruppert