Es war die richtige Entscheidung, die Nüdlinger Bürgerversammlung in diesem Jahr in der Schulturnhalle zu veranstalten. Vor allem das umstrittene Thema Ortsumgehung motivierte gut 300 Bürger, sich aus erster Hand darüber zu informieren. Es war die bisher größte Bürgerversammlung in der Gemeinde.

Mit dabei waren Mitglieder der Verwaltung sowie als Fachreferenten Matthias Wacker und Alexander Schlegel vom Staatlichen Bauamt Schweinfurt.
Während Matthias Wacker den ersten Entwurf der Sanierungsplanung für die Ortsdurchfahrt B 287 vorstellte, ging Alexander Schlegel auf die Schritte zur Realisierung einer Ortsumgehung ein. Seit März 2016 ist diese auf Antrag der Gemeinde wieder im "vordringlichen Bedarf".


Belag soll Lärm mindern

Wacker wies zum Stand der Sanierungsplanung für die Ortsdurchfahrt auf das Vorhaben hin, einen "lärmmindernden" Straßenbelag einzubauen. Außerdem gehe es um die Verbesserung der Verkehrssicherheit für die Fußgänger. So soll die Fahrbahnbreite von 7,20 Meter auf 6,50 Meter reduziert werden, damit für die Gehwege die Mindestbreite von 1,50 Meter nicht unterschritten wird. Zur Verkehrssicherheit dürfte auch beitragen, dass die Busbucht gegenüber dem Rathaus beseitigt wird und die Busse künftig auf der Straße halten. Durch den Rückbau entstehen drei feste Parkplätze. Veränderungen mit einer Reduzierung der Fahrbahnbreite auf 6,50 Meter sind auch an der Einmündung der Wurmerichstraße in die Ortsdurchfahrt vorgesehen. Weitere "fußgängerfreundliche" Regelungen seien angedacht.

In der Diskussion gab es Stimmen gegen das Sanierungsvorhaben, so etwa von Ewald Kiesel. Seiner Ansicht nach müsste zuerst - durch den Bau einer Umgehungsstraße - der Durchgangsverkehr "raus aus Nüdlingen". Außerdem stellte er die Frage nach der Möglichkeit, eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Kilometer pro Stunde zu erreichen. Von Matthias Wacker erhielt er als Antwort, dafür sei das Landratsamt zuständig, und es gebe "hohe Hürden" dafür. Die aktuell vorgesehene Sanierung von konkreten Defiziten könne man kurzfristig lösen, sagte Wacker. Auf die Frage nach der Haltbarkeit des Flüsterasphalts erhielt Florian Wilm zur Antwort, man werde eine hohe Qualität auswählen, die 20 bis 30 Jahre halten müsse.


"Tempo 30" möglich?

Marcus Lipsius, Sprecher der Bürgerinitiative "Contra Umgehung Nüdlingen", fand das Vorziehen der Baumaßnahmen in der Ortsdurchfahrt richtig. Er fragte nach weiteren Maßnahmen, wie zum Beispiel nach Parkverboten oder Geschwindigkeitsbegrenzungen. Man werde "Tempo 30" zu erreichen versuchen, sagte Bürgermeister Harald Hofmann (CSU).

Landwirt Franz Weber wies auf die Schwierigkeit hin, mit breiten Landmaschinen bei verengten Fahrbahnen zu Recht zu kommen. "Ein Bus kann kein Bremsklotz sein", kritisierte Petra Eichholz das Vorhaben, Busse künftig auf der Straße halten zu lassen. Gut fand Johannes Schramm die vorgesehene Sanierung. Auf die Frage, wie zeitnah der Bau erfolgen werde, erhielt Georg Troppmann zur Antwort: Im Jahr 2017 könne das klappen.


Die nächsten Schritte

Alexander Schlegel stellt die Verfahrensschritte bei der Realisierung einer Ortsumgehung vor. Die hohe und in der Prognose weiter steigende Verkehrsbelastung in der Ortsdurchfahrt habe zur Einstufung einer Umgehung in den vordringlichen Bedarf geführt, sagte Schlegel. Er machte auf eine Vielzahl von Planungsvorgängen aufmerksam, bis am Ende ein Gesetz vom Bundestag beschlossen werde. Auch eine "Null-Variante" werde untersucht. Als Planungszeitraum nannte er zehn Jahre.

In der Diskussion zeigte sich, dass viele Anwesende der wahrscheinlichsten Umgehung, der Nordtrasse, reserviert gegenüber stehen. Marco Weißensel befürchtet, dass mehr Verkehr angezogen wird und dass es in Richtung Bad Kissingen morgens längere Staus geben werde.

Marcus Lipsius fragte, warum andere Trassenvorschläge ausgeschlossen würden. Alexander Schlegel erklärte, man habe die Nordumgehung als "schlüssigste" Variante gewählt. In der Diskussion spielte auch die Frage eine Rolle, ob die ebenfalls im vordringlichen Bedarf stehende B 286 neu eine Entlastung für die Nüdlinger Ortsdurchfahrt bringen könne. Joachim Weißensel meinte, man solle erfragen, ob die Mehrheit der Bürger eine Umgehung überhaupt wünscht, oder ob das Projekt bereits eine Eigendynamik entwickelt habe, so dass es nicht mehr aufzuhalten sei.


"Keine Ängste schüren"

Gemeinderatsmitglied Anita Haub wies darauf hin, dass noch keine konkrete Planung vorliege und keine Ängste im Hinblick auf eine "riesige Brückenkonstruktion" geschürt werden sollten. Alexander Schlegel machte jedoch darauf aufmerksam, dass es wohl doch Brücken geben werde. Die Kosten von 11,1 Millionen Euro seien überschlägig ermittelt worden.

Michael Grimm meinte, eine Nordumgehung bedeute den "Todesstoß" für Nüdlingens Entwicklung. Bürgermeister Harald Hofmann sagte, man werde weiter im Gemeinderat über die Umgehung diskutieren und abwägen. Gegen einen deutlichen Willen der Bevölkerung werde wahrscheinlich nicht gebaut. Vielleicht könne die Sachlage in einem kleineren Kreis, unter anderen mit Vertretern der beiden Bürgerinitiativen, näher diskutieren.
Alexander Schlegel wies auf eine "Planungswerkstatt" hin, die bürgernah sei. Josef Maier brachte den Vorschlag, eine "Tunnellösung" ins Auge zu fassen. "Das Schlimmste, was uns passieren könnte, wäre, dass der Verkehr so bleibt, wie er jetzt ist", sagte Ewald Kiesel von der Bürgerinitiative "Verkehrsentlastung für Nüdlingen". Er forderte eine radikale Dorferneuerung und den Verzicht auf Neubaugebiete.

"Wir sind noch in einem ganz frühen Stadium", zog Bürgermeister Hofmann sein Fazit der Diskussion.