Eigentlich hat Bauleiter Hartmut Metz von der Autobahndirektion Nordbayern derzeit Urlaub, aber wer eine 61-Millionen-Euro-Baustelle leitet, hat auch in seinem Urlaub keine Ruhe. Was ihm aktuell die Freizeit raubt, ist die Frage, ob und wann die alte Sinntalbrücke gesprengt wird. "Dass gesprengt wird, kann ich jetzt definitiv sagen", bestätigte Metz gestern auf Nachfrage. Trotzdem bleibt ein Fragezeichen: Die Baufirma möchte die Sprengung auf den 15.
Juni vorziehen, die Polizei reagierte zurückhaltend.

Am liebsten würde Metz gar nicht groß über die Sprengung sprechen. Aber: "Man kann's auch nicht geheim halten, schon alleine weil wir die Staatsstraße für ein ganzes Wochenende sperren müssen." Schaulustige will Metz nicht zusätzlich anlocken, aber: "Alleine durch den Besucherverkehr wird es vermutlich zu chaotischen Verhältnissen kommen." Das erwartet auch Christian Pörtner, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Bad Brückenau: "Wir rechnen mit 5000 bis 10 000 Leuten." Und: "Es gibt rund um die Baustelle keinen ausreichenden Parkraum, deshalb raten wir jedem ab, zur Sprengung zu kommen." Verbieten kann das aber die Polizei niemandem.

In einer ersten Besprechung wurden bereits Strategien ausgearbeitet: So werde vermutlich auf der Bundesstraße in Richtung Autobahn das Parken einseitig erlaubt: "Da kriegen wir hochwärts schon mal 500 Auto unter", schätzt Pörtner. Auch die gesperrte Staatsstraße und ganz Riedenberg würden an dem Tag vermutlich zugeparkt. Bester Aussichtspunkt könnte nach Pörtners Ansicht der Riedenberger Sportplatz sein. Davon, dass die Sprengung von ursprünglich geplanten 29. Juni auf den 15. vorverlegt werden soll, ist Pörtner wenig begeistert. In einer Besprechung in der kommenden Woche wird unter anderem noch einmal mit allen Beteiligten über diesen Termin gesprochen.

Laut Metz ist vorgesehen, dass am Tag der Sprengung der Verkehr auf der A 7 für etwa eine Stunde angehalten, aber nicht ausgeleitet wird. Nach der Sprengung wird zunächst die neue Brücke nach Schäden untersucht, erst dann wird der Verkehr wieder freigegeben.


Bestand Von 1963 bis 1967 wurde die erste Autobahnbrücke über das Sinntal gebaut. Die 18 Millionen D-Mark teure und 770 Meter lange Brücke besteht aus rund 6200 Stahl.

Neubau Im Mai 2009 wurde mit der Gründung der neuen Brücke begonnen: Sie steht auf 14 bis zu 44 Meter hohen Pfeilern. Im Sommer 2010 begann das Zusammenschweißen des Überbaus, der von vier jeweils 755 Meter langen Stahlkästen getragen wird. 2011 und 2012 wurden die Fahrbahnen betoniert. Seit Jahresbeginn läuft der Verkehr in eine, seit Frühjahr in beide Richtungen über die neue Brücke.

Kosten Der Kostenrahmen für die Baumaßnahme beträgt 61 Millionen Euro, davon entfallen gut 52 Million auf die Brücke und gut acht Millionen auf die Anbindung an die alte Trasse.